Zusammenfassung

 
Begriff

Unternehmenskultur ist zwar ein schwer greifbares Phänomen, stellt aber keinen Mythos dar. Ganz allgemein stellt die Unternehmenskultur die Gesamtheit der von allen Mitarbeitern eines Unternehmens gemeinsam getragenen Wertevorstellungen, Normen, Handlungs- und Verhaltensmuster dar. Sie drückt sich in der Umgangsart von Mitarbeitern, in gemeinschaftlich gepflegten Gewohnheiten und Sprachregelungen sowie in der Ausgestaltung eines Firmenstandorts (z.B. Gebäudearchitektur und Ausstattung) aus. Die Unternehmenskultur ist nur in langfristig angelegten Changemanagement-Prozessen veränderbar. Starke Unternehmenskulturen beeinflussen den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen positiv; Apple, Google oder Microsoft sind Beispiele dafür.

1 Bedeutung der Unternehmenskultur

Das Unternehmen Nike nutzt den Slogan "just do it" nicht nur für Werbezwecke, sondern er ist auch fest verankerter Bestandteil des internen Unternehmensgefüges. Den Mitarbeitern wird entsprechende Verantwortung übertragen und von den Mitarbeitern wird ein hohes Maß an Eigeninitiative erwartet. Bei General Electric wird von den Führungskräften erwartet, dass sie Fehler machen (Fehlerkultur), weil dies ein Indikator dafür ist, dass Entscheidungen getroffen werden. Wer keine Entscheidungen trifft, kann logischerweise auch weniger Fehler machen. Von den Führungskräften wird erwartet, dass aus diesen Fehlern entsprechend gelernt wird.

2 Was ist Unternehmenskultur?

In der betriebswirtschaftlichen Literatur erfahren Veröffentlichungen zur Unternehmenskultur seit den 80er Jahren größere Verbreitung, ausgelöst vor allem durch populärwissenschaftliche Managementliteratur, die den Erfolg japanischer Unternehmen durch die Hervorhebung von soft facts zu erklären versucht.

Der Begriff "Unternehmenskultur" kann aus dem allgemeinen Sprachgebrauch von Kultur abgeleitet werden; dieser Begriff ist sehr vielschichtig und aus unterschiedlicher Sicht definier- und interpretierbar. Die Ursprünge des Kulturbegriffs finden sich in der Anthropologie, in der Kultur stellvertretend für historisch gewachsene und zu komplexer Gestalt verdichtete Kennzeichen von Volksgruppen steht.

Um Kultur und Unternehmenskultur miteinander zu verbinden, ist die metaphorische Betrachtung des Unternehmens als "little society" hilfreich. Demnach verfügt das Unternehmen wie eine Gesellschaft über Lebens- und Leitvorstellungen. In kultureller Hinsicht repräsentiert ein Unternehmen somit eine Teilmenge der Kultur. Da die Kultur ein Unterscheidungsmerkmal von sozialen Gruppen darstellt, kann für die unternehmenskulturellen Aspekte gefolgert werden, dass diese zugleich ein Abgrenzungskriterium zu anderen Unternehmen sind.

Dabei ist Unternehmenskultur kein Programm oder "Glaubensbekenntnis", wie es in vielen Unternehmensleitsätzen verankert ist, sondern eine praktizierte Grundüberzeugung. Sie ist wenig greifbar aber für die Menschen im Unternehmen dennoch deutlich wahrnehmbar.

In einer allgemeinen Definition kann man Unternehmenskultur als die Gesamtheit von im Laufe der Zeit in einer Unternehmung entstandenen und akzeptierten Werten und Normen auffassen, die über bestimmte Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensmuster das Entscheiden und Handeln der Mitarbeiter des Unternehmens prägen. Die Unternehmenskultur kann als implizites Bewusstsein eines Unternehmens interpretiert werden, das aus dem Verhalten der Organisationsmitglieder resultiert und vice versa deren formales sowie informales Verhalten steuert. Die Unternehmenskultur ist als Teil der Gesellschaftsstruktur stets sehr stark durch lokale Aspekte geprägt.

3 Ebenen der Unternehmenskultur

In Abbildung 1 sind die verschiedenen Ebenen der Unternehmenskultur dargestellt.

Abb. 1: Schichtenmodell der Unternehmenskultur

In diesem Drei-Ebenen-Modell von Schein werden drei kulturelle Schichten der Unternehmenskultur unterschieden. Die einzelnen Ebenen sind dabei unterschiedlich sicht- und begreifbar.

Die Basis einer Kultur besteht aus grundlegenden Orientierungs- und Vorstellungsmustern, die die Wahrnehmung und das Handeln von Individuen leiten. Die sich meist unbewusst und ungeplant manifestierenden Basisannahmen stellen für die Mitarbeiter einen selbstverständlich gewordenen Bezugsrahmen dar; die erste Ebene hat somit die Rolle eines Weltbildes für das Unternehmen. Die Grundannahmen sind nicht getrennt voneinander zu betrachten, sondern als eine Verkettung voneinander abhängiger Überzeugungen. Sie werden im Rahmen des Drei-Ebenen-Modells als selbstverständlich und nicht hinterfragbar angenommen.

In der mittleren Kulturebene finden sich Normen und Standards, die dem Verhalten der Organisationsmitglieder zugrunde liegen. Diese Ebene stellt eine Konkretisierung der Basisannahmen in Form von Wertvorstellungen und Verhaltensstandards dar. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie den Organisationsmitgliedern eher bewusst ist als die unterste Kulturebene; dennoch sind die Werte dieser Ebene nicht vollständig bewusst und nur zum Teil sichtbar.

Auf der obersten Ebene sind die zwar sichtbaren, aber schwer zu interpretierenden Artefakte angesiedelt. Dies sind wahrnehm...

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