Sonstige Forderungen/Verbin... / 3 Was sonstige Forderung und sonstige Verbindlichkeiten bezwecken

Sonstige Forderungen und sonstige Verbindlichkeiten haben den Zweck, Aufwendungen und Erträge in dem Geschäftsjahr zu erfassen, in dem sie wirtschaftlich verursacht worden sind, auch wenn der Zahlungsvorgang erst im Folgejahr erfolgt.

Typische Geschäftsvorfälle sind: zu zahlende oder zu erhaltende Pacht, Provisionen, Honorare, Zinsen, Löhne, Steuern, Dividenden usw.

3.1 Sonstige Forderungen: Einnahmen, die im Jahr zuvor entstanden sind

Bei sonstigen Forderungen handelt es sich um Einnahmen nach dem Abschlussstichtag, die Ertrag für eine bestimmte Zeit davor sind.

Die Position "Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände" befindet sich unter Position B II des § 266 Abs. 2 HGB. Diese Position besteht aus folgenden 4 Unterpositionen:

  • Forderungen aus Lieferungen und Leistungen;
  • Forderungen gegen verbundene Unternehmen;
  • Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht und
  • sonstige Vermögensgegenstände.

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen entstehen bei einem Verkauf auf Ziel.

Forderungen gegen ein verbundenes Unternehmen: Ein verbundenes Unternehmen in diesem Sinne ist ein Unternehmen, an dem eine mindestens 50 %ige Beteiligung besteht. Hierunter gehören Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gegen ein derartiges Unternehmen. Unternehmen, an denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, sind Unternehmen, bei denen die Beteiligung zwischen 5 % und 50 % liegt.

"Sonstige Vermögensgegenstände": Dieser Posten entspricht einem Sammelposten für alle Forderungen, die nicht in einen der vorherigen Bilanzposten eigeordnet werden können. Beispiele: Ansprüche auf Steuererstattungen oder sog. Antizipierte Posten, also Erträge, die erst nach dem Bilanzstichtag Einnahmen sind.

3.2 Unterschied zu den passiven Rechnungsabgrenzungsposten

Bei den passiven Rechnungsabgrenzungsposten handelt es sich um Einnahmen vor dem Abschlussstichtag, die Ertrag für eine bestimmte Zeit nach dem Abschlussstichtag darstellen.

 

Praxis-Beispiel

Mieteinnahmen: vorschüssig vom Mieter gezahlt

Unternehmer Hans Groß erhält am 1.12 01 vorschüssig die Miete für 3 Monate, insgesamt 1.500 EUR.

Folge:

Nur die Dezembermiete ist Ertrag des Jahres 01, also 500 EUR. Die Mieten für Januar und Februar 02 muss er daher passiv abgrenzen.

Buchungsvorschlag:

 

Konto

SKR 03 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 03 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
2740 Grundstückserträge 1.000 0990 Passive Rechnungsabgrenzung 1.000
 

Konto

SKR 04 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 04 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
4860 Grundstückserträge 1.000 3900 Passive Rechnungsabgrenzung 1.000

Dagegen dürfen für Einnahmen nach dem Abschlussstichtag, die Ertrag für einen bestimmten Zeitraum vor diesem Stichtag darstellen, keine aktiven Rechnungsabgrenzungsposten gebildet werden.

 

Praxis-Beispiel

Forderung aus Lieferung und Leistung an Kunden

Fliesenleger Hans Groß hat gegen seinen Kunden Wolfgang Müller (Konto 18543) einen Anspruch aus Fliesenlegerarbeiten i. H. v. 5.950 EUR. Die Zahlung war im Dezember 01 fällig. Wolfgang Müller überweist aber erst im Februar 02.

Buchungsvorschlag:

 

Konto

SKR 03 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 03 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
18543 Wolfgang Müller 5.950 8400 Erlöse 19 % USt 5.950
 

Konto

SKR 04 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 04 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
18543 Wolfgang Müller 5.950 4400 Erlöse 19 % USt 5.950

3.3 Sonstige Verbindlichkeiten: Ausgaben, die im Jahr zuvor entstanden sind

Sonstige Verbindlichkeiten sind das Pendant zu den sonstigen Forderungen. Dabei handelt es sich um Ausgaben nach dem Abschlussstichtag, die Aufwand für eine bestimmte Zeit vor dem Abschlussstichtag sind.

Die Position "Sonstige Verbindlichkeiten" befindet sich unter der Position C Nr. 8 des § 266 Abs. 3 HGB. Auch dies ist ein Sammelposten für alle Verbindlichkeiten, die nicht unter C Nr. 1 bis 7 des § 266 Abs. 3 HGB ausgewiesen werden. Typische Geschäftsvorfälle sind Steuerschulden, zu zahlende Versicherungen, zu zahlende Zinsen usw.

3.4 Unterschiede zu den aktiven Rechnungsabgrenzungsposten

Soweit Ausgaben vor dem Bilanzstichtag gegeben sind, die aber erst Aufwand für eine bestimmte Zeit nach diesem Abschlussstichtag darstellen, ist ein aktiver Rechnungsabgrenzungsposten zu bilden. Bei aktiven Rechnungsabgrenzungsposten handelt es sich um Ausgaben vor dem Abschlussstichtag, die Aufwand für eine bestimmte Zeit nach diesem Abschlussstichtag darstellen.

 

Praxis-Beispiel

Kfz-Versicherung vom Folgejahr wird gezahlt

Am 21.12.01 wird die Kfz-Versicherung für die Zeit vom 1.1.02 bis zum 31.12.02 i. H. v. 1.100 EUR überwiesen.

Folge:

Diese Versicherungsbeiträge gehören wirtschaftlich in das Jahr 02. Die Betriebsausgaben wurden aber bereits in 01 für eine bestimmte Zeit nach dem Abschlussstichtag bezahlt. Daher muss ein aktiver Rechnungsabgrenzungsposten gebildet werden.

Buchungsvorschlag:

 

Konto

SKR 03 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 03 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
0980 Aktive Rechnungsabgrenzungsposten 1.100 4520 Kfz-Versicherungen 1.100
 

Konto

SKR 04 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 04 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
1900 Aktive Rechnungsabgrenzungsposten 1.100 6520 Kfz-Versicherungen 1.100

Dagegen dürfen Ausgaben nach dem Abschlussstichtag, die Aufwand für eine bestimmte Zeit vor dem Abschlussstichtag sind, nicht ...

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