Steuer Check-up 2020 / 6.4 Ausbuchung von wertlosen Aktien

Aus der mit der Abgeltungsteuer laut Gesetzesbegründung bezweckten vollständigen Erfassung aller Wertveränderungen im Zusammenhang mit Kapitalanlagen folgt für das FG Rheinland-Pfalz, dass die ersatzlose Ausbuchung von endgültig wertlos gewordenen Aktien zu einem steuerlich zu berücksichtigenden Vermögensverlust führt (FG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 12.12.2018, 2 K 1952/16).

Das Gericht beruft sich dabei auf die Rechtsprechung des BFH, nach der der Ausfall einer Kapitalforderung i. S. des § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG als ein nach § 20 Abs. 2 Satz 2 EStG steuerlich zu berücksichtigender Verlust zu werten ist (vgl. BFH, Urteil v. 24.10.2017, VIII R 13/15, BFH/NV 2018 S. 280).

Für das FG stand im entschiedenen Fall fest, dass der Anleger mit der ersatzlosen Ausbuchung der Aktien einen endgültigen Vermögensverlust erlitten hat. Zwar stelle der Untergang einer Kapitalanlage aufgrund des fehlenden Rechtsträgerwechsels keine Veräußerung dar. Der Ausfall eines Aktionärs bei Untergang der Kapitalgesellschaft sei in verfassungskonformer Auslegung des § 20 Abs. 2 Satz 2 EStG aber vom Veräußerungs-Ersatztatbestand der "(ausbleibenden) Rückzahlung" erfasst. Die gesetzlich bezweckte umfassende steuerliche Verstrickung von Kapitalanlagen führe dazu, dass es auch beim Vermögensstamm keine steuerlich irrelevante Ebene mehr gebe, so dass ein Verlust oder Untergang des Vermögensstamms konsequenterweise auch steuerlich berücksichtigt werden müsse.

 

Hinweis

Gegen das Urteil ist unter dem Az. VIII R 5/19 Revision vor dem BFH anhängig. Betroffene Verluste sollten im Veranlagungsverfahren entsprechend erklärt und geltend gemacht werden. Gegen die Nichtberücksichtigung sollte mit Einspruch vorgegangen werden. Unter Bezug auf das anhängige Verfahren kann das Ruhen des Einspruchsverfahrens beantragt werden. Vgl. auch Kapitel Rückblick Tz. 6.3.

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