Versandhandel / 5 Versand von Ware über Online-Versandhändler im Rahmen sog. Fulfillment-Verträge

Deutsche Unternehmer vertreiben ihre Waren häufig über (auch im EU-Ausland ansässige) Online-Versandhändler. Dieser Händler kann im Rahmen seines Vertrags mit dem liefernden Unternehmer sog. Fulfillment-Leistungen an den Unternehmer erbringen. Dabei handelt es sich in erster Linie um Leistungen im Zusammenhang mit der Lagerung sowie mit dem Versand der zu vertreibenden Ware. Im Rahmen der Nutzung des Fulfillment wird üblicherweise die Ware vor ihrem Verkauf in Warenlager, die sich in Deutschland befinden (Fulfillment-Center), verbracht. Das Eigentum an der Ware verbleibt bis zu deren Verkauf an den Endkunden bei dem liefernden Unternehmer, der auch für die Rechnungstellung verantwortlich ist. In diesem Zusammenhang gibt es Gestaltungen, die bisher in Deutschland eingelagerten und bereitgestellten Waren auch in anderen EU-Mitgliedstaaten (z. B. Polen, Tschechien) einzulagern. Dabei wird die Ware dem deutschen Warenlager entnommen und in dortige Lager verbacht. Das Eigentum verbleibt weiterhin beim liefernden Unternehmer. Die Kunden des liefernden Unternehmers sind ausschließlich in Deutschland ansässige Privatkunden und, unabhängig vom Lagerort, wird die Ware stets nach Deutschland geliefert. Der Versand der Waren von dem EU-ausländischen Lager nach Deutschland bzw. vom deutschen Lager innerhalb Deutschlands erfolgt jedoch erst, nachdem der Kunde die entsprechende Ware bestellt hat. Nach Auffassung der Finanzverwaltung liegt bei einem solchen Transport der Ware in das EU-ausländische Lager ein steuerbares innergemeinschaftliches Verbringen i. S. d. § 3 Abs. 1a UStG durch den liefernden Unternehmer vor.

 

Hinweis

Nicht nur vorübergehende Verwendung

Eine nicht nur vorübergehende Verwendung liegt auch dann vor, wenn der Unternehmer den Gegenstand mit der konkreten Absicht in den Bestimmungsmitgliedstaat verbringt, ihn dort unverändert weiter zu liefern (z. B. Verbringen in ein Auslieferungs- oder Konsignationslager Diese Regelung lässt offen, ob der Gegenstand im Bestimmungsmitgliedstaat oder vom Bestimmungsmitgliedstaat aus in einen anderen Mitgliedstaat (oder auch in den Ursprungsmitgliedstaat) verkauft wird.

 

Wichtig

Berechnung der Lieferschwelle bei Versandhandel aus mehreren EU-Mitgliedstaaten nach Deutschland durch einen Unternehmer

Zur Berechnung der Lieferschwelle nach § 3c Abs. 3 Nr. 1 UStG, wenn ein Teil der Waren eines Lieferanten z. B. in Polen und ein anderer Teil in Tschechien eingelagert wird und die Waren im Anschluss an die Einlagerung aus beiden Lagern an Endverbraucher in Deutschland geliefert werden, gilt, dass die Lieferschwelle des jeweiligen Bestimmungslandes (hier Deutschland) nur einmal für die Summe der Lieferungen aus sämtlichen anderen Mitgliedstaaten gilt. Bei der Anwendung der Lieferschwelle bei der Versandhandelsregelung ist von der gesamten Umsatztätigkeit des liefernden Unternehmens mit Bezug auf den jeweiligen Bestimmungsmitgliedstaat der Versandhandelslieferung auszugehen. Es kann dabei nicht nach der Umsatztätigkeit in verschiedenen Abgangs-EU-Mitgliedstaaten der Ware unterschieden werden.

 

Wichtig

Folgen bei Verzicht auf die Anwendung oder Unterschreiten der Lieferschwelle

Für den Fall, dass der Lieferer in dem anderen EU-Mitgliedstaat, in dem die Ware zum Versand nach Deutschland gelagert ist, seinen Verzicht auf die Anwendung der Lieferschwelle erklärt, liegt der Ort der Lieferungen nach § 3c UStG auch ohne Überschreiten der Lieferschwelle im Bestimmungsland (hier Deutschland). Wird die Lieferschwelle nach Deutschland oder einen anderen Bestimmungsmitgliedstaat bei Versand der Ware aus dem EU-ausländischen Lager nicht überschritten, liegt der Lieferort des Warenversands in dem jeweiligen Mitgliedstaat des Beginns der Versendung.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge