Arbeitnehmer, Sachprämie / 4 Unterscheidung zwischen Sach- und Barzuwendung

Zuwendung eines Gutscheins

Durch das Jahressteuergesetz 2019 wurde

  • einerseits die Abgrenzung zwischen Bar- und Sachbezug ab 2020 vereinfacht und
  • andererseits aber auch die Pauschalbesteuerung nach § 37b EStG beschränkt.

Neu ist nunmehr, dass per gesetzlicher Definition festgelegt ist, dass zu den Einnahmen in Geld regelmäßig auch zweckgebundene Geldleistungen, nachträgliche Kostenerstattungen, Geldsurrogate und andere auf einen Geldbetrag lautende Vorteile gehören.[1]

Zu den aufgeführten Geldsurrogaten gehören z. B. auch Kreditkarten und Geldkarten. Damit sind diese Zuwendungen regelmäßig lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtiger Arbeitslohn und können auch nicht der Pauschalbesteuerung nach § 37b EStG unterworfen werden.

Allerdings bringt der Gesetzgeber auch eine Ausnahmeregel für Gutscheine ein. Berechtigen Gutscheine und Geldkarten allein zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen vom Aussteller des Gutscheins, können diese auch weiterhin als Sachbezug im Rahmen der 44 EUR-Grenze steuerfrei gestellt sein. Der Gutschein kann anstelle von Waren auch zum Erhalt von Dienstleistungen berechtigen (z. B. Nutzung des Fitnessstudios, Massagen).

Es handelt sich weiterhin immer um Sachbezüge, wenn der Unternehmer Gegenstände bzw. Ware einkauft, die er anschließend seinem Arbeitnehmer zuwendet.

Bei Zuwendung eines Warengutscheins ist Zuflusszeitpunkt der Moment der Übergabe des Gutscheins an den Arbeitnehmer, da diesem ab Erhalt des Gutscheins ein Rechtsanspruch gegenüber dem Dritten auf Leistungserbringung zusteht. Mit dem Zuflusszeitpunkt erfolgt auch die Bewertung der Sachzuwendung. Sofern es nach dem Zuflusszeitpunkt zu Preisänderungen kommt, ist dies unerheblich.[2]

 
Praxis-Beispiel

Gutschein für "eine Massage" beim Anbieter ErholungPur

Herr Huber übergibt seiner Arbeitnehmerin einen Gutschein für eine Massage mit einer Dauer von 30 Minuten. Im Zeitpunkt der Hingabe des Gutscheins beträgt der Wert der Massage 40 EUR.

Es liegt ein steuer- und sozialversicherungsfreier Sachbezug für die Arbeitnehmerin vor, da die Freigrenze von 44 EUR nicht überschritten wird.

Auch soweit der Anbieter "ErholungPur" den Preis bis zum Zeitpunkt der Einlösung auf 45 EUR erhöht, ergibt sich keine Änderung für die Arbeitnehmerin.

Wendet der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer einen Reisegutschein über 1.400 EUR zu, handelt es sich um einen Sachbezug, weil der Geldbetrag nur für den Bezug einer konkreten Sachzuwendung (Reise) verwendet werden kann.

 
Praxis-Beispiel

Reisegutschein als Preis für einen internen Wettbewerb

Herr Huber hat mit den Arbeitnehmern seines Betriebs einen internen Wettbewerb veranstaltet. Herr Braun gewinnt bei diesem Wettbewerb einen Reisegutschein über 1.400 EUR.

Der Reisegutschein ist als Sachzuwendung zu behandeln, weil der im Gutschein genannte Betrag nur für eine Reise verwendet werden kann. Die 1.400 EUR sind als Arbeitslohn zu versteuern.

Buchungsvorschlag:

 
Konto SKR 03/04 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 03/04 Haben Kontenbezeichnung Betrag
4120/6020 Gehälter 1.400 1200/1800 Bank 1.400

So kann gebucht werden, wenn die Zuwendung an den Arbeitnehmer zum Zeitpunkt der Zahlung feststeht. Hat der Unternehmer aber den Gutschein bereits beim Reisebüro bezahlt und steht noch nicht fest, welcher Arbeitnehmer den Gutschein erhalten wird, bucht er zunächst erfolgsneutral wie folgt:

Buchungsvorschlag:

 
Konto SKR 03/04 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 03/04 Haben Kontenbezeichnung Betrag
1500/1300 Sonstige Vermögensgegenstände 1.400 1200/1800 Bank 1.400

Sobald aufgrund des internen Wettbewerbs feststeht, welcher Arbeitnehmer den Gutschein erhält, fließt ihm der Betrag zu. Der Arbeitnehmer muss über den Gutschein verfügen können, d. h., er muss ihn beim Reisebüro einlösen können. Das ist der Fall, sobald der Gutschein an den Arbeitnehmer ausgehändigt wird.

Buchungsvorschlag:

 
Konto SKR 03/04 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 03/04 Haben Kontenbezeichnung Betrag
4120/6020 Gehälter 1.400 1500/1300 Sonstige Vermögensgegenstände 1.400

Die Lohnsteuer und die Sozialversicherungsbeiträge für diese Barzuwendungen müssen dann ermittelt und gebucht werden. Die Buchung erfolgt wie bei allen Gehaltsabrechnungen.

Voraussetzung für Sachzuwendungen

Ob Barlöhne oder Sachbezüge vorliegen, entscheidet sich nach dem Rechtsgrund des Zuflusses, also auf Grundlage der arbeitsvertraglichen Vereinbarungen danach, was der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber beanspruchen kann. Es kommt nicht darauf an, auf welche Art und Weise der Arbeitgeber den Anspruch erfüllt und seinem Arbeitnehmer den zugesagten Vorteil verschafft. Eine Sachzuwendung liegt demnach auch vor, wenn der Arbeitnehmer selbst Vertragspartner des Leistenden wird.[3]

Sachbezüge i. S. d. § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG und § 11 EStG sind alle nicht in Geld bestehenden Einnahmen. Sachbezug ist u. a. ein Gutschein zum Waren- oder Dienstleistungsbezug.

Für alle Gutscheine gilt, dass diese bei einem bestimmten Händler einzulösen sind und keine Barauszahlung möglich ist. Auch Center-Gutscheine sind hie...

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