Spenden in der privaten Einkommensteuererklärung

Zusammenfassung

 

Überblick

Spenden sind Aufwendungen zur Förderung mildtätiger, kirchlicher und gemeinnütziger Zwecke im Inland und im EU-/EWR-Ausland. Sie können als Sonderausgaben abgezogen werden. Der Abzug ist begrenzt auf 20 % des Gesamtbetrags der Einkünfte. Der übersteigende Betrag wird auf spätere Veranlagungszeiträume vorgetragen. Spenden in den Vermögensstock einer Stiftung können bis zur Höchstgrenze von 1 Mio. EUR (bei Zusammenveranlagung gilt eine Grenze von 2 Mio. EUR) zusätzlich abgezogen und beliebig auf das Jahr der Zuwendung und die folgenden 9 Jahre verteilt werden. Der Abzug von Mitgliedsbeiträgen und Spenden an politische Parteien erfolgt teilweise durch direkte Minderung der Einkommensteuer, teils durch den Abzug als Sonderausgaben und ist jeweils auf einen absoluten Höchstbetrag gedeckelt. Unverzichtbare sachliche Voraussetzung für den Spendenabzug bildet die Spendenbescheinigung, ausgestellt durch den Spendenempfänger oder eine sog. Durchlaufstelle.

Abzugrenzen von den Spenden sind betrieblich oder beruflich veranlasste Ausgaben. Insoweit geht der Abzug als Betriebsausgabe oder Werbungskosten vor (§ 10 Abs. 1 Satz 1 EStG).

Zur Abgrenzung vgl. den sog. Sponsoringerlass. Spenden sind also nur Ausgaben, die steuersystematisch keine Betriebsausgaben/Werbungskosten darstellen, sondern zu den grundsätzlich nicht abziehbaren Kosten der privaten Lebensführung gehören (§ 12 EStG). Aufgrund der ausdrücklichen Regelung in § 12 Satz 1 i. V. m. § 10b EStG ist der Abzug als Sonderausgabe zulässig; er mindert den Gesamtbetrag der Einkünfte (§ 2 Abs. 4 EStG).

Der Beitrag stellt die gültige Rechtslage für den Veranlagungszeitraum 2017 dar.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Rechtsgrundlage bildet § 10b EStG, ergänzt um § 34g EStG für die Parteispenden und für Zuwendungen an unabhängige Wählervereinigungen. Die formalen Spendenabzugsvoraussetzungen sind in § 50 EStDV geregelt. R 10b.1 EStR enthält ergänzende Anweisungen.

Die Verwaltung nimmt im sog. Sponsoringerlass (BMF, Schreiben v. 18.2.1998, IV B 2 – S 2144 – 40/98/IV B 7 – S 0183 – 62/98, BStBl 1998 I S. 212) zu Abgrenzungsfragen und zur umsatzsteuerlichen Behandlung (OFD Hannover, Verfügung v. 11.2.2003, S 7100 – 427 – StO 351/S 7100 – 915 – StH 446) Stellung.

1 Begünstigte Zwecke

Steuerbegünstigt sind Spenden und Mitgliedsbeiträge, die im Gesetz unter dem Oberbegriff "Zuwendungen" zusammengefasst werden. Zu den Mitgliedsbeiträgen gehören auch Aufnahmegebühren und Umlagen. Bestimmte Mitgliedsbeiträge sind vom Abzug ausgeschlossen.[1]

Die Zuwendungen müssen der Förderung steuerbegünstigter Zwecke dienen. Für die Frage, welche Zwecke als steuerbegünstigt eingestuft sind, verweist das Einkommensteuergesetz auf die §§ 52 bis 54 der Abgabenordnung (AO). Die dort genannten Zwecke lassen sich in 3 Gruppen einteilen.

1.1 Gemeinnützige Zwecke

Als gemeinnützig gelten solche Zwecke, durch deren Erfüllung ausschließlich und unmittelbar die Allgemeinheit selbstlos gefördert wird. Eine Förderung der Allgemeinheit liegt vor, wenn die Tätigkeit dem allgemeinen Besten auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet nutzt.[2]

 

Praxis-Beispiel

Keine Förderung der Allgemeinheit

Die Einwohner einer Gemeinde leisten Spenden zur Unterstützung einer einzelnen Familie, deren Wohnhaus durch Blitzschlag zerstört worden ist. Es liegt keine abzugsfähige Spende vor, auch wenn diese an eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit der Auflage geleistet wird, sie an die geschädigte Familie weiterzuleiten.

Die als Förderung der Allgemeinheit anerkannten Zwecke sind in § 52 Abs. 2 AO abschließend aufgeführt. Es handelt sich im Einzelnen um folgende Förderzwecke:

  • die Förderung von Wissenschaft und Forschung;
  • die Förderung der Religion;
  • die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und der öffentlichen Gesundheitspflege;
  • die Förderung der Jugend- und Altenhilfe;
  • die Förderung von Kunst und Kultur;
  • die Förderung des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege;
  • die Förderung der Erziehung, Volks- und Berufsbildung einschließlich der Studentenhilfe;
  • die Förderung des Naturschutzes und der Landschaftspflege, des Umweltschutzes, des Küstenschutzes und des Hochwasserschutzes;
  • die Förderung des Wohlfahrtswesens;
  • die Förderung der Hilfe für politisch, rassisch oder religiös Verfolgte, für Flüchtlinge, Vertriebene, Aussiedler, Spätaussiedler, Kriegsopfer, Kriegshinterbliebene, Kriegsbeschädigte und Kriegsgefangene, Zivilbeschädigte und Behinderte sowie Hilfe für Opfer von Straftaten; Förderung des Andenkens an Verfolgte, Kriegs- und Katastrophenopfer; Förderung des Suchdienstes für Vermisste;
  • die Förderung der Rettung aus Lebensgefahr;
  • die Förderung des Feuer-, Arbeits-, Katastrophen- und Zivilschutzes sowie der Unfallverhütung;
  • die Förderung internationaler Gesinnung, der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens;
  • die Förderung des Tierschutzes;
  • die Förderung der Entwicklungszusammenarbeit;
  • die Förderung von Verbraucherberatung und Verbraucherschutz;
  • die Förderung der Fürsorge für Strafgefangene und ehema...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.



Meistgelesene beiträge