Abschreibung, degressiv / 6.2 Auswirkung auf die in der Handelsbilanz auszuweisenden latenten Steuern

Gem. § 274 HGB werden latente Steuern aus der Differenz der unterschiedlichen Wertansätze in der Handels- und in der Steuerbilanz ermittelt (bilanzorientierter Ausweis).

Sofern der Wertansatz in der Handelsbilanz den Wert in der Steuerbilanz übersteigt, ist in Zukunft mit steuerlichen Mehrbelastungen zu rechnen. In diesem Fall sind passivische latente Steuern (in der Handelsbilanz) auszuweisen. Bei Anwendung der degressiven Abschreibung in der Steuerbilanz kommt es daher zur Bildung passivisch latenter Steuern, wenn durch die degressive Abschreibung die Wertansätze in der Steuerbilanz die Wertansätze in der Handelsbilanz unterschreiten. Bei der Berechnung sind die individuellen Steuersätze zu berücksichtigen, die am Bilanzstichtag gelten.

Nach Auffassung des IDW und wohl mehrheitlicher Meinung in der Literatur ist eine Rückstellung für passive latente Steuern auch von Kaufleuten zu bilden, die nicht unter § 274 HGB fallen, wenn die Voraussetzungen des § 249 HGB erfüllt sind. Davon ist auszugehen, wenn die am Bilanzstichtag bestehenden Differenzen zwischen handelsbilanziellem Wert und steuerlichem Wert sich im Zeitablauf (automatisch) abbauen und insgesamt zu einer Steuerbelastung führen. Konsequenz ist, dass auch kleine Kapitalgesellschaften/haftungsbeschränkte Personenhandelsgesellschaften sowie Personenhandelsgesellschaften als auch Einzelunternehmer in der Handelsbilanz passive latente Steuern bzw. Rückstellungen ausweisen müssen.

Wenn bei Kaufleuten, die nicht unter § 274 HGB fallen bzw. die von der Anwendung des § 274 HGB befreit sind, immer passive latente Steuern auszuweisen sind, dann ist es durchaus sinnvoll, auch die aktiven latenten Steuern auszuweisen. Eine Vereinfachung würde nur eintreten, wenn man insgesamt auf den Ausweis latenter Steuern verzichten könnte. Ein Verzicht nur bei den aktiven latenten Steuern ist wenig sinnvoll. Besser ist es, alle abweichenden Bilanzpositionen zu erfassen und die steuerliche Auswirkung festzuhalten.

 
Praxis-Tipp

Zusammenfassung und Fazit

  • Die degressive Abschreibung kann in der Steuerbilanz anstelle der linearen Abschreibung bei beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens angewendet werden, die in den Wirtschaftsjahren 2020 und 2021 angeschafft oder hergestellt werden.
  • Der degressive Abschreibungssatz beträgt das 2,5-fache des linearen Abschreibungssatzes, jedoch maximal 25 %.
  • Bei Nutzungsdauern bis 3 Jahren ist der lineare Abschreibungssatz höher als der degressive Abschreibungssatz. In diesem Fall übersteigt der lineare Abschreibungsbetrag den degressiven Abschreibungsbetrag im ersten Nutzungsjahr. Die degressive Abschreibung bietet unter dem Gesichtspunkt der Aufwandsvorverlagerung keinen Vorteil.
  • Bei einer Nutzungsdauer von 4 Jahren sind der lineare und der degressive Abschreibungssatz gleich groß, so dass sich im ersten Jahr nach beiden Methoden der gleiche Abschreibungsbetrag ergibt. Da der optimale Wechselzeitpunkt von der degressiven zur linearen Abschreibung bereits zu Beginn des ersten Nutzungsjahrs liegt, bietet die degressive Abschreibung unter dem Gesichtspunkt der Aufwandsvorverlagerung keinen Vorteil.
  • Erst ab einer Nutzungsdauer von 5 Jahren führt die degressive Abschreibung im Vergleich zur linearen Abschreibung zur Aufwandsvorverlagerung. Folglich ist die Anwendung der degressiven Abschreibung sinnvoll, wenn möglichst viel Abschreibungsvolumen früh als Aufwand verrechnet werden soll.
  • Bei Anwendung der degressiven Abschreibungsmethode in der Steuerbilanz besteht ein Wahlrecht, die degressive Abschreibungsmethode bis zum Ende der Nutzungsdauer beizubehalten oder vor dem Ende der Nutzungsdauer auf die lineare Abschreibung zu wechseln:

    • Erfolgt kein Wechsel zur linearen Abschreibung können insbesondere bei kurzen Nutzungsdauern u. U. erhebliche Beträge auf das letzte Jahr der Nutzungsdauer entfallen.
    • Soll ein Wechsel auf die lineare Abschreibung erfolgen, so stellt sich die Frage nach dem optimalen Zeitpunkt für den Wechsel. Unter der Zielsetzung der Aufwandsvorverlagerung bietet sich ein Wechsel zu Beginn der Periode an, ab der die Jahresabschreibungsbeträge nach der linearen Methode die Beträge nach der degressiven Abschreibung übersteigen.
  • Die wahlweise Anwendung der degressiven Abschreibung in der Steuerbilanz ist ein steuerliches Wahlrecht, das – mangels handelsrechtlicher Öffnungsklausel – nicht selbstverständlich auf die Handelsbilanz angewendet werden kann.
  • Die degressive Abschreibung ist in der Handelsbilanz nur anwendbar, wenn durch sie der Werteverzehr eines Vermögensgegenstands sachgerecht abgebildet wird.
  • Zu beachten ist zusätzlich der Grundsatz der Bewertungsstetigkeit. Abschreibungsmethoden sind nach § 252 Abs. 1 Nr. 6 HGB stetig anzuwenden.

    • Wurden im Vorjahr art- und funktionsgleiche Vermögensgegenstände handelsrechtlich linear abgeschrieben, weil dies dem tatsächlichen Werteverzehr entspricht, so sind auch art- und funktionsgleiche Neuzugänge linear abzuschreiben.
    • Ein Wechsel zur degressiven Abschreibung kann nicht allein mit der A...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Finance Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Finance Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge