Rating: die optimale Vorber... / 2.2.1 Kennzahlen Quick-Test

Im Folgenden wird anhand eines sehr einfachen Beispiels erläutert, wie sich ein Unternehmer/Manager mittels eines Kennzahlen-Quick-Tests einen ersten Überblick über die finanzwirtschaftliche Situation seines Unternehmens verschaffen kann.

 

Bilanz

Aktiva Geschäftsjahr (Tsd. EUR) Passiva Geschäftsjahr (Tsd. EUR)
A Anlagevermögen 7.325 A Eigenkapital 9.882
B Umlaufvermögen 34.412 B Rückstellungen, kurzfristig 5.500
    C Verbindlichkeiten 26.355
      davon kurzfristig (25.693)
      davon langfristig (662)
       
Summe Aktiva 41.737 Summe Passiva 41.737

Tab. 6: Kennzahlen aus der Bilanz für den Quick-Test

 

Gewinn- und Verlustrechnung

GuV Geschäftsjahr (Tsd. EUR)
Umsatzerlöse 119.577
Abschreibungen 878
Betriebsergebnis 2.969
Zinsaufwand 259
Cashflow 3.847

Tab. 7:Kennzahlen aus der GuV für den Quick-Test

Einen ersten Eindruck zur Bestimmung der Ausgangslage des Unternehmens bei den harten quantitativen Faktoren des Ratings geben die folgenden fünf Kennzahlen:

  • Eigenkapitalquote,
  • Liquidität,
  • Cashflow-Rate,
  • dynamischer Verschuldungsgrad (Schuldentilgungsdauer) und
  • Gesamtkapitalrentabilität.

Diese Kennzahlen können aus der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung anhand der folgenden Formeln berechnet werden.

Vermögenslage

Die Eigenkapitalquote gibt das Verhältnis von Eigen- zum Gesamtkapital an. Da die eigenen Mittel dem Unternehmen im Allgemeinen langfristig zur Verfügung stehen, gewährleisten sie im Gegensatz zum Fremdkapital eine hohe Dispositionsfreiheit und relative Unabhängigkeit. Des Weiteren ist das Eigenkapital bei inhabergeführten Unternehmen meist auch handelsbilanzrechtlich nicht (steuerbilanzrechtlich sowieso nicht) mit einem laufenden Kapitaldienst (Zinsen und Tilgung) belastet.

Finanzlage

Liquidität

Die Liquidität informiert darüber, inwieweit das Unternehmen fähig ist, seinen kurzfristigen Verbindlichkeiten pünktlich in voller Höhe nachzukommen. Unterschieden werden drei Liquiditätsgrade, die von der Barliquidität über die Liquidität auf kurze Sicht bis hin zur Liquidität auf mittlere Sicht reichen. Beispiel hier ist die Liquidität auf mittlere Sicht, auch Liquidität 3. Grades, genannt.

Cashflow-Marge

Der Cashflow ist der Betrag, den ein Unternehmen aus eigenen Erträgen erwirtschaftet. Der Cashflow kann auf unterschiedliche Weise berechnet werden. Wichtig ist, dass der Unternehmer/Manager das Schema zur Berechnung des Cashflows der jeweiligen Bank kennt, damit der Steuerberater die Cashflow-Berechnung in der gleichen Art und Weise wie die Bank vornimmt und der Unternehmer/Manager so bereits die Zahlen für das Bankgespräch vorliegen hat. Das folgende Beispiel zeigt, wie der Cashflow, in diesem Fall "indirekt", berechnet werden kann.

 
Betriebsergebnis 2.969 Tsd. EUR
+ Abschreibungen 878 Tsd. EUR
+ Erhöhung der langfristigen Rückstellungen (falls vorhanden)  
   
= Cashflow 3.847 Tsd. EUR

Über die Umsätze fließen dem Unternehmen Finanzmittel zu. Über die Cashflow-Marge wird davon der Anteil berechnet, der im Unternehmen verbleibt und zur Selbstfinanzierung, Schuldentilgung oder Ähnlichem zur Verfügung steht.

Dynamischer Verschuldungsgrad

Der Cashflow kann zur Selbstfinanzierung bzw. Schuldentilgung verwendet werden. Zur Berechnung der Kennzahl "dynamischer Verschuldungsgrad" wird der Cashflow-Betrag zum Fremdkapital ins Verhältnis gesetzt. Die so ermittelte Kennzahl zeigt das Vielfache des Fremdkapitals in Bezug auf den Cashflow an und misst die Schuldentilgungskraft: Würde der Cashflow ausschließlich zur Rückführung des Fremdkapitals verwendet, wäre das Unternehmen nach der Anzahl dieser Jahre schuldenfrei. Dies setzt allerdings eine gleichbleibende Ertragskraft sowie den vollständigen Verzicht auf eine Verwendung des Cashflows zur Finanzierung von Investitionen und Entnahmen voraus. Die Kennzahl "Dynamischer Verschuldungsgrad" kann insofern nur als theoretische Tilgungsdauer interpretiert werden.

Ertragslage

Die Kennzahl "Gesamtkapitalrentabilität" misst das um die aufgewendeten Fremdkapitalzinsen erweiterte Betriebsergebnis am gesamten im Unternehmen gebundenen Kapital (im Unternehmen gebundenes Kapital = Eigenkapital + Fremdkapital = Gesamtkapital = Bilanzsumme). Durch die Hinzurechnung des Zinsaufwands für Fremdkapital soll in diesem Fall die unterschiedliche Ausstattung der Unternehmen mit Eigen- und Fremdkapital bzw. die daraus resultierende unterschiedliche Zinsbelastung "herausgerechnet" werden. Deshalb wird zum Betriebsergebnis der tatsächlich entstandene Zinsaufwand hinzugerechnet. Diese Kennzahl bietet somit v. a. im Branchenvergleich eine gute Grundlage zu einer von der Kapitalstruktur unabhängigen Beurteilung der Ertragskraft.

Anhand der folgenden Skala kann geprüft werden, worauf die Ergebnisse der Kennzahlen hindeuten.

 
Kennzahl

1

sehr gut

2

gut

3

mittel

4

schlecht

5

sehr schlecht
Eigenkapitalquote höher oder gleich 30 % 20 % bis unter 30 % 10 % bis unter 20 % geringer als 10 %, aber nicht negativ negativ
Liquidität 3. Grades größer 1,5 1,4 bis 1,5 1,3 1,0 bis 1,2 unter 1,0
Cashflow-Rate höher oder glei...

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