Nutzungsdauer und AfA-Tabel... / 2.4 Nutzungsdauer bei immateriellen Wirtschaftsgütern

2.4.1 Allgemeine Hinweise

Immateriell sind die Wirtschaftsgüter (Vermögensgegenstände), die nicht durch unmittelbare Anschauung erfahrbar sind. Sie sind vor allem durch ihre fehlende "Körperlichkeit" gekennzeichnet und gelten als unsichere Werte. Handelsrechtlich eröffnet § 248 Abs. 2 Satz 1 HGB den Bilanzierenden ein Wahlrecht zur Aktivierung selbst erstellter immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens.

Steuerrechtlich sind sie als Anlagevermögen nur zu aktivieren, wenn sie durch einen entgeltlichen Erwerb ihre Bestätigung am Markt gefunden haben. Nur entgeltlich erworbene oder in ein Betriebsvermögen eingelegte immaterielle Anlagegüter sind steuerlich zu aktivieren. Wenn es sich dabei um abnutzbare Wirtschaftsgüter handelt, ist die AfA wie bei materiellen Wirtschaftsgütern nach Maßgabe ihrer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer vorzunehmen. Bei Ermittlung der Abschreibungsdauer immaterieller Wirtschaftsgüter muss dem Umstand Rechnung getragen werden, dass sich immaterielle Anlagewerte oft schnell verflüchtigen. So kann z. B. ein Patent aufgrund einer neuen Erfindung nutzlos werden. Die Abschreibung darf sich daher z. B. nicht nur an der Vertragsdauer oder gesetzlichen Schutzfristen orientieren, sie muss auch in verstärktem Maße der wirtschaftlichen Abnutzung Rechnung tragen. Die Nutzungsdauer muss folglich vorsichtig geschätzt werden. Ein Zeitraum von über 5 Jahren wird nur in begründeten Fällen in Betracht kommen.

Sehr praxisrelevante immaterielle Wirtschaftsgüter sind der Geschäfts- oder der Firmenwert und der Praxiswert.

2.4.2 Geschäfts- oder Firmenwert: Keine Schätzung möglich – Nutzungsdauer 10 Jahre

Kann in Ausnahmefällen die voraussichtliche Nutzungsdauer eines selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenstands des Anlagevermögens nicht verlässlich geschätzt werden, sind handelsrechtlich planmäßige Abschreibungen auf die Herstellungskosten über einen Zeitraum von 10 Jahren vorzunehmen. Diese Vorschrift findet auf einen entgeltlich erworbenen Geschäfts-oder Firmenwert entsprechende Anwendung. Handelsrechtlich ist eine Erläuterung des Zeitraums erforderlich, über den ein entgeltlich erworbener Geschäfts- oder Firmenwert abgeschrieben wird. Diese Regelungen sind verpflichtend anzuwenden für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2015 beginnen.

 

Achtung

Steuerrechtliche Regelung – 15 Jahre Nutzungsdauer

Für steuerliche Zwecke ist der derivative Geschäfts- oder Firmenwert linear über 15 Jahre abzuschreiben, sodass eine Diskrepanz zwischen Handels- und Steuerrecht besteht.

2.4.3 Praxiswert – Nutzungsdauer zwischen 3 und 5 Jahren

Unter dem Praxiswert versteht man den Mehrwert, den eine freiberufliche Praxis aufgrund der Gewinnaussichten über den Substanzwert des übrigen Betriebsvermögens hinaus hat. Der Praxiswert unterscheidet sich vom Geschäftswert durch seine besondere Personenbezogenheit. Der derivative Praxiswert muss mit seinen Anschaffungskosten aktiviert werden und kann dann nach der Rechtsprechung des BFH – je nach Sachlage – linear innerhalb von 3 bis 5 Jahren abgeschrieben werden.

Der BFH geht typisierend davon aus, dass die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer eines derivativ erworbenen sog. "Sozietätspraxiswerts" doppelt so lang ist wie die Nutzungsdauer des Werts einer erworbenen Einzelpraxis. Letztere beträgt zwischen 3 und 5 Jahren, sodass die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer eines Sozietätspraxiswerts auf einen Zeitraum von 6 bis 10 Jahre zu schätzen ist.

2.4.4 Nutzungsdauer weiterer immaterieller Wirtschaftsgüter

Einen Anhaltspunkt für die Abschreibung von weiteren immateriellen Wirtschaftsgütern geben die folgenden von der Steuerrechtsprechung entschiedenen bzw. im Schrifttum empfohlenen Nutzungsdauern:

 
Immaterieller Anlagewert Nutzungsdauer
Ablösesummen (Transferentschädigungen) für Bundesliga-Fußballspieler Laufzeit des Spieler-Arbeitsvertrags, bei Optionsklausel und Wahrscheinlichkeit der Verlängerung die um die Option verlängerte Vertragsdauer.

Abstandszahlungen

für vorzeitige Räumung eines Grundstücks
Zeitraum zwischen dem vereinbarten Räumungstermin und dem im ursprünglichen Pachtvertrag vereinbarten Ablauf des Pachtverhältnisses.
Abonnementsverträge von Zeitungsverlagen Durchschnittliche Vertragsdauer – im Streitfall 5 bis 6 Jahre –, wobei die wesentlich kürzere formelle Kündigungsmöglichkeit unmaßgeblich ist.
Archiv einer Handels- und Kreditauskunftei 5 Jahre.
Arzneimittelzulassungen Werden von der Finanzverwaltung als abnutzbare Wirtschaftsgüter mit einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von 15 Jahren anerkannt, es sei denn, der Steuerpflichtige weist eine kürzere Nutzungsdauer nach.,
Belieferungsrechte Vertragliche Laufzeit des Rechts.,
Gebrauchs- und Geschmacksmuster Längstens 5 Jahre.
Güterfernverkehrsgenehmigungen Sind nicht abnutzbar.,
Internet-Domain Die Aufwendungen für den Kauf eines Domain-Namens ("Internet-Adresse") sind als Anschaffungskosten für ein i. d. R. nicht abnutzbares immaterielles Wirtschaftsgut des Anlagevermögens zu beurteilen; das gilt jedenfalls für einen Domain-Namen, dessen Bekanntheitsgrad von werterhaltenden Maßnahmen und vom Zeitgeist unabhängig ist (sog. "generic Domain").
Know-how – technisches Spezialwissen 3 bis 5 Jahre.
Lizenzen 3 bis 5 Jahre.
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