Zusammenfassung

 
Begriff

Anzahlungen stellen Vorleistungen im Rahmen eines schwebenden Geschäfts dar. Sie können auch als Kredit des Auftraggebers an seinen Lieferanten gesehen werden, da dieser den Kaufpreis ganz oder teilweise bereits vor der Erbringung der Leistung vereinnahmt. Die Anzahlungen mindern mit Erfüllung des Sach- oder Dienstleistungsanspruchs die dabei entstehende Gegenleistungsverpflichtung und den Gegenleistungsanspruch.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Anzahlungen werden in §§ 266 und 268 HGB aufgeführt. Bei der Umsatzsteuer sind §§ 13, 14 und 15 UStG relevant.

1 Bilanzsteuerrecht

1.1 Umfang der ­Bilanzierung

Ansprüche und Verpflichtungen aus schwebenden Geschäften sind bilanzrechtlich erfolgsneutral unter den Forderungen bzw. Verbindlichkeiten auszuweisen. Geleistete Anzahlungen sind demnach in der Bilanz zu aktivieren und erhaltene Anzahlungen als Verbindlichkeiten zu passivieren.

Diese Aktivierungs- und Passivierungsgebote gelten sowohl handels- und als auch steuerrechtlich. Die Rechtsgrundlage für die Aktivierung bzw. Passivierung von Anzahlungen liegt darin, dass in dem Aktivposten der Sachanspruch auf Leistung und in dem Passivposten die Verbindlichkeit auf Erbringung der Leistung zum Ausdruck kommt.[1]

Geleistete Anzahlungen sind unabhängig davon zu aktivieren, ob die zu erlangende Leistung zum Erwerb eines aktivierungspflichtigen Vermögensgegenstands oder für die Erbringung einer nicht aktivierungspflichtigen Dienstleistung führt.

 
Praxis-Beispiel

Anzahlungsrechnung

Eine Anzahlungsrechnung über 10.000 EUR zzgl. 1.900 EUR Umsatzsteuer wird auf dem Bankkonto gutgeschrieben.

Buchung beim Empfänger der Anzahlung ohne Berücksichtigung der Umsatzsteuer:

 
Aktiva
Bank 10.000 EUR
Passiva
Erhaltene Anzahlungen 10.000 EUR
Buchung beim Auftraggeber:­  
Aktiva:
Geleistete Anzahlungen 10.000 EUR
Vorsteuer 1.900 EUR
Passiva:
Bank 11.900 EUR

Anzahlungen bestehen regelmäßig aus Geld. Sie sind mit dem tatsächlich hingegebenen bzw. dem tatsächlich zugeflossenen Geldbetrag zu bewerten. Eine ertragsteuerrechtliche Abzinsung erfolgt nicht.[2]

1.2 Zeitpunkt der ­Bilanzierung

Die reine Verpflichtung, eine Anzahlung zu leisten, ist bilanziell noch nicht abzubilden.[1] Geleistete Anzahlungen sind deshalb erst zu dem Zeitpunkt zu verbuchen, in dem der geleistete Geldbetrag tatsächlich aus dem Vermögen des Auftraggebers ausgeschieden ist. Dies erfolgt bei Überweisungen bereits mit der Erteilung des Überweisungsauftrags.[2] Bei Hingabe von Wechseln oder Schecks sind die Anzahlungen in dem Zeitpunkt bewirkt, in dem dem Auftragnehmer das Geld durch Diskontierung oder Einlösung tatsächlich zufließt.

Erhaltene Anzahlungen sind entsprechend in dem Zeitpunkt auf der Passivseite auszuweisen, in dem sie in die Verfügungsmacht des Auftragnehmers gelangt sind.

Der Schwebezustand endet mit der Erbringung der vereinbarten Leistung. Der Vergütungsanspruch ist in der Endabrechnung mit den geleisteten Anzahlungen zu saldieren. Entsprechend ist bei der Verbuchung der Schlussrechnung nur der verbleibende Differenzbetrag als restliche Verbindlichkeit bzw. Forderung auszuweisen.

Bei Erwerb eines aktivierungsfähigen Vermögensgegenstands erfolgt eine erfolgsneutrale Umbuchung der geleisteten Anzahlung auf den entsprechenden aktiven Bilanzposten. Bei der Erbringung einer nicht aktivierungspflichtigen Dienstleistung ist bei Leistungserbringung eine erfolgswirksame Umbuchung als Aufwand vorzunehmen.

Geht eine geleistete Anzahlung verloren, vorwiegend aufgrund Insolvenz des Auftragnehmers vor Ausführung der Leistung, ist die Anzahlung gewinnmindernd auszubuchen. Dies gilt auch, wenn die Leistung letztendlich von einem Dritten ausgeführt wird. Soweit eine Anzahlung verloren geht, gehört sie nicht zu den Anschaffungskosten des erworbenen Wirtschaftsguts.[3]

1.3 Einnahmen-Überschussrechnung

Bei der Einnahmen-Überschussrechnung werden Einnahmen und Ausgaben entsprechend ihrer tat­sächlichen Zahlungen erfasst. Im Gegensatz zur Bilanzierung führen deshalb die Vereinnahmung einer Anzahlung mit ihrem Bruttobetrag zu einer Betriebseinnahme und die Verausgabung zu einer Betriebsausgabe. Ist aus der Anzahlung Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen, führt deren Zahlung wiederum zu einer Betriebsausgabe.

Anzahlungen auf Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens stellen jedoch keine sofort abzugsfähigen Betriebsausgaben dar. Sie gehen vielmehr in die Anschaffungs- und Herstellungkosten und damit in die Abschreibung des erworbenen Wirtschaftsguts ein. Der Beginn der Abschreibung kann aber durch eine Anzahlung nicht vorgezogen werden, diese kann nach allgemeinen Abschreibungsgrundsätzen erst mit Erhalt der Leistung vorgenommen werden. Geht die geleistete Anzahlung jedoch verloren, ist diese als Betriebsausgabe zu behandeln.[1]

Entsprechende Grundsätze gelten bei der Ermittlung der Überschusseinkünfte...

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