Lohnsteuer-Pauschalierung a... / 2.3.2 Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Zuschüsse des Arbeitgebers, die dieser zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn zu den Aufwendungen des Arbeitnehmers für Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Linienverkehr leistet, sind lohnsteuerpflichtig.

Anstelle des Lohnsteuerabzugs nach den ELStAM besteht die Möglichkeit, die Lohnsteuer mit 15 % pauschal zu erheben, auch für den Fall, dass der Arbeitnehmer für die Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte öffentliche Verkehrsmittel benutzt. Auch bei öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Lohnsteuer-Pauschalierung von Fahrtkostenzuschüssen des Arbeitgebers für die Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte an den Umfang der abzugsfähigen Fahrtkosten geknüpft. Hier dürfen die tatsächlichen Aufwendungen in voller Höhe als Werbungskosten abgezogen werden. Dadurch ergibt sich ein höheres Pauschalierungsvolumen für Fahrtkostenzuschüsse, wenn die Kosten für die Fahrausweise über dem Betrag liegen, der sich nach den Regeln der Entfernungspauschale für diese Fahrten errechnet. Im umgekehrten Fall, wenn die tatsächlichen Kosten niedriger sind als die Entfernungspauschale, war schon bisher die Lohnsteuer-Pauschalierung auf die Kosten der Fahrausweise begrenzt. Damit ist bei den sog. Job-Tickets die Pauschalbesteuerung in allen Fällen bis zur Höhe der tatsächlichen Fahrtkosten zulässig.

 

Praxis-Beispiel

Lohnsteuer-Pauschalierung Fahrten Wohnung – erste Tätigkeitsstätte

Ein in Freiburg Ansässiger ersetzt seinen 2 Beschäftigten die Monatskarte i. H. v. 48 EUR für die öffentlichen Verkehrsmittel. Bei Arbeitnehmer A beträgt die für die Entfernungspauschale maßgebende Straßenverbindung 10 km. Arbeitnehmer B hat eine arbeitstägliche Entfernung von 25 km. Arbeitnehmer C benutzt für seine arbeitstäglichen Fahrten zum Arbeitgeber (kürzest benutzbare Straßenverbindung 30 km) seinen eigenen Pkw. Der Fahrtkostenersatz beträgt 0,30 EUR pro Entfernungskilometer, also arbeitstäglich 9 EUR.

Geldleistungen des Arbeitgebers für die Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte sind in vollem Umfang lohnsteuerpflichtig. Der Pauschalierungsumfang bestimmt sich bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel allein nach den hierfür angefallenen Aufwendungen. Der Arbeitgeber kann deshalb die für die beiden Arbeitnehmer übernommenen Kosten für die Monatsfahrscheine in voller Höhe mit 15 % pauschal versteuern. Auf die unterschiedlichen Entfernungen zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte kommt es bei der Pauschalbesteuerung von Fahrtkostenzuschüssen für öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr an. Beim Arbeitnehmer C mit eigenem Pkw bestimmt sich die Pauschalierungsmöglichkeit ausschließlich nach den Regeln der Entfernungspauschale. Bei 20 Arbeitstagen ergibt sich ein pauschalierungsfähiger Fahrtkostenzuschuss von 180 EUR (= 30 km × 0,30 EUR × 20 Tage).

Das Beispiel macht deutlich, dass sich der Pauschalierungsumfang bei öffentlichen Verkehrsmitteln nach den tatsächlichen Kosten bestimmt. Knüpft der Arbeitgeber seinen Erstattungsbetrag an die tatsächlichen Aufwendungen des Beschäftigten, fällt die Besteuerung immer gleich aus, unabhängig davon, wie weit dessen Wohnung vom Arbeitgeber entfernt liegt. Zum Nachweis hat der Arbeitgeber die Fahrausweise des Arbeitnehmers als Beleg zum Lohnkonto zu nehmen. Bei Fahrtkostenzuschüssen zu Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte mit dem eigenen Pkw berechnet sich die Pauschalierungsobergrenze dagegen weiterhin ausschließlich nach den Regeln der Entfernungspauschale und damit in Abhängigkeit von der Gesamtstrecke Wohnung – Tätigkeitsstätte.

 

Wichtig

Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung

Entscheidet sich der Arbeitgeber im Rahmen der betragsmäßigen Grenzen für die Lohnsteuer-Pauschalierung, sind die steuerpflichtigen Job-Tickets insoweit bei der Entgeltabrechnung auch sozialabgabenfrei. Voraussetzung für die Pauschalbesteuerung ist, dass die Zuschüsse und geldwerten Vorteile zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht werden. Die Fälle der Barlohnumwandlung sind nicht begünstigt. Pauschalbesteuerte Bezüge, die der Arbeitgeber zusätzlich zu den Löhnen und Gehältern erbringt, sind nach der Arbeitsentgeltverordnung nicht dem Arbeitsentgelt hinzuzurechnen, sodass weder Arbeitgeber- noch Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung anfallen. Zulässig ist aber, dass die pauschale Lohnsteuer im Innenverhältnis durch arbeitsrechtliche Vereinbarung auf den Arbeitnehmer abgewälzt wird, indem sie bei der monatlichen Lohnabrechnung vom Auszahlungsbetrag der Nettobezüge einbehalten wird.

Pauschalbesteuerte Leistungen des Arbeitgebers sind auf die für Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstätte abzugsfähige Entfernungspauschale anzurechnen. Die Anrechnung umfasst auch pauschalbesteuerte Arbeitgeberleistungen im Zusammenhang mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

 

Wichtig

Bescheinigungspflicht für pauschalbesteuerte Leistungen

Damit das Finanzamt bei der Einkommensteuerveranlagung die Anrechnung der pauschalbesteuerten Arbeitgeberleistungen auf die Entfernung...

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