Rating

Zusammenfassung

 
Begriff

Der Begriff "Rating" kommt aus dem Englischen und heißt wörtlich übersetzt Einschätzung/Bewertung. In unserem Sprachgebrauch ist Rating als Methodik zur Risikobewertung durch Banken und/oder Rating-Agenturen bekannt. Bei einem Rating wird die Bonität des Kreditnehmers bewertet. Ein Rating ist ein anhand einer festgelegten, genau definierten Ratingskala ausgedrücktes Urteil über die wirtschaftliche Fähigkeit eines Unternehmens, seine Zins- und Tilgungsverpflichtungen zukünftig jederzeit in voller Höhe erfüllen zu können.

Das Ratingergebnis wird in verschiedene Kategorien (= Ratingklassen) eingeteilt, ausgedrückt durch Zahlen oder Buchstaben oder eine Kombination von beidem. Jeder Ratingklasse wird auf Basis von Ausfallraten der Vergangenheit eine Ausfallwahrscheinlichkeit, ein sog. "erwarteter Verlust", zugeordnet. Auch Ratings nach Basel III stützen sich im Wesentlichen auf die Rating-Klassifizierung der international führenden Rating-Agenturen. Diese orientieren sich oftmals am angelsächsischen Schulnotensystem.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

https://www.bis.org/bcbs/publ/d424.htm

http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2013:321:0006:0342:DE:PDF

1 Ausgangssituation

Unklarheit über Zustandekommen der Rating-Noten

Die Banken teilen den Kreditsuchenden und Kreditnehmern von sich aus die Rating-Noten grundsätzlich nicht mit. Kunden erhalten sie nur auf Anfrage. Für viele Unternehmen sind die Noten allerdings in hohem Maße undurchsichtig. Es gibt oft seitens der Banken keine Erklärung dessen, was hinter der jeweiligen Rating-Note steckt und was sie für den Kreditsuchenden bedeutet. Schon gar nicht wird seitens der Banken das Zustandekommen der Noten erläutert und begründet. Die Rating-Note wird sozusagen "hinter dem Rücken" des Kunden ermittelt. Der Antragsteller erfährt nicht, warum er die jeweilige Rating-Note erhalten hat, wie er sie interpretieren soll und was er in seinem Unternehmen verbessern könnte. Die Kreditinstitute erwarten allerdings von ihren Kunden vollkommene Offenheit und Transparenz. Man will den "gläsernen Kunden".

Rating-Noten wichtig bei der Kreditvergabe und für die Kreditbedingungen

Die Rating-Noten sind bei der Kreditvergabe von größter Bedeutung. Sie entscheiden nicht nur darüber, ob dem Kunden überhaupt ein Kredit gewährt wird, sondern auch zu welchen Bedingungen. Der Zinssatz kann z. B. bei einem schlechteren Rating bedingt durch die höhere Ausfallwahrscheinlichkeit des Kredits (pd = probability of default, Ausfallwahrscheinlichkeit) und die höhere Eigenkapitalunterlegung, die die Bank vorhalten muss, ab 0,1 Prozentpunkte bis hin zu mehreren Prozentpunkten höher ausfallen als bei einem guten Rating.

Unterschiedlicher Aufbau der Rating-Noten

Die Rating-Noten können sich beispielsweise am amerikanischen oder am deutschen Schulnotensystem orientieren. Es gibt beliebig viele und von Bank zu Bank verschiedene Rating-Stufen. Nach dem Regelwerk Basel II sollten eigentlich die Rating-Noten aller Banken einheitlich nach dem Standard & Poor’s Schema aufgebaut werden. Leider hat sich diese Vorschrift bei den mehrfachen Konsultationsrunden nicht durchsetzen können. Dennoch dient die Standard & Poor’s Klassifizierung vielfach als Orientierungsschema für die erzielte Rating-Note.

2 Beurteilungskriterien für Rating-Verfahren

Die Rating-Verfahren sind zwar vor allem hinsichtlich der relevanten Kennzahlen und deren Gewichtung von Bankengruppe zu Bankengruppe unterschiedlich. Dennoch gibt es gewisse Beurteilungskriterien die bankenübergreifend ähnlich relevant sind und auf die im Folgenden näher eingegangen wird.

Relevante Beurteilungskriterien für das Rating nach Basel III:

  • Qualität des Managements,
  • betriebliche Verhältnisse,
  • Branchen-, Markt- und Wettbewerbssituation,
  • wirtschaftliche Verhältnisse,
  • künftig erwartete Unternehmensentwicklung,
  • private Vermögensverhältnisse,
  • bisherige Geschäftsbeziehung,
  • Informationsverhalten,
  • Kontoführung und Zahlungsverhalten.

2.1 Qualität des Managements

Der Erfolg des Unternehmens hängt in vielen Fällen entscheidend von der Qualität des Managements ab. Die Geschäftsleitung trifft die wesentlichen Entscheidungen. Fehlentscheidungen können die Existenz bedrohen, keine Entscheidungen zu treffen, erst recht. Eine qualifizierte Geschäftsleitung ist für die Bank die beste Sicherheit für eine ordnungsgemäße und termingerechte Kreditrückzahlung und steht daher bei der Bonitätsbeurteilung oftmals an erster Stelle.

Für mittelständische Unternehmen sind Zielstrebigkeit, Überzeugungskraft, Durchsetzungsvermögen, Flexibilität, Realitätssinn und die Identifikation mit dem Unternehmen unverzichtbare Eigenschaften. Von einem Kreditnehmer fordert die Bank darüber hinaus Verlässlichkeit, Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Weitere wichtige Kriterien bei der Beurteilung der Qualifikation des Managements sind kaufmännische und technische Kompetenzen, die insbesondere auch in den Gesprächen mit Bankenvertretern nachzuweisen sind. Als Risikofaktoren gelten u. a. familiäre Probleme sowie eine ungelöste Nachfolgeregelung.

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