Umsatzsteuer bei elektronischen Dienstleistungen an Privatpersonen in der EU ab 2015

Kurzbeschreibung

Es gilt der Grundsatz, dass sich der Ort der sonstigen Leistungen an Privatpersonen am Sitz des Unternehmers befindet. Bei elektronischen Leistungen an Privatpersonen wird der Ort der sonstigen Leistung allerdings dorthin verlagert, wo der Leistungsempfänger wohnt bzw. seinen Sitz hat. Die Verlagerung des Leistungsorts erfolgt seit 2019 jedoch nur, wenn die Umsätze des leistenden Unternehmers an seine Privatkunden in einem anderen EU-Land die Bagatellgrenze von 10.000 EUR überschreiten.

Wichtige Hinweise

Ist der Leistungsempfänger einer elektronischen Dienstleistung, Rundfunk- und Fernsehdienstleistung sowie Telekommunikationsdienstleistung eine Privatperson, verlagerte sich der Leistungsort in der Zeit vom 1.1.2015 bis 31.12.2018 in das Land, in dem diese Privatperson ihren Sitz, gewöhnlichen Aufenthalt oder Wohnsitz hat. Seit dem 1.1.2019 gilt eine EU-einheitliche Bagatellgrenze von 10.000 EUR. Konsequenz ist, dass der Leistungsort erst dann in das Land des Leistungsempfängers verlagert wird, wenn diese Grenze von 10.000 EUR im Jahr überschritten wird.

Wahlrecht: Der leistende Unternehmer, der die Bagatellgrenze nicht überschreitet, kann auf die Anwendung der neuen Bagatellgrenze verzichten. An diesen Verzicht dann mindestens für 2 Jahre gebunden.

Der Leistungsort befindet sich bei sonstigen Leistungen auf dem Gebiet der Telekommunikation, Rundfunk- und Fernsehleistungen und bei auf elektronischem Weg erbrachten sonstigen Leistungen immer im Land des Leistungsempfängers. Voraussetzung ist, dass die Leistungsempfänger entweder Privatpersonen sind oder Unternehmer, die Leistungen für Ihren privaten Bereich beziehen.

Um zu vermeiden, dass sich ein Unternehmer in mehreren EU-Ländern registrieren lassen muss, hat er die Möglichkeit, ein vereinfachtes Besteuerungsverfahren anzuwenden. Hat der Unternehmer sich für dieses Verfahren beim Bundeszentralamt für Steuern angemeldet, gilt diese Anmeldung für seine elektronischen Leistungen an Privatpersonen in allen EU-Ländern, in denen der Unternehmer weder einen Sitz noch eine Betriebsstätte hat (= sog. kleine Anlaufstelle bezeichnet als "Mini-One-Stop-Shop" – MOSS). Die folgenden Prüfschemata sollen dabei helfen, keinen der erforderlichen Schritte zu vergessen.

Hinweis

Ist der Leistungsempfänger Schuldner der Umsatzsteuer, ist zwingend das Reverse-Charge-Verfahren anzuwenden (Abgabe der Zusammenfassenden Meldung ist erforderlich). Diese Umsätze gehören nicht in das Verfahren, das gemäß § 3a Abs. 5 UStG für Privatpersonen gilt.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge