Eine geringfügige private Nutzung des häuslichen Arbeitszimmers (< 10 %) ist unschädlich (BFH-Urteil vom 10.3.1970, BStBl II S. 458), z. B. zur Erledigung der üblicherweise anfallenden privaten Post (BFH-Urteil vom 19.5.1985, VI R 198/83, BFH/NV 1986 S. 202). Für die Feststellung, ob eine außerberufliche Nutzung von so untergeordneter Bedeutung ist, dass der Raum die Eigenschaft als Arbeitszimmer nicht verliert, dienen regelmäßig die Größe der Wohnung und die Zahl der Familienmitglieder sowie die Ausstattung des Raumes als wichtige Anhaltspunkte:

  • Die anderen Wohnräume müssen für den nach der Lebenserfahrung notwendigen Wohnbedarf des Arbeitnehmers und seiner Familie zweifelsfrei ausreichen.
  • Enthält das Zimmer außer dem Schreibtisch den erforderlichen Stühlen und Bücherregalen noch weitere in Wohnräumen übliche Einrichtungsgegenstände (z. B. Sessel, Couch mit Couchtisch, Fernseher, Kleiderschränke usw.), so wird regelmäßig davon auszugehen sein, dass es in nicht untergeordnetem Umfang auch außerberuflichen Zwecken dient. Das Vorhandensein einer Liege kann allerdings unschädlich sein (BFH-Urteil vom 18.3.1988, VI R 27/85, BFH/NV 1988 S. 773).
  • Ein steuerlich anzuerkennendes Arbeitszimmer liegt nur dann vor, wenn das zu betrieblichen oder beruflichen Zwecken genutzte Arbeitszimmer von den übrigen Wohnräumen räumlich abgetrennt ist. Deshalb sind Aufwendungen für einen beruflich genutzten Bereich auf einer Empore (offenen Galerie) nicht abzugsfähig (BFH-Urteile vom 6.2.1992, BStBl II S. 528 und vom 6.12.1991, BStBl 1992 II S. 304), auch nicht für einen Raum, der ohne Türabschluss betreten werden kann (BFH-Urteil vom 28.10.1977, BStBl II 1978 S. 151). Ein Arbeitszimmer kann auch nicht Teil eines Raumes sein, der durch Querstellen eines Schrankes, durch sonstige der Möblierung dienende Raumteiler, durch einen Vorhang oder durch eine ähnliche Gestaltung geschaffen wird.
  • Muss das Arbeitszimmer durchquert (sog. ›Durchgangszimmer‹) werden, um alle übrigen oder mehrere privat benutzten Räume in der Wohnung zu erreichen, so ist die private Mitbenutzung nicht nur von untergeordneter Bedeutung (BFH-Urteil vom 18.10.1983, BStBl 1984 II S. 110). Unschädlich ist es aber, wenn das Arbeitszimmer nur durchquert werden muss, um z. B. das Schlafzimmer zu erreichen (BFH-Urteil vom 19.8.1988, BStBl II S. 1000).

Nach Aufgabe der Rspr. zum Aufteilungs- und Abzugsverbot durch den Großen Senat des BFH (Beschluss vom 21.9.2001, BStBl 2010 II S. 672; vgl. Tz 11.11.7.1) ergab sich auch bei einem sowohl beruflich als auch privat genutzten Raum die Frage, ob die Aufwendungen z. B. für eine darin beruflich genutzte ›Arbeitsecke‹ in einen beruflichen und privaten Teil aufgeteilt werden können. Diese Frage hat nun der Große Senat des BFH in einer weiteren Grundsatzentscheidung verneint (BFH-Beschluss vom 27.7.2015, BStBl 2016 II S. 265):

Ein häusliches Arbeitszimmer setzt schon vom Begriff her voraus, dass der jeweilige Raum ausschließlich oder nahezu ausschließlich für betriebliche oder berufliche Zwecke genutzt wird. Das ist bei einem in nicht unerheblichen Umfang auch privat genutzten Raum nicht der Fall, so dass ein Abzug der Aufwendungen insgesamt ausscheidet. Nach Auffassung des Großen Senats steht seine ablehnende Entscheidung zum Arbeitszimmer auch in Einklang mit seiner o. a. Entscheidung zum Aufteilungs- und Abzugsverbot. Die Abzugsbeschränkung für ein häusliches Arbeitszimmer nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG ist eine allgemeinen Grundsätzen vorgehende Spezialregelung. Diese bestimmt abschließend, unter welchen Voraussetzungen und in welcher Höhe Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer abziehbar sind.

Im Anschluss an den Beschluss des Großen Senats sind inzwischen die anhängig gewesenen Revisionsverfahren Az. IX R 23/12 (BFH-Urteil vom 16.2.2016, BFH/NV 2016 S. 912), Az. X R 1/13 (BFH-Urteil vom 17.2.2016, BFH/NV 2016 S. 913), Az. X R 32/11 (BFH-Urteil vom 17.2.2016, BFH/NV 2016, 1203), Az. VIII R 22/14 (Beschluss vom 22.3.2016, BFH/NV 2016, 1054), Az. VIII R 10/12 (BFH-Urteil vom 22.3.2016, BStBl II S. 881), Az. VIII R 24/12 (BFH-Urteil vom 22.3.2016, BStBl II S. 884), Az. III R 62/11 (BFH-Urteil vom 8.9.2016, BStBl 2017 II S. 163) und Az. X R 18/12 (BFH-Urteil vom 13.12.2016, BStBl 2017 II S. 450) zurückgewiesen worden. In Anknüpfung daran hat der BFH zudem entschieden, dass auch bei betrieblich oder beruflich mitgenutzten Nebenräumen (z. B. Flur, Küche, Bad) keine Aufteilung der Aufwendungen in Frage kommt, wenn ein berücksichtigungsfähiges häusliches Arbeitszimmer existiert (BFH-Urteil vom 17.2.2016, BStBl II S. 611).

Nachdem nunmehr keine weitere Entscheidung des BFH zur Aufteilbarkeit der Aufwendungen für sowohl beruflich als auch privat genutzte Räume mehr aussteht und auch die gegen das o. a. BFH-Urteil vom 13.12.2016, X R 18/12 eingelegte Verfassungsbeschwerde mit Beschluss des BVerfG vom 27.9.2017, 2 BvR 949/17 nicht zur Entscheidung angenommen wurde, kommt ein Ruhen der Einspruchsverfahren in vergleichbaren Fällen nicht...

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