Verdeckte Einlagen

Zusammenfassung

 

Begriff

Eine offene Einlage in die GmbH liegt vor, wenn sich die Gesellschafter verpflichten, der Gesellschaft Eigenmittel zuzuführen. Aber auch ohne eine solche ausdrückliche Verpflichtung kann es dazu kommen, dass ein Gesellschafter der GmbH einen Vorteil (verdeckt) zuwendet. Eine sog. verdeckte Einlage ist anzunehmen, wenn ein Gesellschafter oder eine ihm nahestehende Person der GmbH einen einlagefähigen Vermögensvorteil gewährt und diese Zuwendung durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst ist.

1 Wann liegt eine verdeckte Einlage vor?

Die Zuwendung an die GmbH muss in einem einlagefähigen Vermögensvorteil bestehen. Andernfalls liegt keine Einlage vor. Nicht einlagefähig ist die unentgeltliche oder verbilligte Überlassung von Wirtschaftsgütern zum Gebrauch. Dazu zählt auch die zinslose oder zinsvergünstigte Darlehensgewährung. Verzichtet der Gesellschafter jedoch auf aufgelaufene Zinsen, liegt eine Einlage vor, da die GmbH von einer Verbindlichkeit befreit wird (Darlehensverzicht).

Die Einlage muss durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst sein. D. h. ein Nichtgesellschafter hätte bei Anwendung der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns der GmbH den Vorteil nicht eingeräumt. Der Vermögensvorteil kann in der Übertragung eines Wirtschaftsguts bestehen, die bei einer verdeckten Einlage zu einem unangemessen niedrigen Preis erfolgt. Hier kommt es zu einer (verdeckten) Einlage des Gesellschafters in Höhe der Differenz zwischen vereinbartem Entgelt und Marktwert (Teilwert).

2 Übernahme von Verbindlichkeiten der GmbH

Eine verdeckte Einlage ist auch anzunehmen bei einem Verzicht auf Nutzungsentgelt. Das betrifft Fälle, in denen der Gesellschafter auf Zinsen aus einem Gesellschafterdarlehen verzichtet bzw. in den Fällen des unentgeltlichen Darlehensverzichts. Verzichtet ein Gesellschafter also auf seine Darlehensforderung gegenüber der GmbH, liegt eine verdeckte Einlage vor, wenn der Verzicht nur durch seine Gesellschafterstellung erklärt werden kann. Allerdings muss das Darlehen werthaltig sein. Nur werthaltige Forderungen sind einlagefähig.

 

Achtung

Darlehen mit tatsächlichem Wert ansetzen

Ist das Darlehen im Zeitpunkt des Verzichts nicht mehr vollwertig, ist die verdeckte Einlage nur mit dem tatsächlichen Wert des Darlehens, dagegen nicht mit dem Nennwert oder dem Passivierungsbetrag anzusetzen. Der Wert des Darlehens entspricht dem Betrag, den die GmbH für den Erwerb der Darlehensforderung oder für einen Verzicht hätte aufwenden müssen.

3 Folgen des Darlehensverzichts

Folgen des Darlehensverzichts

 
Folgen bei der GmbH Folgen beim Gesellschafter

In Höhe des werthaltigen Teils des Darlehens wird eine Kürzung im Rahmen der Einkommensermittlung vorgenommen. Insoweit wird der Forderungsverzicht nicht mit Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer belastet. Entsprechend wird ein Zugang zum steuerlichen Einlagenkonto ausgewiesen.

Hinsichtlich des nicht mehr werthaltigen Teils der Darlehensforderung entsteht durch den Verzicht bei der GmbH ein laufender Gewinn, der in voller Höhe der Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer unterliegt.
Mit dem Verzicht gilt das Darlehen als an den Gesellschafter zurückgezahlt. Zugleich tätigt der Gesellschafter eine verdeckte Einlage an die GmbH.

Darlehensrückzahlung und verdeckte Einlage sind beim Gesellschafter mit dem gemeinen Wert der Darlehensforderung zu bewerten.

 

Praxis-Beispiel

Darlehensverzicht

Darlehensforderung: 120.000 EUR, werthaltiger Teil: 80.000 EUR

Fall 1: Der Gesellschafter verzichtet auf ein Privatdarlehen gegenüber der GmbH. In Höhe von 80.000 EUR entstehen nachträgliche Anschaffungskosten, in Höhe von 40.000 EUR entsteht ein Wertverlust des Darlehens. Da es sich um Privatvermögen handelt, ist das hier irrelevant.

Fall 2: Die GmbH-Beteiligung des Gesellschafters sowie eine Darlehensforderungen gegenüber der GmbH sind im Betriebsvermögen als bilanzierender Einzelkaufmann enthalten. Hier realisiert der Gesellschafter den werthaltigen Teil des Darlehens (80.000 EUR). Bezüglich der restlichen 40.000 EUR kommt es zu einem Wertverlust. Dieser führt zu einem gewinn- und steuermindernden Aufwand. Der Buchwert der GmbH erhöht sich um 80.000 EUR. Denn in gleicher Höhe werden nachträgliche Anschaffungskosten zu dem Beteiligungswert hinzuaktiviert.

Fall 3: Wie Fall 2, aber es handelt sich um ein in der Krise ohne Sicherheiten gewährtes Darlehen: Hier hat der Gesellschafter der GmbH ein Darlehen zu einem Zeitpunkt gewährt, in dem diese kreditunwürdig war, also in der Krise steckte. Ein fremder Dritter hätte der GmbH zu diesem Zeitpunkt kein Darlehen mehr gewährt. Dies behandelt die Rechtsprechung zwar nicht als verdeckte Einlage. Sie hat aber die Anschaffungskosten der Beteiligung einer Einlage gleichgestellt. Folge: Bereits mit der Darlehenshingabe entstehen nachträglich Anschaffungskosten auf die Beteiligung in Höhe des Nennwerts des Darlehens (120.000 EUR). Der spätere Forderungsverzicht führt zu keiner anderen Beurteilung.

4 Darlehensverzicht mit Besserungsklausel

Der Gesellschafter kann gegenüber der GmbH auch einen Darlehensverzicht unter der auflösenden Bedingung aussprechen, dass die Forderung bei Besserung der wirtschaftlichen Lage der GmbH w...

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