Unternehmenssteuerung: Einfluss der Digitalisierung am Beispiel eines Versicherungsunternehmens

Zusammenfassung

  • Die Digitalisierung ermöglicht es Unternehmen, einen integrierten Steuerungsansatz zu entwickeln, der ganzheitlich alle Facetten von Planung über Forecast bis zum Berichtsausweis abdeckt.
  • Der Beitrag zeigt auf, wie ein integrierter Steuerungsansatz aussieht und wie dieser durch Möglichkeiten der Digitalisierung besser als bisher unterstützt werden kann.
  • Ziel des Beitrags ist es, den Leser (auf Basis der technologischen Neuheiten) in die Funktionalitäten der integrierten Steuerung einzuführen. Anhand eines Praxisbeispiels aus der Finanzdienstleistungsbranche werden der Nutzen und die Vorteile des integrierten Steuerungsmodells aufgezeigt.
  • Die Erkenntnisse aus dem Praxisbeispiel eines Versicherungsunternehmens gelten für zahlreiche andere Branchen und lassen sich mit nur geringem Transferaufwand übertragen.

1 Kennzahlenbasiertes Steuerungsmodell am Beispiel eines Versicherungsunternehmens

Für effiziente Steuerung elementar

Die Steuerung von Unternehmen ist traditionell kennzahlengetrieben. Abgeleitet aus den strategischen Vorgaben definiert jedes Unternehmen sein eigenes Kennzahlensystem. Hierbei dient die Strategie als Leitplanke und Rahmenbedingung für die Ausprägung des Systems. Das Ziel muss es sein, die strategischen Vorgaben in quantifizierbare Steuerungsgrößen zu übersetzen und mithilfe

  • der dahinterliegenden Prozesse (Planung, Leistungsverrechnung, Steuerung und Berichtswesen),
  • der organisatorischen Gegebenheiten (Rollenmodell/Governance) und
  • der IT-Ausstattung

regelmäßig steuern und überwachen zu können. Es ist daher notwendig, dass die gesamte Unternehmenssteuerung homogen und durchlässig von der Strategie bis zur operativen Umsetzung verankert ist. Denn nur in einem eingeschwungenen System, erzielt das Unternehmen eine effiziente und wirkungsvolle Gesamtsteuerung. Abb. 1 zeigt die Struktur eines solchen Steuerungssystem am Beispiel einer Versicherung.

Abb. 1: Steuerungsmodell am Beispiel einer Versicherung (vereinfacht)

Das Steuerungsmodell eines Unternehmens orientiert sich an definierten Prinzipien und weist aufgrund unterschiedlicher Steuerungsdimensionen und -tiefen eine jeweils differenzierte Ausprägung auf. Die Festlegung der jeweiligen Ausprägung ist dabei Grundlage für die Kennzahlenauswahl und die letztendliche Visualisierung des Steuerungsmodells.

Vollständigkeit, Abgrenzbarkeit, Vergleichbarkeit, Durchlässigkeit und Genauigkeit sind die Kernprinzipien eines jeden Steuerungsmodells. Für jedes Steuerungsmodell spielt die Vollständigkeit der relevanten Steuerungsaspekte eine ausgesprochen wichtige Rolle. Fehlen die Kenngrößen, entgehen den Verantwortlichen die entscheidenden Informationen.

 

Hinweis

Kennzahlen müssen abgrenzbar sein

Hierbei ist zu beachten, dass die Kennzahlen stets voneinander abgrenzbar sind. Eine Überlappung von Inhalten (bspw. Ausweis des Konzernumsatzes im Gleichklang mit dem CEE-Umsatz) führt zu Inkonsistenz der Steuerung und Verwirrung aller Beteiligten. Im Berichtsausweis müssen die Kennzahlen stets vergleichbar sein. So können bspw. bei einer Versicherung der Umsatz und die Prämien auf einer Ebene gezeigt werden, nicht aber der Umsatz und die Personalkosten.

Für viele Unternehmen ist die Durchlässigkeit der Steuerungssichten eine große Herausforderung. Für die Steuerung ist es jedoch elementar, dass die Summe aller Teilmengen das Konzernergebnis widerspiegelt. Abschließend ist die Genauigkeit des Kennzahlenausweises zu nennen. Eine homogene IT-Landschaft mit fehlerfreien Schnittstellen und leistungsfähigen Vorsystemen ist dabei die Voraussetzung für die Realisierbarkeit dieses Grundprinzips.

Steuerungsmodell basiert auf strategischen Vorgaben

Die Versicherungsunternehmen leiten ihre Steuerungsobjekte aus den strategischen Vorgaben ab. Dabei kann es je nach Steuerungsansatz unterschiedliche Ausprägungen hinsichtlich Steuerungsdimensionen und -tiefe geben. Klassische Kerndimensionen sind die Legaleinheit, die Organisation(seinheit), das Produkt, der Kunde, die Region oder die Periode. Manche Unternehmen gliedern die Dimensionen noch granularer und berücksichtigen dabei auch die Kostenart, die Kostenstelle/Center, den Kostenträger oder den Vertriebskanal (s. Abb. 2 mit dem Beispiel einer Versicherung).

Abb. 2:Steuerungsrelevante Dimensionen am Beispiel einer Versicherung

Bei der Wahl der Steuerungstiefe (Ausprägung je Dimension) sind insbesondere die Adressaten der Steuerung zu berücksichtigen. Wird das Steuerungsmodell bspw. für den Vorstand erzeugt, sollte die Steuerungstiefe geringer sein, als bei Bereichs- oder Abteilungsleitern. Beim Produktivbetrieb ist aus datenschutzrechtlichen Gründen darüber hinaus noch die Berechtigungsebene zu berücksichtigen, da nicht jeder Zugriff auf alle Ebenen haben darf.

Steuerung im hier verwendeten Sinn meint stets ergebnisorientierte Steuerung. Das Ziel jedes Steuerungsmodells sollte es sein, eine homogene, in sich schlüssige Visualisierung zu erzeugen (bspw. in Form eines Werttreibers), die auf einem Blick das Steuerungsmodell darstellt. Dieses ist jedoch zuvor durch die richtigen Kennzahlen zu befüllen. Bei der Wahl der Schl...

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