Mit ED/2013/3 wurde ein seit langem ausstehender Vorschlag zur Neuregelung der Wertberichtigungen von Finanzinstrumenten vorgelegt. Wertminderungen sind danach nicht erst dann zu erfassen, wenn sie (i. S. e. incurred loss) eingetreten sind. Für künftig erwartete Zahlungsausfälle soll eine Risikovorsorge auch ohne bereits bestehende Zahlungsstörung gebildet werden. Den (noch) bestehenden Vorgaben wird Komplexität und Widersprüchlichkeit vorgeworfen, überdies sollen Wertberichtigungen zu spät und in zu geringem Umfang erfasst werden. Bereits seit 2009 laufen – basierend auf einem ersten Entwurf ED/2009/12, der als nicht praxistauglich abgelehnt wurde – daher die Arbeiten an einer Neufassung der Vorgaben zur Erfassung von Wertminderungen. In einer Ergänzung zum ursprünglichen Entwurf aus 2011 (ED/2011/1[6]) wurde als gemeinsames Projekt von IASB und FASB eine Entkoppelung von Folgebewertung nach der Effektivzinsmethode und vorgenommenen Wertberichtigungen vorgeschlagen. Der Effektivzinsmethode unterliegende (Fremdkapital-)Finanzinstrumente sollten in ein Weißbuch (keine Wertminderung) und ein Schwarzbuch (bereits Wertberichtigungsbedarf) unterschieden werden. Die Fortentwicklung drehte sich insbesondere um die folgenden Fragestellungen:

  • In welcher Höhe ist für Finanzinstrumente, die dem Weißbuch zugeordnet sind, eine Risikovorsorge zu treffen?
  • Zu welchem Zeitpunkt und in welcher Weise sollen einzelne Geschäfte zwischen den beiden Büchern wandern?

Im Juli 2012 hat der FASB beschlossen, den gemeinsam erarbeiteten Ansatz nicht weiter zu verfolgen und stattdessen ein eigenes Wertminderungsmodell vorzulegen. Der aktuelle Entwurf ED/2013/3 fasst die Ergebnisse des IASB bezogen auf das ursprünglich gemeinsam verfolgte Modell zusammen. Für die Identifizierung eines erwarteten Kreditausfalls – als Barwert des erwarteten Ausfalls vertraglicher Zahlungen – sind vergangenheitsbezogene, gegenwärtige und zukunftsgerichtete Informationen zu berücksichtigen. Die Höhe einer zu erfassenden Risikovorsorge bestimmt sich in Abhängigkeit der Bonitätsverschlechterung seit Zugang. Aktuell ist eine dreistufige Differenzierung vorgesehen. Für Finanzinstrumente der Stufe 1 (kein bedeutsames Kreditrisiko) sieht der IASB die Bildung einer Risikovorsorge für einen möglichen Ausfall in Höhe des Barwerts der erwarteten Zahlungsausfälle innerhalb der nächsten zwölf Monate vor (sog. 12 month expected credit loss). Für Instrumente der Stufen 2 (Ausfall wahrscheinlich, aber noch nicht eingetreten) und 3 (Ausfallereignis eingetreten) ist demgegenüber eine Risikovorsorge in Höhe des Barwerts der über die verbleibende Restlauzeit erwarteten Zahlungsausfälle geboten (sog. lifetime expected credit loss). Die Risikovorsorge erfolgt für ein bilanzwirksames Geschäft durch Dotierung eines Wertberichtigungskontos (loss allowance), bei nicht bilanzierten Geschäften durch Bildung einer Rückstellung (provision). Die Vereinnahmung von Zinsen im Rahmen der Folgebewertung erfolgt für Instrumente der Stufen 1 und 2 basierend auf dem Bruttobuchwert, bei Geschäften der Stufe 3 auf Basis des Nettobuchwerts (nach Abzug der erfassten Kreditausfälle). Für finanzielle Vermögenswerte, bei denen schon im Zugangszeitpunkt objektive Hinweise auf eine Wertminderung bestehen, soll ein ausfallrisikoadjustierter Effektivzins auf Basis der erwarteten, nicht der vertraglichen Zahlungen bestimmt werden. Für Forderungen aus Lieferung/Leistung und Leasingforderungen kann wahlweise die Risikovorsorge stets in Höhe des Barwerts der über die verbleibende Restlaufzeit erwarteten Zahlungsausfälle bemessen werden. Als zusätzliche Elemente für den Anhang sind ein Wertberichtigungsspiegel sowie umfangreiche Erläuterungen zur Bestimmung erwarteter Verluste aufzunehmen. Bereits im Dezember 2012 hatte der FASB seinen eigenen Vorschlag vorgestellt. Anders als nach ED/2013/3 sehen die Vorgaben des FASB eine einheitliche Bemessung der Risikovorsorge für alle Finanzinstrumente im Zugangszeitpunkt vor. Der Höhe nach bemisst sich die im Zeitpunkt des Ansatzes zu erfassende Wertberichtigung als Barwert der über die verbleibende Restlaufzeit erwarteten Zahlungsausfälle.

[6] Vgl. Lüdenbach/Freiberg, BB 2011, 2603 ff.

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