Rückstellung, Urlaubsrückst... / 5 Ermittlung der maßgebenden Eckdaten

Unabhängig davon, welche Methode zum Einsatz kommt, kann die eigentliche Berechnung der Urlaubsrückstellung erst beginnen, wenn alle erforderlichen Eckdaten ermittelt worden sind:

  • Maßgebliches Urlaubsentgelt (Jahresarbeitsentgelt).
  • Anzusetzende Arbeitstage (Jahresarbeitstage).
  • Resturlaubstage.

Für die Ermittlung der Höhe der Urlaubsrückstellung (je Mitarbeiter) wird das maßgebende Urlaubsentgelt (bzw. Jahresarbeitsentgelt) durch die Zahl der (jährlichen) anzusetzenden Arbeitstage dividiert und mit der Anzahl der geschuldeten Urlaubstage (Resturlaubstage) multipliziert. Dazu müssen das maßgebliche Urlaubsentgelt, die anzusetzenden Arbeitstage und der Resturlaub ermittelt werden.

 

Achtung

Unterschied beachten: Urlaubsgeld vs. Urlaubsentgelt

Das Urlaubsentgelt ist nicht mit dem zusätzlich gewährten Urlaubsgeld zu verwechseln. Das Urlaubsgeld wird zusätzlich zum Arbeitslohn gewährt.

5.1 Ermittlung des maßgebenden Urlaubsentgelts

Die Bestimmung der Eckdaten und damit die Berechnung der Urlaubsrückstellung ist umstritten:

  • So sieht der BFH in der Urlaubsrückstellung eine Geldleistungsverpflichtung, die danach zu bewerten ist, was der Bilanzierende am Bilanzstichtag aufwenden müsste, um diese Schuld am Bilanzstichtag zu begleichen.
  • Hingegen sieht das handelsrechtliche Schrifttum die Urlaubsrückstellung mehrheitlich als eine Verpflichtung zur "Gewährung bezahlter Freizeit im Folgejahr", die danach zu bewerten ist, was das Unternehmen im folgenden Jahr aufwenden muss, um diese Schuld gegenüber den Mitarbeitern zu begleichen.

Aus diesen beiden unterschiedlichen Sichtweisen ergeben sich wesentliche Unterschiede hinsichtlich der Bewertung von Urlaubsrückstellungen.

Für die Steuerbilanz ist die Auffassung des BFH maßgebend. Folgt man für die handelrechtliche Bilanzierung dem handelsrechtlichen Schrifttum, so ergeben sich Unterschiede zwischen der Handels- und Steuerbilanz. Beide Sichtweisen werden im Folgenden dargestellt.

5.1.1 Ermittlung des Urlaubsentgelts für die Steuerbilanz

Für steuerliche Zwecke sind nach der BFH-Rechtsprechung zur Bestimmung des maßgebenden Urlaubsentgelts (bzw. Jahresentgelts) die jährlichen Bruttolöhne/-gehälter zu berücksichtigen ohne Änderungen des Entgelts im Folgejahr. Weiterhin sind auch Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung und Beiträge zur Berufsgenossenschaft einzubeziehen (jeweils Jahreswerte). In Bezug auf Sonderzahlungen ist zu differenzieren:

  • Solche Sonderzahlungen, die sich aus dem jeweiligen Anstellungsvertrag oder Tarifvertrag jährlich ergeben, ohne dass es einer weiteren Vereinbarung zwischen den Parteien bedarf, sind einzubeziehen.
  • Nicht einzubeziehen sind jährlich neu vereinbarte Sonderzahlungen.

Dementsprechend hat das Finanzgericht Rheinland-Pfalz entschieden, dass ein im vorstehenden Sinne fest vereinbartes Weihnachtsgeld Teil des maßgeblichen Urlaubsentgelts ist, jedoch eine Weihnachtsgratifikation, deren Entstehen jährlich neu vereinbart wird und die von bestimmten Faktoren wie z. B. der wirtschaftlichen Situation des Arbeitsgebers abhängt, nicht in die Bemessung des maßgeblichen Urlaubsentgelts einzubeziehen ist.

Außerdem können Zahlungen, die nicht Bestandteil von Lohn und Gehalt sind, nicht einbezogen werden. Daher sind z. B. vermögenswirksame Leistungen nicht zu berücksichtigen.

Das maßgebende Urlaubsentgelt kann für die Steuerbilanz nach folgender Formel ermittelt werden und ist als Jahreswert zu ermitteln:

 
  Bruttogehalt/-lohn (ohne Gehalts- und Lohnsteigerungen des Folgejahres)
- Jährlich neu zu vereinbarende (bzw. nicht fest vereinbarte) Sonderzahlungen
= Bereinigtes Bruttogehalt/-lohn
+ AG-Anteil KV/PV
+ AG-Anteil RV/AV
+ Anteil Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft
+ Urlaubsgeld (soweit nicht bereits ausbezahlt)
+ Weitere lohnabhängige Nebenkosten
= Maßgebliches Urlaubsentgelt (Jahresarbeitsentgelt)

5.1.2 Ermittlung des Urlaubsentgelts für die Handelsbilanz

Nach handelsrechtlicher Auffassung sind für die Bestimmung des maßgebenden Urlaubsentgelts die im Folgejahr aufzuwendenden Kosten des Arbeitgebers zugrunde zu legen, d. h. die bei Nachholung bzw. Abgeltung des Urlaubsanspruchs zu erwartenden Aufwendungen. Demzufolge erfolgt die Bemessung des maßgebenden Urlaubsentgelts umfassender als nach Steuerrecht und alle Berechnungskomponenten beziehen sich auf das Folgejahr, in dem die Verpflichtung erfüllt wird.

In die Bemessung sind daher neben dem zukünftigen Bruttolohn/-gehalt und fest zugesagten Sondervergütungen (z. B. 13. Gehalt, umsatzabhängige Tantieme) z. B. auch periodisierte Aufwandsanteile späterer Zahlungen (z. B. Zuführungen zu Pensions- und Jubiläumsrückstellungen), vermögenswirksame Leistungen und anteilige Gemeinkosten einzubeziehen.

Das maßgebende Urlaubsentgelt kann für die Handelsbilanz nach folgender Formel ermittelt werden und ist als Jahreswert zu ermitteln:

 
  Bruttogehalt/-lohn (entspricht dem Bruttogehalt/-lohn des laufenden Geschäftsjahrs zzgl. bis zur Erbringung der Urlaubsgewährung im Folgejahr wirksam werdender Gehalts- und Lohnsteigerungen)
- Jährlich neu zu vereinbarende (bzw. nicht fest vereinbarte) Sonderzahlungen
= Bereinigtes Bruttogehalt/-lohn
+ AG-Anteil KV/PV
+ AG-Anteil RV/AV
+ Anteil Unfal...

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