Nichtfinanzielle Erklärung / 3.2 Konkretisierung durch die Leitlinien der Europäischen Kommission
 

Rz. 12

Bereits im Rahmen der CSR-Richtlinie war vorgesehen, dass die Europäische Kommission den von der neuen Berichtspflicht betroffenen Unternehmen unverbindliche Leitlinien zur Verfügung stellt, um ihnen die Angabe nichtfinanzieller Informationen zu erleichtern. Die Publikation der Leitlinien erfolgte Mitte 2017. Im Rahmen der veröffentlichten Leitlinien ermutigt der europäische Richtliniengeber die Unternehmen ausdrücklich, die ihnen durch die Richtlinie gewährte Flexibilität zu nutzen, um die Entwicklung innovativer Berichterstattungslösungen zu fördern. Insofern handelt es sich bei dieser Orientierungshilfe weder um eine neue rechtliche Verpflichtung noch um einen technischen Standard. Damit die Leitlinien dem Ziel der Europäischen Kommission gerecht werden, eine prinzipiengeleitete Anwendungshilfe bereitzustellen, welche von den Unternehmen für die Offenlegung relevanter, zweckdienlicher und vergleichbarer nichtfinanzieller Informationen zugrunde gelegt werden kann, wurde in diesem Zusammenhang auf bewährte Verfahren, einschlägige Entwicklungen sowie die Ergebnisse anderer in diesem Bereich auf internationaler Ebene ergriffener Initiativen einbezogen.

 

Rz. 13

In Bezug auf die Offenlegung wesentlicher Informationen empfiehlt die Europäische Kommission den Unternehmen, diese kontextbezogen zu bewerten. Dabei sollten vor allem konkreten Situationen und sektor- bzw. branchenspezifische Umstände berücksichtigt werden. Zur Bewertung der Wesentlichkeit nichtfinanzieller Belange können laut den Leitlinien beispielsweise folgende Faktoren einbezogen werden:

  • Geschäftsmodell, Strategie und wesentliche Risiken,
  • wichtige sektorspezifische Aspekte,
  • Interessen und Erwartungen relevanter Interessenträger,
  • Auswirkung der Tätigkeiten,
  • politische und regulatorische Einflussfaktoren.

Um die Wesentlichkeit der offengelegten Aspekte stets zu gewährleisten, sollten darüber hinaus die dazugehörigen Wesentlichkeitsprüfungen regelmäßig überprüft und vor allem im Kontext besonders dynamischer und innovativer Branchen entsprechend angepasst werden.

 

Rz. 14

Damit die in der nichtfinanziellen Erklärung dargelegten Aspekte als den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend, ausgewogen und verständlich anzusehen sind, ist grundsätzlich dem Informationsbedarf der relevanten Interessenträger Rechnung zu tragen. Daher sollen einerseits die Berichtsadressaten nicht durch wesentliche Falschdarstellungen irregeführt und andererseits Tatsachen deutlich von Meinungen und Interpretationen abgegrenzt werden. Die Europäische Kommission nennt in diesem Zusammenhang beispielsweise folgende Maßnahmen, welche dazu beitragen können, die offengelegten CSR-Angaben möglichst korrekt zu gestalten:

  • geeignete Regelungen im Bereich der Unternehmensführung,
  • robuste und zuverlässige Nachweise sowie interne Kontroll- und Berichtssysteme,
  • die wirksame Einbeziehung sämtlicher Interessenträger,
  • eine unabhängige externe Prüfung.

Des Weiteren wird empfohlen, wesentliche nichtfinanzielle Aspekte in einem entsprechenden Zusammenhang darzulegen sowie textliche Beschreibungen, quantitative Informationen und unterstützende visuelle Darstellungen miteinander zu verknüpfen, um sowohl eine leichtere Verständlichkeit als auch eine erhöhte Transparenz zu ermöglichen.

 

Rz. 15

Für eine umfassende, aber prägnante Offenlegung der wesentlichen Informationen hängt die erforderliche Informationstiefe laut den Leitlinien davon ab, in welchem Maß der betreffende Sachverhalt als wesentlich eingestuft wird. Die nichtfinanziellen Belange sollen von den Unternehmen lediglich in dem Umfang formuliert werden, als dass diese den Interessenträgern tatsächlich helfen, den Geschäftsverlauf, das Geschäftsergebnis, die Lage des Unternehmens und die Auswirkungen seiner Tätigkeiten nachzuvollziehen. Damit soll die nichtfinanzielle Erklärung möglichst kurz und prägnant gehalten werden, um die Angabe unwesentlicher Informationen zu verhindern und somit die Verständlichkeit nicht negativ zu beeinträchtigen. Diesbezüglich sollen allgemeine oder standardisierte Äußerungen ohne wesentlichen Informationsgehalt ausdrücklich vermieden werden.

 

Rz. 16

Im Hinblick auf strategische und zukunftsorientierte Informationen sollen die dargelegten nichtfinanziellen Aspekte den strategischen Ansatz des Unternehmens verdeutlichen und darüber hinaus vermitteln, welche Tätigkeit das Unternehmen ausübt, wie es dabei grundsätzlich vorgeht und welchen Zweck es damit verfolgt. Dies schließt nach Meinung der Europäischen Kommission jedoch eine angemessene Berücksichtigung sensibler Geschäftsinformationen ausdrücklich nicht aus. Vielmehr können die Unternehmen durch die Angabe von entsprechenden Zielen, Referenzwerten sowie Verpflichtungen den Investoren und anderen Berichtsadressaten dabei helfen, die Geschäftsergebnisse in einem Kontext einzuordnen.

 

Rz. 17

Im Rahmen der Ausrichtung auf die Interessenträger wird seitens des europäischen Gesetzgebers erwartet, dass die Unternehmen ihren Fokus auf den Informationsbedarf der Interesse...

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