Vorführwagen: Die richtige ... / 2.3 Die Steuer kann pauschaliert berechnet werden

Für den Arbeitgeber besteht die Möglichkeit, den Anteil des geldwerten Vorteils, der auf die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte entfällt, mit 15 % pauschal zu versteuern. Die Höhe dieser Pauschalierung ist auf den Betrag begrenzt, den der Arbeitnehmer als Werbungskosten geltend machen könnte. Der pauschal besteuerte Anteil berechnet sich anhand der Tage pro Monat, an denen das Fahrzeug tatsächlich zur Arbeitsstätte genutzt wird, und anhand der Entfernungspauschale. Aus Vereinfachungsgründen kann aber von 15 Arbeitstagen ausgegangen werden, um nicht jeden Monat diese Beträge neu errechnen zu müssen.

Wenn in diesem Fall die Pauschalbesteuerung angewandt wird und der Arbeitgeber hierfür die pauschale Lohnsteuer (+ pauschale Kirchensteuer + Solidaritätszuschlag) trägt, kann der Arbeitnehmer für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte keine Werbungskosten bei seiner Einkommensteuererklärung mehr geltend machen. Diese pauschal besteuerten Beträge hat der Arbeitgeber auf der Lohnsteuerkarte zu bescheinigen.

 

Praxis-Beispiel

Berechnung des geldwerten Vorteils

Bemessungsgrundlage ist der im Beispiel ermittelte Nutzungswert von 98,28 EUR. Pauschal können davon einheitlich 0,30 EUR pro Entfernungskilometer für die Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsstätte abgezogen werden.

 
Berechnung: Entfernung 14 km
14 km × 15 Tage × 0,30 EUR = 63 EUR  

Der geldwerte Vorteil beträgt dann noch:

 
Nutzungswert 98,28 EUR
./. Fahrten Wohnung – Arbeitsstätte ./. 63,00 EUR
Summe = 35,28 EUR
1 % des Bruttolistenpreises + 234,00 EUR
Geldwerter Vorteil 269,28 EUR

Ob man diese Pauschalierungsmöglichkeit nun anwendet oder nicht, muss im Einzelfall betrachtet werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass diese pauschal besteuerten Beträge nicht sozialversicherungspflichtig sind. Dies ist aber nur bei Bezügen innerhalb der Beitragsbemessungsgrenze relevant.

 

Praxis-Tipp

Mischpreiskalkulation – vom Finanzamt akzeptierte Methode

Da in Autohäusern die Vorführwagen relativ oft wechseln, weil sie ja auch möglichst innerhalb eines halben Jahres verkauft werden sollen, sind viele Finanzämter mit einer Mischpreiskalkulation einverstanden, denn es ist oft gar nicht möglich festzustellen, wer wann welches Fahrzeug gefahren ist. D. h., dass z. B. für alle Verkäufer, die unterschiedliche Modelle fahren, ein Mischpreis für die Ermittlung des Bruttolistenpreises errechnet werden kann. Wenn man darüber hinaus noch glaubhaft machen kann, dass die im Betrieb zugelassenen Vorführwagen nicht mit allen Extras ausgestattet sind, kann dieser Preis noch um einiges gedrückt werden. Die Top-Modelle eines Fabrikats, die i. d. R. einen sehr viel höheren Preis haben, brauchen dann nicht in diese Mischpreiskalkulation einbezogen werden, wenn diese Modelle nicht üblicherweise als Vorführwagen zugelassen werden oder die Nutzung dieses Modells z. B. dem Geschäftsführer vorbehalten ist.

2.3.1 Auswirkung beim Arbeitnehmer ohne Pauschalbesteuerung

 

Praxis-Beispiel

Auswirkung beim Arbeitnehmer

Herr Meier erhält ein monatliches Bruttogehalt von 4.000 EUR. Bei Lohnsteuerklasse 3 mit 1 Kind sind dies rd. 2.760 EUR netto ohne Kirchensteuer

Anstatt einer Gehaltserhöhung erhält Herr Meier ab 1. Oktober einen Firmenwagen, den er auch privat nutzen kann. Den geldwerten Vorteil muss er gemäß schriftlicher Vereinbarung versteuern. Dies wären wie im o. g. Beispiel monatlich 332 EUR.

Sein zu versteuerndes Bruttogehalt beträgt nun 4.333 EUR. Netto sind dies dann rd. 2.610 EUR. Die Nettodifferenz beträgt ca150 EUR. Dies zahlt der Arbeitnehmer für die Nutzung eines i. d. R. neuen Fahrzeugs, das er voll für private Zwecke nutzen darf und für das die Kosten in voller Höhe vom Arbeitgeber übernommen werden. Wenn der Arbeitnehmer dieses Fahrzeug privat finanzieren müsste, würden die tatsächlichen monatlichen Kosten einschließlich Wertverlust und Finanzierungskosten rd. 300 EUR betragen. Ein echter Vorteil also von 148 EUR. Wenn man zusätzlich bedenkt, dass bei unentgeltlicher Nutzung eines Vorführwagens immer ein neues Modell gefahren werden kann, ist dies ein weiterer Vorteil.

 

Achtung

Individuelle Berechnung deckt eventuelle Verluste auf

Bei Nutzung eines hochpreisigen Fahrzeugs und gleichzeitig großer km-Entfernung, kann unter Umständen die Versteuerung eines geldwerten Vorteils für einen Firmenwagen unrentabel sein, d. h., die zu zahlende Steuer für den geldwerten Vorteil ist höher als die monatlichen Vollkosten eines Pkws. Dies sollte immer individuell berechnet werden.

2.3.2 Auswirkung beim Arbeitgeber

Alle Aufwendungen für das Fahrzeug sind voll abzugsfähige Betriebsausgaben. Der zu versteuernde geldwerte Vorteil des Arbeitnehmers wirkt sich nur über den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung aus, wenn das Gehalt des Arbeitnehmers innerhalb der Beitragsbemessungsgrenze liegt. Wenn man die monatlichen Kosten – wie oben berechnet – mit 300 EUR ansetzt und diese voll abzugsfähig sind, bleibt dem Arbeitgeber ein Nettoaufwand von rd. 180 EUR (bei einer Steuerbelastung von 40 %). Wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer stattdessen eine Gehaltserhöhung geben würde, bei der für den Arbeitnehmer 300 EUR n...

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