Mit der Absetzung der Interbank Offered Rates (IBOR) als Benchmark-Zinssätze ab 2021 werden sich insbesondere für die bilanzielle Abbildung von Zins-Sicherungsbeziehungen (hedge accounting) nach IFRS Auswirkungen ergeben. Zur Adressierung der bilanziellen Konsequenzen aus der IBOR-Reform hat der IASB ein zweiphasiges Projekt aufgesetzt.[15] Mit den am 15.1.2020 in EU-Recht übernommenen Änderungen durch Phase 1 seines IBOR-Projekts hat der IASB bereits die Fortführung von Sicherungsbeziehungen trotz des angekündigten Wechsels im Benchmark-Zinssatz ermöglicht. Phase 1, die sich mit Anwendungsfragen vor dem Wechsel des Referenzzinssatzes (pre-replacement issues) auseinandersetzt, ist abgeschlossen. Am 27.8.2020 hat der IASB die finalen Änderungen der Phase 2 seines IBOR-Projekts veröffentlicht, welches Änderungen an IFRS 9, IAS 39, IFRS 7, IFRS 4 und IFRS 16 vorsieht.[16] Die im Rahmen der Phase 2 des IBOR-Projekts beschlossenen Änderungen sind verpflichtend für die Geschäftsjahre, die ab dem 1.1.2021 beginnen, anzuwenden. Eine Besonderheit besteht hinsichtlich der Übergangsvorschriften, da diese eine retrospektive Anwendung vorsehen. Ermöglicht wird eine rückwirkende Wiederaufnahme bereits beendeter Hedge Accounting Beziehungen. Dies ist aber an mehrere Bedingungen geknüpft. Die Sicherungsbeziehung musste ausschließlich aufgrund der Folgen der IBOR-Reform beendet werden (solely due) und hätte nicht beendet werden müssen (would not have been required), wären die neuen Änderungen schon anwendbar gewesen. Weiterhin (kumulativ) müssen bei Erstanwendung der Ausnahmevorschriften die Kriterien für Hedge Accounting generell erfüllt sein. Ein Restatement des Vorjahrs ist verzichtbar. Eine vorzeitige Anwendung ist zwar möglich, setzt aber für EU-IFRS-Anwender eine vorherige Übernahme in EU-Recht voraus, die – wiederum auch zeitkritisch – noch im Q4/2020 erwartet wird.

Die Änderungen schaffen praktische Vereinfachungen für die bilanzielle Abbildung von Modifikationen von Finanzinstrumenten infolge der IBOR-Reform, wonach gem. IFRS 9.5.4.7 i. V. mit IFRS 9.B5.4.5 die Anpassung des Effektivzinses keine Auswirkung auf den Buchwert des Finanzinstruments zeitigt. Voraussetzung ist jedoch, dass die Modifikation als direkte Folge (as a direct consequence) der IBOR-Reform notwendig (necessary) war sowie die neue Basis für die Ermittlung der vertraglichen Zahlungsströme mit der vorherigen (d. h. die Basis vor der Modifikation) als wirtschaftlich gleichwertig anzusehen ist. Weitere Erleichterungen werden für die Fortführung bilanzieller Sicherungsbeziehungen nach Übergang auf die neuen Referenzzinssätze ermöglicht. Um das Fortbestehen einer Sicherungsbeziehung zu ermöglichen, wurden neue Regelungen (IFRS 9.6.9.1-6 bzw. IAS 39.102P-U) eingeführt, die eine nachträgliche Anpassung der Dokumentation aufgrund der IBOR-Reform erlauben, ohne dass die bilanzielle Sicherungsbeziehung beendet werden muss. Darüber wurden noch sog. consequential amendments an IFRS 7, IFRS 16 und IFRS 4 nachgezogen:

  • Erweiterung der Angabepflichten um (rein) qualitative Angaben zu den Auswirkungen der IBOR-Reform (IFRS 7.24I und .24J).
  • Bei Modifikationen von Leasingverhältnissen, die als direkte Folge der IBOR-Reform notwendig werden und bei denen die neue Basis für die Ermittlung der Zahlungsströme mit der vorherigen als wirtschaftlich gleichwertig anzusehen ist, ist eine prospektive Änderung der Leasingraten und damit eine Neubewertung der Leasingverbindlichkeit gem. IFRS 16.42 erforderlich (IFRS 16-104-.106).
  • Möglichkeit für Versicherungsunternehmen, die IFRS 9 noch nicht anwenden, die Erleichterungen zur Abbildung von Modifikationen von Finanzinstrumenten unter IAS 39 analog – durch Querverweis – anzuwenden (IFRS 4.20R-.20S).
[15] Vgl. Berger/Spieles, BB 2019, 491 ff.
[16] Vgl. Strampelli/Schubert, PiR 2018, 349 ff.

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