Zusammenfassung

 
Überblick

Der nachfolgende Beitrag gibt einen komprimierten Überblick über die Änderungen bei den IFRS im Jahr 2007. Im Mittelpunkt des Beitrags steht das in diesem Jahr erstmals beschlossene Annual Improvements Project des IASB. Daneben werden verabschiedete Neufassungen von Standards, herausgegebene Entwürfe zu neuen oder grundlegend geänderten Standards sowie an wichtigen Punkten weiterentwickelte Projekte thematisiert.

I. Einleitung

Der nachfolgende Beitrag gibt einen Überblick über in 2007

  • verabschiedete Neufassungen von Standards (IAS 1, IAS 23),
  • im Rahmen des Annual Improvements Projekts vorgelegte Entwürfe zur punktuellen Änderung von Standards,
  • herausgegebene Entwürfe bzw. Near Final Drafts[1] zu neuen oder grundlegend geänderten Standards (IFRS 3/IAS 27, ED IFRS 9, ED IAS 24),
  • an wichtigen Punkten weiterentwickelte Projekte (ED IAS 32 Amendment zu Puttable Instruments, ED SME-IFRS).

Der Beitrag behandelt hingegen nicht vom IFRIC verabschiedete oder im Entwurf vorgelegte Standards. Hierzu wird auf den regelmäßigen IFRIC-Report im Betriebs-Berater verwiesen.[2]

[1] Near Final Draft IFRS 2 amendment Vesting Conditions and Cancellations, der am 4. 12. 2007 veröffentlicht wurde, konnte aufgrund des Redaktionsschlusses zu diesem Beitrag nicht mehr berücksichtigt werden und wird im nächsten BB-IFRS-Report thematisiert.
[2] Zuletzt Schreiber/Thiele/Büchel, BB 2007, 1999 ff. zu IFRIC 11 bis IFRIC 14. Zu IFRIC 11 außerdem Gallowsky/Schmitt/Hasbargen, BB 2007, 203 ff.

II. In 2007 verabschiedete Neufassungen von Standards

1. Gesamteinkommensrechnung (IAS 1)

Änderungen des Reinvermögens eines Unternehmens zwischen zwei Stichtagen ergeben sich durch

  • das in der Berichtsperiode erzielte Gesamteinkommen, d. h. die Summe aus realisierten (in der GuV berücksichtigten) Erfolgen und sonstigen (direkt im Eigenkapital verbuchten) Einkommen und
  • Transaktionen mit den Anteilseignern in der Form von Kapitalzuführungen und -rückzahlungen sowie von Dividenden.

Letztmals für das Geschäftsjahr 2008 besteht ein Wahlrecht, beide Änderungsquellen einheitlich in der EK-Änderungsrechnung darzustellen oder die Aufgliederung des Gesamteinkommens in einer eigenen Rechnung (statement of comprehensive income) vorzunehmen.[3] Mit der in 2007 vorgelegten Neufassung von IAS 1 entfällt dieses Wahlrecht. Mit Wirkung ab 2009 ergibt sich gem. IAS 1.81 zwingend folgende Arbeitsteilung:

  • In der EK-Änderungsrechnung sind nur noch die Transaktionen mit Gesellschaftern im Detail darzustellen, das Gesamteinkommen fließt hier nur noch als Saldo ein.
  • Die Aufschlüsselung dieses Saldos ist dann der pflichtweise aufzustellenden Gesamteinkommensrechnung vorbehalten.

Für das Verhältnis von Gesamteinkommensrechnung und GuV sind zwei Formen zugelassen:

  • Nach dem Two Statement Approach bleibt die GuV ein selbständiges Rechenwerk, dessen Saldo (Gewinn oder Verlust) in die Gesamteinkommensrechnung übertragen wird und dort zusammen mit im Einzeln dargestellten Komponenten des sonstigen Gesamteinkommens das Total Comprehensive Income ergibt.
  • Nach dem One Statement Approach wird die GuV ein unselbständiger Teil der Gesamteinkommensrechnung. Im GuV-Teil werden dann die Ertrags- und Aufwandspositionen zum Jahresüberschusses entwickelt. Im Teil sonstiges Gesamteinkommen werden die erfolgsneutralen Änderungen des Eigenkapitals abgeleitet. Aus der Summe beider Teile ergibt sich wiederum das Total Comprehensive Income.

Die Gesamteinkommensrechnung macht durch die Konzentration auf die Einkommensquellen das Verhältnis von realisierten zu unrealisierten Gewinnen deutlicher als der bisher dominierende und letztmalig in 2008 zulässige Ausweis der unrealisierten Gewinne in der EK-Änderungsrechnung. Sie verdeutlicht z. B. auf einen Blick, ob positive GuV-Ergebnisse durch negative unrealisierte Verluste überkompensiert werden, und somit in Summe ein negatives Einkommen angefallen ist.

Die Neuregelung ist allerdings mit ausufernden Anhangsangabepflichten versehen.[4] Dies betrifft zunächst die Auflösung zuvor erfolgsneutral gebildeter Rücklagen über die GuV (sog. recycling) oder gegen Anschaffungskosten (sog. basis adjustment gem. IAS 1.93) wie in folgendem Beispiel:

Außerdem verlangt IAS 1.90 für sämtliche Komponenten des sonstigen Gesamteinkommens eine Differenzierung zwischen Vor- und Nachsteuerergebnis wie im folgenden Beispiel:

Der Sinn einer solchen Offenlegung ist schwer erkennbar. In den Stellungnahmen zum ED wurde etwa kritisiert, dass hier eine postenbezogene Aufschlüsselung verlangt werde, die in der GuV aus guten Gründen nicht gefordert sei. Der IASB hat dieser Kritik nicht entsprochen, sie vielmehr mit wenig überzeugendem pauschalen Verweis auf Anforderungen der Bilanzadressaten zurückgewiesen (IAS 1.BC68).

[3] Ausführlich Brücks/Diehm, in: Vater u. a. (Hrsg.), IFRS Änderungskommentar 2007, S. 173 ff.
[4] So auch Zülch/Fischer/Erdmann, WPg 2007, 963 ff.

2. Aktivierung von Zinsen (IAS 23)

Die bis 2008 anwendbare Fassung von IAS 23 sieht ein Wahlrecht zur Aktivierung von Zinsen, die im Herstellungszeitraum bzw. zwischen Anschaffungszeitpunkt und Erlangung der Betriebsbereitschaft bei qualifizierten Vermögenswerten a...

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