Prüfung des Jahresabschluss... / 3.1.2 Objekte und Umfang der Abschlussprüfung
 

Rz. 22

Gegenstand der Prüfung (Prüfungsobjekt) ist zunächst nach § 316 Abs. 1 Satz 1 HGB i. V. m. § 317 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Satz 1 HGB sowie § 324a Abs. 1 Satz 1 HGB der Jahresabschluss (Bilanz, GuV sowie Anhang), ggf. auch der nach internationalen Rechnungslegungsstandards erstellte Einzelabschluss i. S. v. § 325 Abs. 2a HGB, der Lagebericht und die Buchführung. Vereinzelt wird auch das Inventar geprüft, was aber gesetzlich nicht vorgeschrieben ist. Der Umfang der Prüfung des Jahresabschlusses und des Lageberichts wird grundlegend in § 317 Abs. 1 und Abs. 2 HGB festgelegt.

 

Rz. 23

Allerdings finden sich Mindestregelungen für die Durchführung dieser Prüfungen, die aber nicht Rechtsnormcharakter besitzen, in den Standardisierungen des IDW. Diesen Konventionen, die die gegenwärtige Auffassung des Berufsstandes der Wirtschaftsprüfer im Hinblick auf eine ordnungsmäßige Rechnungslegungsprüfung widerspiegeln und bereits weitgehend an die ISAs i. S. d. § 317 Abs. 5 HGB angepasst wurden, kommt aber herausragende Bedeutung bei der Ableitung nicht kodifizierter Grundsätze ordnungsmäßiger Abschlussprüfung (GoA) zu. In diesem Zusammenhang sind insbesondere die folgenden 3 IDW Prüfungsstandards zu nennen:

  • "Ziele und allgemeine Grundsätze der Durchführung von Abschlussprüfungen (IDW PS 200)";
  • "Rechnungslegungs- und Prüfungsgrundsätze für die Abschlussprüfung (IDW PS 201)";
  • "Prüfung des Lageberichts im Rahmen der Abschlussprüfung (IDW PS 350 n. F.)".
 

Rz. 24

§§ 316 f. HGB haben grundsätzlich Gültigkeit für die Abschlussprüfung der AG, der KGaA, der GmbH, von Kreditinstituten, von Versicherungsunternehmen, von rechnungslegungspflichtigen Unternehmen nach dem Publizitätsgesetz, von (großen) eingetragenen Genossenschaften und auch von "kapitalistischen" Personenhandelsgesellschaften.

Die im PublG angeführten Prüfungsobjekte entsprechen weitgehend den vom HGB genannten Objekten, da § 6 Abs. 1 Satz 2 PublG auf die Regelungen der §§ 316 ff. HGB Bezug nimmt. Allerdings ist bezüglich der Personenhandelsgesellschaften (OHG, KG) und der Einzelunternehmen zu beachten, dass Spezialvorschriften für die Aufstellung und/oder Offenlegung der Bilanz, der GuV, des Anhangs und des Lageberichts bestehen. So hat sich die Prüfung bei diesen Unternehmensformen darauf zu erstrecken, ob Privatvermögen und nicht betrieblich bedingte Aufwendungen und Erträge in den Jahresabschluss aufgenommen wurden. Ferner ist hier zu berücksichtigen, dass sie grundsätzlich keinen Anhang zum Jahresabschluss und keinen Lagebericht aufzustellen brauchen. Sofern es sich bei diesen Gesellschaftsformen aber um Unternehmen i. S. d. § 264d HGB handelt, müssen sie den Jahresabschluss um einen Anhang ergänzen. Die GuV ist bei den in Rede stehenden Unternehmensformen aber auch dann zu prüfen, wenn an ihrer Stelle eine sog. Anlage zur Bilanz nach § 5 Abs. 5 Satz 3 PublG veröffentlicht wird. Im Hinblick auf die Pflichtprüfung "kapitalistischer" Personenhandelsgesellschaften sind die in § 264c HGB kodifizierten unternehmensspezifischen Besonderheiten vor allem im Hinblick auf den Eigenkapitalausweis zu beachten.

 

Rz. 25

Zudem hat der Abschlussprüfer bei der Pflichtprüfung börsennotierter Aktiengesellschaften zu beurteilen, ob der Vorstand das Risiko-Managementsystem nach § 91 Abs. 2 AktG eingerichtet hat und ob dieses Überwachungssystem seine Aufgaben erfüllen kann (§ 317 Abs. 4 HGB). Einzelheiten zur Prüfung des RMS finden sich im IDW Prüfungsstandard 340 "Die Prüfung des Risikofrüherkennungssystems nach § 317 Abs. 4 HGB" (Rz. 168 ff.).

 

Rz. 26

Weitere Prüfungsobjekte stellen die außerbuchhalterischen Bereiche dar, die mittelbar den Jahresabschluss und den Lagebericht berühren. Dazu gehören zunächst die Rechtsgrundlagen und die Rechtsbeziehungen des Unternehmens, sofern sie Bilanz- und Erfolgsposten betreffen und ihren Niederschlag im Rechnungswesen finden. Zu den Rechtsgrundlagen zählen etwa das Eigenkapital und die Rücklagen, zu den Rechtsbeziehungen z. B. Forderungen, Verbindlichkeiten und Rückstellungen. Der Umfang der Abschlussprüfung umfasst weiterhin die Kostenrechnung, die Einsicht in wesentliche Größen für Bilanzposten wie Erzeugnisbestände und aktivierbare innerbetriebliche Leistungen verschafft, sowie die Statistik zur Pauschalwertberichtigung auf Forderungen. Darüber hinaus besitzt die Prüfung des IKS vor allen Dingen dann besondere Bedeutung, wenn hieraus Erkenntnisse über die Qualität der Rechnungslegung des Unternehmens abgeleitet werden können, die dann wiederum Aufschlüsse über die Notwendigkeit weiterer (Einzel-)Prüfungsmaßnahmen ermöglichen. Details zu diesem Prüfungsobjekt finden sich u. a. im IDW Prüfungsstandard 261 n. F. "Feststellung und Beurteilung von Fehlerrisiken und Reaktionen des Abschlussprüfers auf die beurteilten Fehlerrisiken". Schließlich zählt die Unternehmensplanung zum Gebiet der außerbuchhalterischen Bereiche. In diesem Zusammenhang hat der Abschlussprüfer Prognoseinformationen, die vor allem im Rahmen des Lageberichts in qualitativer und q...

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