Wertpapiere / 3.2 Teilwertabschreibungen

Bilanzierte Wertpapiere können bei einer voraussichtlich dauernden Wertminderung gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG auf den niedrigeren Teilwert abgeschrieben werden. Eine Teilwertabschreibung rechtfertigende voraussichtlich andauernde Wertminderung liegt grundsätzlich vor, wenn mit einem langfristigen Anhalten der Wertminderung gerechnet werden muss und keine konkreten Anhaltspunkte für eine baldige Wertsteigerung vorliegen.

Die Finanzverwaltung geht von einer voraussichtlich dauernden Wertminderung nur dann aus, wenn der Börsenkurs von börsennotierten Aktien zu dem jeweils aktuellen Bilanzstichtag um mehr als 40 % unter die Anschaffungskosten gesunken ist oder zu dem jeweils aktuellen Bilanzstichtag und dem vorangegangenen Bilanzstichtag um mehr als 25 % unter die Anschaffungskosten gesunken ist.

Im Gegensatz dazu hat der BFH entschieden, dass bei jeder Minderung des Kurswerts (gegenüber dem Kurswert im Zeitpunkt des Aktienerwerbs) von einer voraussichtlich dauernden Wertminderung ausgegangen werden kann. Bei geringfügigen Abweichungen unterbleibt eine Teilwertabschreibung (im Rahmen einer Bagatellgrenze von 5 %).

Die Finanzverwaltung hat das Urteil umgesetzt, sodass jede Kurswertminderung (gegenüber dem Kurswert im Zeitpunkt des Aktienerwerbs) die Annahme einer voraussichtlich dauernden Wertminderung (mit Ausnahme der Bagatellgrenze von 5 %) bekräftigt. Ferner ist die Kursentwicklung nach dem Bilanzstichtag nicht maßgeblich.

Bei festverzinslichen Wertpapieren, die am Ende ihrer Laufzeit zum Nennwert eingelöst werden können, findet keine Teilwertabschreibung statt, auch wenn der Kurswert unter den Nennwert gesunken ist. Das gilt auch dann, wenn die Wertpapiere zum Umlaufvermögen gehören. Eine Teilwertabschreibung kann nur ausnahmsweise in Betracht kommen, wenn beim Schuldner ein Bonitäts- und Liquiditätsrisiko besteht.

Bei einer dauernden Wertminderung müssen die Wertpapiere handelsrechtlich in der Regel auf den niedrigeren Teilwert abgeschrieben werden. Gehören die Wertpapiere zum Umlaufvermögen, muss der niedrigere Wert angesetzt werden (strenges Niederstwertprinzip). Bei der Ermittlung des Teilwerts sind auch die anteiligen Nebenkosten zu erfassen.

Steuerlich besteht ein Wahlrecht zur Abschreibung auf den niedrigeren Teilwert. Die außerplanmäßige Abschreibung (Teilwertabschreibung) in der Handelsbilanz muss nicht für die Steuerbilanz übernommen werden. Das heißt, der Unternehmer kann steuerlich auch auf eine Teilwertabschreibung verzichten. Das Wahlrecht zur Abschreibung auf den niedrigeren Teilwert bei einer dauerhaften Wertminderung kann somit unabhängig vom handelsrechtlichen Bewertungsansatz ausgeübt werden.

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