Rückstellungen für die Aufb... / 3.3.1 Gebäudekosten

Gemietete Räumlichkeiten

Bei gemieteten Geschäftsräumen werden die anteilig auf das Archiv oder den Lagerraum entfallenden Mietaufwendungen für die Rückstellungsberechnung herangezogen. Diese Kosten machen in der Regel den größten Teil der Rückstellung aus. Für die Ermittlung der anteiligen Mietkosten kann aus Vereinfachungsgründen auf das Verhältnis der Nutzflächen Bezug genommen werden – es sei denn, die Aufteilung führt zu einem unangemessenen Ergebnis. Die Nutzfläche des verwendeten Archivs wird also ins Verhältnis zur gesamten Nutzfläche gesetzt und mit der Gesamtjahresmiete multipliziert:

Nutzfläche des Archivs / Gesamtnutzfläche × Gesamtjahresmiete

Diese Vereinfachung scheidet jedoch aus, wenn im Mietvertrag unterschiedliche Quadratmeterpreise für verschiedene Gebäude(teile) oder Raumtypen (z. B. Büroräume und Abstellräume) vereinbart worden sind. In diesen Fällen ist zwingend auf die tatsächliche Miete für die jeweiligen Archivräume abzustellen.

 

Hinweis

Unterschiedliche Wertansätze bei Staffelmieten

Bei Staffelmietverträgen, bei denen sich die Höhe des Mietzinses mit zunehmender Laufzeit erhöht oder zukünftige jährliche Mietsteigerungen bereits bei Abschluss des Mietvertrages vereinbart wurden, sind diese künftigen Kostensteigerungen in der Handelsbilanz für die Rückstellungsberechnung mit einzubeziehen. In der Steuerbilanz dürfen künftige Preis- und Kostensteigerungen und somit auch Staffelmieten nicht berücksichtigt werden. Bei Staffelmietverträgen kommt es im Rahmen der Rückstellungsbewertung somit immer zu einer Abweichung zwischen Handels- und Steuerbilanz.

Eigene Geschäftsräume

Bei Geschäftsräumen, die im Eigentum des Bilanzierenden stehen, müssen die Kosten ermittelt werden, die voraussichtlich für die Erfüllung der Aufbewahrungspflichten während der Aufbewahrungsdauer anfallen werden. In Betracht kommen hierbei z. B. folgende Kosten:

  • Gebäudeabschreibung
  • Grundsteuer
  • Gebäudeversicherung
  • Gebäudeinstandhaltung und -reparatur
  • Gebäudefinanzierungskosten

Anteilige Finanzierungskosten, beispielsweise für Server, Personalcomputer oder die Archivräume, sind bei der Bemessung der Rückstellung für die Aufbewahrung von Geschäftsunterlagen als notwendiger Teil der Gemeinkosten i. S. d. § 6 Abs. 1 Nr. 3 a Buchst. b EStG zu berücksichtigen. Voraussetzung ist, dass sich die Finanzierungskosten durch Kostenschlüsselung verursachungsgerecht der Anschaffung/Herstellung der Räume zuordnen lassen und dass sie angemessen sind. Nach Ansicht der Finanzverwaltung sind folgende Kosten nicht zu berücksichtigen:

  • Kosten für die künftige Anschaffung von zusätzlichen Regalen und Ordnern, da es sich hierbei um Anschaffungs- oder Herstellungskosten künftiger Wirtschaftsjahre handelt.
  • Kosten der Entsorgung der Unterlagen nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist.
  • Kosten der Einlagerung künftig entstehender Unterlagen.
 

Praxis-Tipp

Schätzung von Instandhaltungs- und Reparaturkosten

Die Bewertung und Einbeziehung von Aufwendungen für Instandhaltung und Reparaturen sind in der Praxis mitunter schwierig. Größere Reparaturen fallen regelmäßig nur in längeren Abständen an oder die Notwendigkeit von Instandhaltungen folgt in der Regel keinem linearen Verlauf. Das bedeutet, dass Perioden mit wenig bis gar keinem Aufwand Perioden mit hohen Aufwendungen für Instandhaltung und Reparaturen gegenüber stehen. Fraglich ist auch, wie mit bereits in der Vergangenheit getätigten größeren Instandhaltungs- und Reparaturmaßnahmen zu verfahren ist. Des Weiteren lässt sich beobachten, dass mit zunehmendem Alter eines Gebäudes die Instandhaltungskosten erfahrungsgemäß überproportional steigen. In der Praxis muss deshalb häufig auf langjährige Durchschnittswerte zurückgegriffen werden. Alternativ kann auch auf andere Verfahren wie z. B. die Ermittlung von Bewirtschaftungskosten gemäß § 18 der Wertermittlungsverordnung (WertV) im Rahmen einer Verkehrswertermittlung von Gebäuden zurückgegriffen werden.

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