Wie die Digitalisierung die... / 2 Die neue Rolle des Chefs im digitalen Unternehmen

Die Diskussion um das Unternehmer-Gen ist so alt wie die Wirtschaft selbst. Unterdessen wird in der Gesellschaft, in den Medien und in Fachkreisen intensiv darüber diskutiert, welche Eigenschaften der erfolgreiche Manager in Zeiten der Digitalisierung mitbringen muss, um ein bestehendes Geschäftsmodell aufzubrechen und zu verändern oder um ein neues Geschäftsmodell erfolgreich in den Markt einzuführen. Auch in den deutschen TV-StartUp-Formaten geht es regelmäßig um die Suche nach der perfekten Unternehmer-Performance.

Vorbild sind dabei meist die US-Manager, die bereits nachgewiesen haben, wie Erfolg in Zeiten von StartUps und Disruption geht. Z. B. Larry Page und Sergey Brin, die Google von der Suchmaschine zum Digitalkonzern Alphabet weiterentwickelt haben. Sie zeichnen sich aus durch Führungsstärke, Mut, Risikobereitschaft, Innovationswille und Zielstrebigkeit - sie unterscheiden sich in ihrer sozialen Kompetenz von traditionellen Managern: Hierarchien spielen eine untergeordnete Rolle, statt testierten Abschlüssen zählen Wille und Begeisterungsfähigkeit der Mitarbeiter. Gearbeitet wird in Projekten und Teams.

Fazit: Die alten Unternehmerpersönlichkeits-Merkmale bleiben gefragt - geändert hat sich vor allem der soziale Content.

 

Praxis-Tipp

Entscheidungskompetenzen verschieben

Das Geschäft ist in (fast) allen Branchen komplexer geworden ist. Das stellt höhere Anforderungen an die Mitarbeiter in allen Funktionen und Projekten - auch und gerade an das Management. Das gilt für alle Geschäftsbereiche und ganz besonders für die Themen Finanzen, Prozesse, IT, Service, Marketing und Recruiting.

Wichtig: Entscheidungskompetenzen sollten breiter aufgestellt und nach unten verschoben werden, damit die Organisation auf allen Ebenen schneller und damit effizienter reagieren und wachsen kann.

Es gibt viele Eigenschaften und Ausprägungen, die dem modernen Chef unterschoben werden, wenn er die Herausforderungen der digitalen Wirtschaft bewältigen will: Er nimmt sich zurück. Er stellt die richtigen Fragen. Er denkt nicht in Planerfüllung, sondern deckt Schwachstellen auf. Am besten gefällt mir: "Die Führungskraft der Zukunft kennt nicht die Lösung, sondern organisiert den Prozess, der zum Finden der Lösung führt". Eine Aussage mit höchstem Anspruch. Zugleich das Ende der fachlichen Überlegenheit des Chefs - auch in kleineren Unternehmen.

Der Springer-Digitalisierungsbeauftragte Christoph Keese widmet in seinem lesenswerten Buch Silicon Germany dem Thema erfolgreiche Charaktere von Führungspersönlichkeiten in der Digitalisierung gleich ein ganzes Kapitel. So beschreibt er ausführlich den Netflix-Chef Reed Hastings als bürolosen Dauer-Kommunikator, Motivator und Netzwerker, der in seinen Unternehmen alles nur Denkbare veranlasst, damit sich seine kreativen Mitarbeiter ohne jegliche Firmeninterne Bürokratie auf die Produktentwicklung konzentrieren können. Sein Credo: "Wir begegnen dem Wachstumschaos nicht durch mehr Regeln, sondern durch mehr kreative Köpfe".

Wichtig ist, dass auch in kleineren Unternehmen Kapazitäten vorhanden sind, die den gewohnten Geschäftsbetrieb hinterfragen, den Markt ständig beobachten und neue Entwicklungen in die Firma einbringen. Das kann nicht mehr alleine Chefsache sein und abzuwarten bis der/die Junior/in frischen digitalen Wind in die Firma bringt, dauert in der Regel zu lange.

Das gilt nicht mehr nur für gestandene, ältere Kollegen, sondern für alle Altersstufen - der Wandel ist gegenwärtig, ständig und generationsübergreifend. Sie sind also gut beraten, sich einen kreativen Mitarbeiter zu leisten und ihn dazu zu animieren, quer zu denken und ihn das auch aussprechen zu lassen.

 

Praxis-Tipp

Bewährte Muster neu denken

So verständlich es ist, eingeübte und bewährte Verhaltensmuster nicht zu ändern, so (überlebens-) wichtig ist es für Unternehmer, sich ständig neu zu erfinden. Aber: Es gibt kein Erfolgs-Muster, wie Sie diese Herausforderungen schaffen. Beste Voraussetzungen zum Überleben sind: Neugier, kontrollierte Risikobereitschaft, ständiges Lernen und die permanente Belebung Ihres beruflichen Netzwerks. Besonders betroffen sind Branchen, die jetzt noch besonderen rechtlichen Schutz genießen (Handwerks-Berufe, sonstige zulassungspflichtige Gewerbe, freie Berufe, auch geschützte Märkte vgl. Flixbus, Uber), stationäre Einzelhändler mit überwiegendem Fremd-Sortiment, Franchise-Unternehmen und zuliefernde produzierende Unternehmen.

"The Spark" (der Funke) heißt der deutsche Digitalpreis, der jährlich von der Unternehmensberatung McKinsey und dem Handelsblatt an Erfolg versprechende StartUps vergeben wird. Ziel der Veranstaltungen ist es, eine breite Aufmerksamkeit für neue Entwicklungen und Geschäftsideen zu schaffen. Dabei ist es nicht nur für die Großen der Branche interessant, Kontakte zu kreativen Gründern herzustellen. Auch kleinere Unternehmen können so frühzeitig neue Entwicklungen antizipieren und ggf. in ihr Geschäftsmodell einfließen lassen. Etwa am Beispiel der drei zuletzt ausgezeichneten StartU...

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