Rückstellungen, Handels- und Steuerrecht

Wo die Probleme sind:

  • Das richtige Konto
  • Rückstellungen nach Handelsrecht
  • Rückstellungen nach Steuerrecht
  • Bewertungsunterschiede
  • Unterschiedliche Abzinsung

1 So kontieren Sie richtig!

 

Praxis-Wegweiser:

"Das richtige Konto"

Kontenbezeichnung

Sonstige Rückstellungen
Eigener Kontenplan SKR 03
  0970
IKR  
3900 SKR 04
  3070
 

Kostenstelle/

Schlüssel
 

Praxis-Wegweiser:

"Das richtige Konto"

Kontenbezeichnung

Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen
Eigener Kontenplan SKR 03
  2735
IKR  
5481 SKR 04
  4930
 

Kostenstelle/

Schlüssel

So kontieren Sie richtig!

Rückstellungen haben den Sinn und Zweck, Aufwendungen dem Wirtschaftsjahr zuzuordnen, in dem sie entstanden bzw. verursacht worden sind. Dieser Grundsatz gilt sowohl für die Handelsbilanz als auch für die Steuerbilanz. Rückstellungen können aus verschiedenen Gründen gebildet werden. Aufwendungen z. B. für eine künftige Abbruchverpflichtung bucht der Unternehmer auf das Konto "Sonstige Rückstellungen" 0970 (SKR 03) bzw. 3070 (SKR 04).

 

Buchungssatz:

Aufwand

an Sonstige Rückstellungen

2 Praxis-Beispiel für Ihre Buchhaltung: Schadensfall als ungewisse Verbindlichkeit – Rückstellung für Gewährleistung

Unternehmer Huber hat im Dezember in den Geschäftsräumen seines Kunden Installationsarbeiten durchgeführt. Dabei haben seine Mitarbeiter Schäden verursacht, für die er aufkommen muss. Die Beseitigung des Schadens kann erst im Januar des folgenden Jahres vorgenommen werden. Die voraussichtlichen Aufwendungen werden rd. 6.500 EUR betragen.

Lösung: Der Schaden wurde von Herrn Huber bzw. seinen Mitarbeitern im abgelaufenen Jahr verursacht. Auch wenn der Schaden erst im Folgejahr beseitigt werden kann, gehören die Aufwendungen in das abgelaufene Jahr. Da die Höhe des Schadens am Bilanzstichtag ungewiss ist, ist eine Rückstellung zu bilden. Eine Abzinsung erfolgt nicht, weil die Laufzeit (Dauer) der Rückstellung weniger als 12 Monate beträgt.

 

Konto

SKR 03 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 03 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
4790 Aufwand für Gewährleistung 6.500 0974 Rückstellungen für Gewährleistungen 6.500
 

Konto

SKR 04 Soll

Konten-

bezeichnung
Betrag

Konto

SKR 04 Haben

Konten-

bezeichnung
Betrag
6790 Aufwand für Gewährleistung 6.500 3090 Rückstellungen für Gewährleistungen 6.500

3 Unterschiede bei Rückstellungen in der Handels- und Steuerbilanz

Nach dem Grundsatz der Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz sind die Rückstellungen, die in der Handelsbilanz zwingend gebildet werden müssen, auch für die Steuerbilanz zu übernehmen, soweit steuerliche Regelungen keine Einschränkungen enthalten.

3.1 Rückstellungen in der Handelsbilanz (Grundsätze)

In § 249 HGB ist abschließend bestimmt, für welche Zwecke eine Rückstellung gebildet werden muss. Danach müssen Rückstellungen gebildet werden für

  • ungewisse Verbindlichkeiten,[1]
  • drohende Verluste aus schwebenden Geschäften,[2]
  • unterlassene Aufwendungen für Instandhaltungen, welche im folgenden Geschäftsjahr innerhalb von 3 Monaten nachgeholt werden,[3]
  • Abraumbeseitigung, die im folgenden Geschäftsjahr nachgeholt wird,[4]
  • Gewährleistungen, die ohne rechtliche Verpflichtung erbracht werden,[5]
  • latente Steuern, die nur in der Handelsbilanz ausgewiesen, aber unabhängig von der Laufzeit nicht abgezinst werden. Beim Ausweis latenter Steuern handelt es sich nicht um Rückstellungen, auch wenn das Ergebnis vergleichbar ist.[6]

Andere Rückstellungen dürfen handelsrechtlich nicht mehr gebildet werden. D. h., es dürfen keine Aufwandsrückstellungen mehr gebildet werden und auch keine Rückstellungen für unterlassene Instandhaltungen, die im Folgejahr zwischen dem 4. und 12. Monat nachgeholt werden.

3.2 Abweichungen bei Rückstellungen in der Steuerbilanz

Für Rückstellungen gilt nach wie vor der Grundsatz der Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz. Müssen Rückstellungen in der Handelsbilanz zwingend gebildet werden, sind sie auch für die Steuerbilanz zu übernehmen, soweit steuerliche Regelungen dem nicht entgegen stehen. Die Passivierung von Rückstellungen ist nach Steuerrecht in den folgenden Fällen unzulässig oder eingeschränkt:[1]

  • Es dürfen keine Rückstellungen gebildet werden für ungewisse Verbindlichkeiten, die nur zu tilgen sind, soweit künftig Gewinne oder Einnahmen anfallen.[2] Eine Rückstellung kann also erst gebildet werden, wenn Gewinne oder Einnahmen angefallen sind.
  • Die Passivierung von Rückstellungen wegen Verletzung von fremden Schutzrechten ist eingeschränkt.[3]
  • Die Bildung von Rückstellungen aus Anlass eines Dienstjubiläums ist eingeschränkt.[4]
  • Rückstellung für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften dürfen nicht gebildet werden.[5]
  • Es darf keine Rückstellung passiviert werden, wenn die Erfüllung der Verpflichtung dazu führt, dass ein aktivierungspflichtiges Wirtschaftsgut entsteht.[6]
  • Rückstellungen für Aufwendungen, die nach den Grundsätzen des § 4 Abs. 5 bis 8 EStG und des § 4 Abs. 5 b EStG zu den nicht abziehbaren Ausgaben gehören, können zwar gebildet werden. Die Gewinnminderung ist jedoch außerhalb der Bilanz wieder hinzuzurechnen.[7]
  • Rückstellungen für Pensionsverpflichtungen müssen in der Handelsbilanz gem. § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB als Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten passiviert werden. In der Handelsbilanz sind die Pensionsrückstellungen mit dem Erfüllungsbetrag anzusetzen,[8] während die Bildung von Pensionsrückstellu...

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