Verrechnungspreise: Neue Pflichten durch die BEPS-Regelungen, Country-by-Country-Reporting und andere Dokumentationspflichten

Zusammenfassung

 

Überblick

  • Dieser Artikel stellt zunächst die Bedeutung von VP aus steuerlicher und Controlling-Sicht dar, erläutert die Notwendigkeit eines ganzheitlichen VP-Managements und beleuchtet dann ausgewählte praxisrelevante Auswirkungen von BEPS.
  • Anschließend wird die Frage untersucht, ob und in wie weit dieses erheblich verschärfte steuerliche Umfeld zu veränderten steuerlichen VP führen wird und ob diese VP noch für Steuerungszwecken verwendet werden können.[1]

1 Bedeutung von Verrechnungspreisen aus steuerlicher und aus Controlling-Sicht

Verrechnungspreise ("VP") sind seit der Veröffentlichung der Habilitationsschrift von Eugen Schmalenbach im Jahre 1903 in der Betriebswirtschaftslehre verankert und insofern nichts Neues. Die weltweite wirtschaftliche Bedeutung von VP ist enorm, da ca. 60 % bis 70 % des Welthandels innerhalb von Konzernen stattfinden.

Controlling- vs. Steuersicht

Aus Controlling-Sicht werden Verrechnungspreise als Wertansätze definiert, zu denen Leistungen zwischen Teilbereichen eines Unternehmens ausgetauscht werden. Der Austausch von Leistung und Kosten findet direkt zwischen beiden beteiligten Kostenstellen statt. Die Kosten und/oder das Ergebnis beeinflussen die Zielerreichung der Bonusvereinbarung der Mitarbeiter, deren Eigeninteresse auf diese Weise mit dem Firmeninteresse verbunden wird. Das dient der Motivation und der Anreizsteuerung. Der Mitarbeiter handelt so, dass – idealerweise – sein Bonus maximiert und dabei zugleich das Unternehmensergebnis verbessert wird, wodurch zwei Funktionen gleichzeitig erfüllt werden: die der Lenkung und der Koordination. Letztlich soll der Konzerndeckungsbeitrag maximiert werden ("Vergrößerung des Kuchens").

Aus deutscher steuerlicher Sicht werden Verrechnungspreise als Preise und Konditionen für grenzüberschreitende Geschäftsbeziehungen zwischen verbundenen Unternehmen sowie zwischen Stammhaus und Betriebsstätte definiert. Steuerliche VP dienen ausschließlich der wertschöpfungsadäquaten Allokation des Konzernergebnisses. Bildlich gesprochen geht es hierbei lediglich um die "Verteilung des Kuchens" (also Konzerngewinn und somit Steuersubstrat) auf die Staaten. Steuerliche VP bieten gleichermaßen Risiken und Chancen. Im Sinne einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung ist zu empfehlen, zunächst zu überprüfen, ob VP-Risiken bestehen, diese dann zu reduzieren oder gar zu beseitigen, um erst in einem zweiten Schritt zu analysieren, welche Chancen und Mehrwerte sich für das Unternehmen mittels steuerlicher VP realisieren lassen könnten.

2 Der Druck auf steuerlich angemessene Verrechnungspreise nimmt weltweit erheblich zu

Steuerkonformität ist essentielle Voraussetzung

In den jüngeren Jahren und vor allem seit der Veröffentlichung der BEPS[1]-Berichte am 5. Oktober 2015 hat die steuerliche Sicht auf VP dramatisch an Bedeutung gewonnen. Multinationale Unternehmen wollen und müssen mit erster Priorität "tax compliant" sein, um Reputationsschäden, persönliche Strafen für die Geschäftsführung und schmerzhafte Cash-Abflüsse (Mehrsteuern, Zinsen, Strafen) zu vermeiden.

Allerdings stellt man aus Unternehmenssicht fest, dass die steuerlichen Betriebsprüfer der Staaten die Angemessenheit der VP als ein ertragreiches Prüfungsfeld für sich entdeckt haben. Oft decken sich die Vorstellungen eines "fremdüblichen" VP zwischen zwei Behörden und zwischen Behörden und Unternehmen nicht. Dies ist umso bedauerlicher, weil man als Unternehmen versucht, es "richtig" zu machen und dafür erhebliche Ressourcen in den konzernweiten und abteilungsübergreifenden VP-Prozess investiert, der die Preissetzung, Überwachung, Korrektur, Dokumentation und Verteidigung von VP umfasst. Vor diesem Hintergrund verwundert es dann doch sehr, dass sich die BEPS-Papiere fast ausschließlich um eine vermeintliche doppelte Nicht-Besteuerung sorgen, anstatt praxistaugliche Wege aufzuzeigen, wie die täglich eintretende und belastende Doppelbesteuerung beseitigt werden kann.

3 Der Verrechnungspreiszyklus: Bedeutung eines ganzheitlichen Verrechnungspreis-Managements

Stringentes VP-Management – Ein komplexes Vorhaben

In der Praxis setzt ein erfolgreiches VP-Management voraus, dass Abteilungen eng zusammenarbeiten und dass VP Themen sowohl aus steuerlicher als auch aus Controlling-Sicht beurteilt werden.

Professionelles VP-Management umfasst mehr als nur die Festlegung der "richtigen" VP-Methode oder die Erstellung der VP-Dokumentation. Die konzernweite Implementierung von VP-Strukturen ist weitaus umfangreicher und betrifft verschiedene Arbeitsschritte und Fachabteilungen. Abb. 1 strukturiert die einzelnen Umsetzungsphasen und zeigt vereinfachend einen typischen Verrechnungspreiszyklus, wie er bei jedem neuen VP-Sachverhalt in Unternehmen durchlaufen werden sollte.

Abb. 1: Verrechnungspreiszyklus – ganzheitliches VP Management reduziert Risiken und Kosten

Der in Abb. 1 dargestellte VP-Zyklus beschreibt die, vom Autor entwickelte und empfohlene, chronologische Abfolge der Arbeitsschritte, wie sie in einem Unternehmen du...

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