Private Pkw-Nutzung durch U... / 3.3.3 Fahrten zwischen Wohnung und Erster Betriebsstätte/Tätigkeitsstätte

Ermittelt der Unternehmer die private Nutzung nach der 1 %-Regelung, sind auch die Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Betriebsstätte pauschal mit monatlich 0,03 % des Bruttolistenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung für jeden Entfernungskilometer je Monat anzusetzen.

Von diesem Betrag sind die Aufwendungen, die ein Arbeiternehmer nach § 9 Abs. 2 EStG als Entfernungspauschale abziehen kann, zu mindern. Der übersteigende Betrag sind zwar Betriebsausgaben, aber nicht abziehbar, da ein Unternehmer dann höhere Kosten zum Abzug bringen könnte als ein Arbeitnehmer.

 

Praxis-Beispiel

Ermittlung Fahrten Wohnung –Erste Betriebsstätte

Der Unternehmer U fährt an 220 Tagen von seiner Wohnung zur ersten Betriebsstätte. Die einfache Entfernung für die Fahrt Wohnung – Erste Betriebsstätte beträgt 20 km. Die private Kfz-Nutzung wird mit der 1 %-Regelung ermittelt. Der Bruttolistenpreis beläuft sich auf 65.000 EUR.

Bruttolistenpreis 65.000 EUR × 0,03 % × Entfernungskilometer × 12 Monate

 
65.000 EUR × 0,03 % × 20 km × 12 Monate = 4.680 EUR
./. 220 Tage × 20 km × 0,30 EUR 1.320 EUR
= nicht abziehbare Betriebsausgaben 3.360 EUR

Ist die Entfernungspauschale höher als der für die Fahrten anzusetzende Nutzungsanteil, ergibt sich ein negativer Hinzurechnungsbetrag. Dieser negative Betrag kann nach Ansicht der Finanzverwaltung als fiktive Betriebsausgabe abgezogen werden.

 

Hinweis

Einzelbewertung der tatsächlich durchgeführten Fahrten

Arbeitnehmer können dem Zuschlag für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte teilweise vermeiden, wenn sie ihr Fahrzeug tatsächlich weniger als 15 Tage pro Monat für diese Fahrten genutzt haben. In solchen Fällen können sie stattdessen eine Einzelbewertung der Fahrten vornehmen, und zwar mit 0,002 % des Listenpreises je Entfernungskilometer und tatsächlicher Fahrt. Dies gilt jedoch nicht für Gewinnermittler. Für diese ist es nach Ansicht des BFH weder unverhältnismäßig noch unzumutbar, eine Fahrtenbuch zu führen, um die Nachteile der 0,03 %-Regelung zu vermeiden. Der Arbeitnehmer hat ab dem 1.1.2019 im Lohnsteuerabzugsverfahren gegenüber dem Arbeitgeber grundsätzlich einen Rechtsanspruch auf Anwendung der Einzelbewertung der tatsächlich durchgeführten Fahrten mit 0,002 % für maximal 180 Tage pro Jahr. Eine Begrenzung auf 15 Tage pro Monat ist nicht zulässig. Der Arbeitnehmer hat hierzu eine schriftliche Erklärung abzugeben, an welchen Tagen (mit Datumsangabe) das Fahrzeug tatsächlich für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt wurde. Diese Verpflichtung des Arbeitgebers besteht nur dann nicht, wenn sie ausdrücklich arbeitsvertraglich ausgeschlossen wurde.

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