Steuerpflicht nach einem Wo... / 1.2 Wohnsitzwechsel während des Jahres

Eine natürliche Person, die in Deutschland einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat, ist unbeschränkt steuerpflichtig.[1] Der unbeschränkten Steuerpflicht unterliegen grundsätzlich sämtliche in- und ausländischen Einkünfte[2], also das gesamte weltweite Einkommen (Welteinkommensprinzip).

Erfolgt der Wohnsitzwechsel während des Jahres, liegt nur während eines Teils des Jahres der inländische Wohnsitz vor. Somit besteht auch die unbeschränkte Steuerpflicht nur während der Zeit bis zum Wegzug (zeitweise unbeschränkte Steuerpflicht).[3]

In diesem Fall wird bei der Veranlagung für das Jahr des Wegzugs bei der Steuerberechnung der Progressionsvorbehalt angewendet.[4] Hierfür werden die ausländischen Einkünfte, die in dem Kalenderjahr nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegen, also diejenigen, die nach dem Wegzug im Ausland erzielt werden und nicht der beschränkten Steuerpflicht unterliegen, für die Steuersatzberechnung berücksichtigt.[5] Damit soll erreicht werden, dass durch den Wegzug für die Zeit der unbeschränkten Steuerpflicht kein Steuersatzvorteil entsteht und eine Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit erfolgen kann.

 
Praxis-Beispiel

Progressionsvorbehalt bei zeitweise unbeschränkter Steuerpflicht

Der ledige M zieht am 1.4.2018 von Deutschland nach Belgien. In Deutschland erzielt M 2018 während der Zeit der unbeschränkten Steuerpflicht Einkünfte i. H. v. 15.000 EUR. Nach seinem Wegzug erzielt M nur noch Einkünfte in Belgien i. H. v. 45.000 EUR.

Die tarifliche Einkommensteuer ist wie folgt zu ermitteln:[6]

 
Einkünfte während unbeschränkter Steuerpflicht   15.000 EUR
Zu versteuerndes Einkommen (zvE) 15.000 EUR 15.000 EUR
+ Ausländische, nicht steuerpflichtige Einkünfte + 45.000 EUR  
Steuersatzeinkommen 60.000 EUR  
Tarifliche Einkommensteuer darauf (Grundtarif 2018) 16.578 EUR  
Durchschnittlicher Steuersatz 27,6300 % 27,6300 %
Tarifliche Einkommensteuer (zvE x Ø-Steuersatz)   4.144 EUR
     
Ohne Progressionsvorbehalt läge die ESt bei   1.191 EUR
[2] H 1a EStH"Allgemeines".
[3] Vgl. § 32b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG. Dies gilt auch für den umgekehrten Fall des Zuzugs.
[5] H 32b EStH"Zeitweise unbeschränkte Steuerpflicht". Die Ermittlung der ausländischen Einkünfte erfolgt nach deutschem Steuerrecht (H 32b EStH "Ausländische Einkünfte").
[6] Aus Vereinfachungsgründen unterbleibt hier der Abzug von Sonderausgaben.

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