Rückstellung, Abbruchverpflichtung

Wo die Probleme sind:

  • Das richtige Konto
  • Schätzung der Abbruchkosten (Verpflichtungsbetrag)
  • Berechnung der jährlichen Veränderung des Verpflichtungsbetrags
  • Bestimmung der Auf- und Abzinseffekte

1 So kontieren Sie richtig!

 
Praxis-Wegweiser: Das richtige Konto
Kontobezeichnung SKR 03 SKR 04 Eigener Kontenplan Bilanz/GuV-Position
Sonstige Rückstellungen 0970 3070   Sonstige Rückstellungen
Grundstücksaufwendungen 2350 6350   Sonstiger betrieblicher Aufwand
Zinsaufwand aus der Abzinsung von Rückstellungen 2144 7362   Zinsen und ähnliche Aufwendungen
Zinsertrag aus der Abzinsung von Rückstellungen 2684 7142   Zinsen und ähnliche Erträge
Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen 2735 4930   Sonstige betrieblichen Erträge

So kontieren Sie richtig!

Die Abbruchkosten, die Sie einer Rückstellung zuführen, können Sie auf das Konto "Sonstige Rückstellungen" (SKR 03: 0970; SKR 04:3070) buchen.

Die Gegenbuchung erfolgt z. B. auf das Konto "Grundstücksaufwendungen" (SKR 03: 2350; SKR 04: 6350).

 

Buchungssatz:

Grundstücksaufwendungen

an Sonstige Rückstellungen

2 Praxis-Beispiel für Ihre Buchhaltung: Abbruchverpflichtung für eine errichtete Lagerhalle auf einem gepachteten Grundstück

Die A-GmbH errichtet zum 1.1.01 (Fertigstellung) auf einem gepachteten Grundstück eine Lagerhalle. Die vertraglichen Vereinbarungen sehen vor, dass nach Beendigung des Pachtvertrags der ursprüngliche Zustand wieder herzustellen ist, d. h. die Lagerhalle abzureißen ist. Der Pachtvertrag endet am 31.12.10. Die Kosten zur Beseitigung des Gebäudes werden am 31.12.01 nach aktuellen Preisverhältnissen auf 100.000 EUR geschätzt. Die A-GmbH erwartet jährliche Preissteigerungen von 2 %. Die Schätzung erweist sich als zutreffend und entspricht den tatsächlichen Preissteigerungen.

Die A-GmbH bildet für die vertragliche Verpflichtung zum Abriss und der Entfernung der Lagerhalle zum 31.12.01 eine Rückstellung in der Handelsbilanz.

2.1 Erfassung in der Handelsbilanz

Die A-GmbH berechnet den nominellen Verpflichtungsbetrag zum Zeitpunkt des Abbruchs zum 31.12.10 unter Berücksichtigung der erwarteten Preissteigerungen wie folgt:

Nomineller (bzw. unabgezinster) Verpflichtungsbetrag zum 31.12.10 = 100.000 × (1 + 0,02)9 = 119.509,30 EUR

Obwohl die Verpflichtung von Anfang an in voller Höhe besteht, sammelt die A-GmbH den nominellen Verpflichtungsbetrag i. H. v. 119.509,30 EUR linear über die Vertragslaufzeit an. Den anteiligen jährlichen Verpflichtungsbetrag, der jährlich der Rückstellung (abgezinst) zuzuführen ist, errechnet die A-GmbH zum 31.12.01, indem sie den Betrag von 119.509,30 EUR durch die Verteildauer (bzw. Verpflichtungsperiode) von 10 Jahren dividiert (Tab. 1, Spalte e). Die Verteildauer ist der Zeitraum von der Entstehung der Verpflichtung bis zum Zeitpunkt der Erfüllung (bzw. des letzten Bilanzstichtags davor).

Den unabgezinsten Rückstellungsbetrag (Tab. 1, Spalte f) zum jeweiligen Bilanzstichtag errechnet die A-GmbH durch Multiplikation des anteiligen jährlichen Verpflichtungsbetrag (Spalte e) zum jeweiligen Bilanzstichtag mit der abgelaufenen Laufzeit der Rückstellung in Jahren (Spalte a). Im ersten Jahr entspricht der Zuführungsbetrag (Spalte g) genau dem angesammelten Verpflichtungsbetrag von 11.950,90 EUR (Spalte f), da erst ein Jahr der Laufzeit abgelaufen ist.

Im Fall der A-GmbH ist der anteilige jährliche Verpflichtungsbetrag (Spalte e) über die Laufzeit konstant, da sich der Verpflichtungsbetrag von 119.509,30 EUR (Spalte d) nicht ändert. Deshalb stimmen die Werte der Spalte g in Tab. 1 mit den Werten der Spalte e überein. Im Falle der Änderung der Schätzung des nominellen Verpflichtungsbetrags (Spalte d) ergeben sich in beiden Spalten z. T. unterschiedliche Werte.

Insgesamt ergibt sich folgender Verlauf für den nominellen Verpflichtungsbetrag und dessen Veränderung:

 
Bilanzstichtag Abgelaufene Laufzeit (Jahre) Verteildauer Restlaufzeit (Jahre) Nomineller Verpflichtungsbetrag Jährlich anteiliger nomineller Verpflichtungsbetrag Angesammelter nomineller Verpflichtungsbetrag Jährliche Erhöhung des nominellen Verpflichtungsbetrags
  a b c = b – a d e = d / b f = e × a g = ft -f(t-1)
31.12.01 1 10 9 119.509,30 11.950,90 11.950,90 11.950,90
31.12.02 2 10 8 119.509,30 11.950,90 23.901,90 11.950,90
31.12.03 3 10 7 119.509,30 11.950,90 35.852,80 11.950,90
31.12.04 4 10 6 119.509,30 11.950,90 47.803,70 11.950,90
31.12.05 5 10 5 119.509,30 11.950,90 59.754,60 11.950,90
31.12.06 6 10 4 119.509,30 11.950,90 71.705,60 11.950,90
31.12.07 7 10 3 119.509,30 11.950,90 83.656,50 11.950,90
31.12.08 8 10 2 119.509,30 11.950,90 95.607,40 11.950,90
31.12.09 9 10 1 119.509,30 11.950,90 107.558,30 11.950,90
31.12.10 10 10 0 119.509,30 11.950,90 119.509,30 11.950,90

Tab. 1: Ermittlung der nominellen Verpflichtungsbeträge zum jeweiligen Bilanzstichtag und deren jährliche Veränderungen (Handelsbilanz)

Für die Ermittlung des handelsrechtlichen Werts der Rückstellung verwendet die A-GmbH die durch die Deutsche Bundesbank zum jeweiligen Bilanzstichtag bekanntgemachten Zinssätze (Tab. 2, Spalte c enthält beispielhafte Zinssätze). Auf Basis des Zinssatzes für die korrespondierende Restlaufzeit errechnet die A-GmbH den Diskontierungsfaktor nach folgender Formel:

Diskontierungsfaktor (DF) ...

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