Umsatzsteuer, Kaffeeverkauf am Imbissstand und "Coffee to go"

Wo die Probleme sind:

  • Das richtige Konto
  • Kaffeegetränk
  • Milchmixgetränke
  • Steuersatz

1 So kontieren Sie richtig!

 
Praxis-Wegweiser: Das richtige Konto
Kontobezeichnung SKR 03 SKR 04 Eigener Kontenplan Bilanz/GuV
Erlöse 19 % USt 8400 4400   Erlöse 19 % USt
Erlöse 7 % USt 8300 4300   Erlöse 7 % USt
Kasse 1000 1600   Kasse
Umsatzsteuer 19 % 1776 3806   Umsatzsteuer 19 %
Umsatzsteuer 7 % 1771 3801   Umsatzsteuer 7 %

So kontieren Sie richtig!

Zubereiteter Kaffee ist als nicht alkoholhaltiges Getränk nicht begünstigt und unterliegt dem Regelsteuersatz. Die Buchung der Verkaufserlöse erfolgt auf das Konto "Erlöse 19 % USt" 8400/4400 (SKR 03/04).

Die Gegenbuchung erfolgt auf das Konto "Kasse" 1000/1600 (SKR 03/04).

 

Buchungssatz:

Kasse

an Erlöse

2 Praxis-Beispiel für Ihre Buchhaltung: Kaffeeverkauf am Imbissstand

Der Imbissstandbetreiber K verkauft neben Backwaren auch Kaffeeheißgetränke an die Kunden, die morgens bei ihm auf dem Weg zur Arbeit vorbeikommen. An die erste Kundin des Tages verkauft er einen großen Kaffee für 2,50 EUR.

 
Konto SKR 03/04 Soll Kontenbezeichnung Betrag Konto SKR 03/04 Haben Kontenbezeichnung Betrag
1000/1600 Kasse 2,50 8400/4400 Erlöse 19 % USt 2,10
      1776/3806 Umsatzsteuer 19 % 0,40

3 Der Verkauf von Kaffeegetränken unterliegt dem Regelsteuersatz von 19 %

Verkäufe von frisch zubereiteten Kaffeegetränken an Imbissständen sind mit dem Umsatzsteuerregelsteuersatz von 19 % zu versteuern. Das hat der BFH mit Beschluss vom 29.8.2013 festgestellt (der Ausgangsfall ist an diesem Urteil angelehnt).

Zwar sei nach § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG die Lieferung der in der Anlage 2 lfd. Nr. 12 (Kaffee, Tee, Mate und Gewürze) zum Umsatzsteuergesetz bezeichneten Gegenstände begünstigt. Die Klägerin – Inhaberin einer Imbissbude – lieferte ihren Gästen jedoch keinen Kaffee, sondern erbrachte durch die Herstellung eines heißen Kaffeegetränks an dem jeweiligen Gast in einem von ihr zur Verfügung gestellten Pott eine Dienstleistung, für die der allgemeine Steuersatz des § 12 Abs. 1 UStG gilt. Der zubereitete Kaffee ist als nicht alkoholhaltiges Getränk im Sinne des Zolltarifs Pos. 2202 nicht begünstigt zu besteuern.

 

Hinweis

Milchmixgetränke mit 7 % Umsatzsteuer steuerbegünstigt

Milchmixgetränke mit einem mindestens 75 %igen Anteil an Milch sind jedoch steuerbegünstigt, d. h. sie unterliegen dem ermäßigten Steuersatz von 7 %. Wird beispielsweise Milchkaffee usw. angeboten, richtet sich der Steuersatz nach dem Mischverhältnis.

Bei dem Verkauf eines schwarzen Kaffees mit einem Schuss Milch bleibt es beim Regelsteuersatz von 19 %.

 

Hinweis

Geröstete Kaffeebohnen sowie Kaffeepulver sind auch mit 7 % Umsatzsteuer zu versteuern

Geröstete Kaffeebohnen im Urzustand und Kaffeepulver unterliegen dem ermäßigten Steuersatz von 7 % (Nr. 12 der Anlage 2 zum UStG).

Beim Pulver- oder Instantkaffee kommt der Regelsteuersatz von 19 % zur Anwendung.

Für Kaffeepads gilt im Verkauf der reinen Kaffeekapseln der ermäßigte Steuersatz von 7 %. Das gilt sowohl beim Verkauf über den Ladentisch als auch online. Werden die Kaffeepads jedoch in einer Restauration zur Herstellung eines Kaffees verwendet, den der Kunde vor Ort zu sich nimmt, handelt es sich um eine sonstige Leistung, die mit dem Regelsteuersatz von 19 % zu versteuern ist.

4 Coffee-to-go-Regelung durch die Finanzverwaltung

Die OFD Frankfurt hat sich mit Verfügung vom 4.4.2014 eingehend zur umsatzsteuerlichen Problematik geäußert.

Danach unterliegt die Lieferung von zubereiteten Kaffees grundsätzlich dem Regelsteuersatz von 19 %, da diese nicht dem § 12 Abs. 2 i. V. m. Anlage 2 zum UStG unterfallen. Nur die Lieferungen von Kaffeebohnen und Kaffeepulver unterliegen dem ermäßigten Steuersatz von 7 %.

Anders ist die Rechtslage bei der Lieferung von Milchmischgetränken zum Mitnehmen. Hier kann der ermäßigte Steuersatz von 7 % zur Anwendung kommen. § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i. V. m. Anlage 2 Nr. 35 regelt, dass Milchmischgetränke mit einem Milchanteil von mindestens 75 % des Fertigerzeugnisses dem ermäßigten Steuersatz unterliegen.

Der Verzehr von Milchmischgetränken unterliegt hingegen als sonstige Leistung dem Regelsteuersatz von 19 %, wenn dieser im Rahmen einer Restaurationsleistung z. B. im Restaurant oder Café erfolgt.

 

Praxis-Tipp

Der Milchanteil ist für den Umsatzsteuersatz entscheidend

Der enthaltene Milchanteil entscheidet über die umsatzsteuerliche Behandlung des Milchmixgetränks. Diese feine Differenzierung ist für Gastronomen, die u. a. beispielsweise Cappuccino im Angebot haben, von großer Bedeutung. Denn hier gibt es keine pauschale Regelung. Maßgebend sind die Mischverhältnisse des Einzelfalls. Die individuelle Zubereitung und die individuellen Mischverhältnisse entscheiden über den Steuersatz. Abzustellen ist hier im Wesentlichen auf das Gewicht der Produkte, nicht deren Anteile im Becher.

Es bietet sich deshalb auch im Rahmen der Kassenführung an, verschiedene Programmierungen vom Hersteller einstellen zu lassen: Kaffee mit einem Schuss Milch = 19 % USt, aufgeschäumte Milch mit einem Espresso = 7 % USt, Latte Macchiato mit einem Milchanteil von 75 % und mehr = 7 % USt usw..

 

Hinweis

Kaffee ist auch mit Kaffeesteuer belastet

Im Kaffeepreis ist neben der Umsatzsteuer auch bereits die Kaffeesteuer enthalten. Die Kaffeesteuer ist im Kaffeest...

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