Rückstellung, Urlaubsrückst... / 6 Berechnung der Rückstellung

Zur Berechnung der Rückstellung (je Mitarbeiter) ist das maßgebliche Urlaubsentgelt durch die Zahl der anzusetzenden Arbeitstage zu dividieren. Das Ergebnis ist mit der Zahl der Resturlaubstage zu multiplizieren.

Die Restlaufzeit der Urlaubsrückstellung beträgt i. d. R. weniger als 12 Monate. Deshalb kommt weder handelsrechtlich nach § 253 Abs. 2 Satz 1 HGB noch steuerrechtlich nach § 6 Abs. 1 Nr. 3a Buchst. e EStG eine Abzinsung in Betracht.

 

Hinweis

Obergrenze für Rückstellungen in der Steuerbilanz (außer Pensionsrückstellungen)

Nach Verwaltungsauffassung dürfen Rückstellungen mit Ausnahme von Pensionsrückstellungen in der Steuerbilanz nicht höher ausgewiesen werden als der zulässige Rückstellungsausweis in der Handelsbilanz. Begründet wird dies mit der Gesetzesformulierung "höchstens" im Einleitungssatz des § 6 Abs. 1 Nr. 3a EStG und der zugehörigen Gesetzesbegründung. Diese Ansicht wurde durch das FG Rheinland-Pfalz bestätigt. In der Literatur ist diese Auffassung umstritten. Zur praktischen Umsetzung dieser "Wertobergrenze" ist mehrstufig vorzugehen:

  • Zunächst ist der Rückstellungswert nach den speziellen Regelungen des EStG zu ermitteln.
  • Anschließend ist dieser Wert mit dem handelsbilanziellen Wertansatz zu vergleichen.
  • Der niedrigere der beiden Werte ist in der Steuerbilanz anzusetzen.

Im hier betrachteten Fall der Urlaubsrückstellungen wird der handelsbilanzielle Wertansatz oftmals den Wertansatz der Steuerbilanz übersteigen, so dass die Obergrenze in Form des handelsbilanziellen Wertansatzes in der Steuerbilanz nicht zur Anwendung kommt. Bedeutung hat die so definierte Obergrenze z. B. für langfristig zu erbringende Sachleistungsverpflichtungen, da aufgrund des unterschiedlichen Abzinsungszeitraums zwischen Handels- und Steuerbilanz der Wert nach § 6 Abs. 1 Nr. 3a EStG häufig höher ist als der handelsbilanzielle Wertansatz nach § 253 Abs. 2 Satz 1 HGB ergebende.

 

Praxis-Beispiel

Berechnung der Urlaubsrückstellung nach Steuerrecht

Es gelten die Daten des Praxis-Beispiels: Hans Groß ist alleiniger Gesellschafter-Geschäftsführer der X-GmbH. Von den 21 Mitarbeitern der X-GmbH haben die Angestellten Wolfgang Müller, Franz Fox und Max Meier am 31.12.01 ihren Urlaub für das Wirtschaftsjahr 01 noch nicht vollständig genommen. Die X-GmbH ermittelt ihre Urlaubsrückstellung jeweils gesondert für die Mitarbeitergruppen Gesellschafter-Geschäftsführer, Gehaltsempfänger und Lohnempfänger, wobei für die anzusetzenden Arbeitstage aus Vereinfachungsgründen bei einer 5-Tage-Woche 250 Tage und bei einer 6-Tage-Woche 300 Tage angesetzt werden. Alle Arbeitnehmer der X-GmbH erhalten im Wirtschaftsjahr 01 außer ihrem Monatsgehalt ein freiwillig gezahltes 13. Monatsgehalt als Weihnachtsgeld aufgrund der guten wirtschaftlichen Entwicklung. Die Personaldaten zum abgelaufenen Wirtschaftsjahr 01 sehen folgendermaßen aus:

 
  Gruppe Gesellschafter-Geschäftsführer Gruppe Gehaltsempfänger
Mitarbeiter Groß Müller Fox Meier Summe
Bruttogehalt (EUR) 100.000 50.000 46.000 42.000 138.000
AG- Anteil Sozialversicherung (EUR) 0 8.000 7.600 7.000 22.600
Resturlaub (Tage) 2 10 5 7 22
Wochenarbeitstage (Tage) 6 5 5 5 15

Daraus ergibt sich folgendes maßgebliches Urlaubsentgelt:

 
  Gruppe Gesellschafter-Geschäftsführer Gruppe Gehaltsempfänger
Mitarbeiter Groß Müller Fox Meier Summe
Bruttogehalt (EUR) 100.000,00 50.000,00 46.000,00 42.000,00 138.000,00
./. Weihnachtsgeld (EUR) 7.692,31 3.846,15 3.538,46 3.230,77 10.615,38
+ AG-Anteil Sozialversicherung (EUR) 0 8.000,00 7.600,00 7.000,00 22.600,00
Maßgebliches Urlaubsentgelt (EUR) 92.307,69 54.153,85 50.061,54 45.769,23 149.984,62

Ermittlung der anzusetzenden Arbeitstage (reguläre Arbeitstage)

 
  Gruppe Gesellschafter-Geschäftsführer Gruppe Gehaltsempfänger
Mitarbeiter Groß Müller Fox Meier
Wochenarbeitstage 6 5 5 5
× 52 Wochen 312 260 260 260
Feiertage ./.12 ./. 10 ./. 10 ./. 10
Anzusetzende Arbeitstage 300 250 250 250

Ermittlung der Urlaubsrückstellung

 
  Gruppe Gesellschafter-Geschäftsführer Gruppe Gehaltsempfänger
Mitarbeiter Groß Müller Fox Meier Summe
Maßgebliches Urlaubsentgelt (EUR) 92.307,69 54.153,85 50.061,54 45.769,23 149.984,62
÷ Arbeitstage (Tage) 300 250 250 250 -
Urlaubsentgelt pro Tag (EUR) 307,69 216,62 200,25 183,08 -
Resturlaubstage (Tage) 2 10 5 7 22
Rückstellungsbetrag (je Mitarbeiter) 615,38 2.166,15 1.001,23 1.281,54 4.448,92
Rückstellung Steuerbilanz (EUR):  
- für Gesellschafter-Geschäftsführer 615,38   615,38
- für Gehaltsempfänger     4.448,92
- für Lohnempfänger     0
Summe   5.064,31

Berechnung nach der Durchschnittsmethode

In diesem Fall wird die Durchschnittmethode für die 3 Angestellten angewendet, die der Gruppe der "Gehaltsempfänger" zuzuordnen sind. Die benötigten Rechengrößen können der Individualberechnung entnommen werden:

 
Summe maßgebende Urlaubsentgelte (EUR) 149.984,62
÷ Anzahl Arbeitnehmer 3
= Durchschnittliches maßgebendes Urlaubsentgelt je Arbeitnehmer (EUR) der Gruppe "Gehaltsempfänger" 49.994,87
÷ Anzahl der durchschnittlich anzusetzenden Arbeitstage (Tage)

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