Lagerhaltungskosten / 4 Bessere Disposition durch Einsatz von Vendor Managed Inventory (VMI)

Eine weitere Möglichkeit die Lagerhaltungskosten zu reduzieren, besteht im Einsatz von Vendor Managed Inventory (VMI), übersetzt "vom Lieferanten verwaltetes Bestandslager". VMI ist ein Konzept des Efficient Replenishment, was übersetzt so viel bedeutet wie "kontinuierlicher Warennachschub". Das Ziel ist es, mithilfe eines automatischen Bestellwesens beim Warenfluss Zeit und Kosten zu reduzieren. Der Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien wie Barcoding, WebEDI, Scanning und RFID (Radio-Frequency-Identification) ist Voraussetzung für die schnelle Übemittlung der Daten entlang der Supply Chain zwischen Hersteller, Lieferant und Kunde.

Efficient Replenishment ist wiederum Bestandteil des Efficient Consumer Response (ECR), übersetzt etwa "effiziente Reaktion auf die Kundennachfrage". Die ECR-Logistik verfolgt das Ziel, Waren- und Informationsflüsse im gesamten Distributionssystem durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Hersteller und den einzelnen Handelsstufen zu optimieren. Dabei steht eine ganzheitliche Betrachtung im Vordergrund, von der Herstellung des Produkts bis zur Auslieferung.

 

Praxis-Beispiel

Etablierung in der Praxis

Vendor Managed Inventory hat sich in der Praxis bereits etabliert. So übernimmt beispielsweise der Kosmetikhersteller L'Oreal die komplette Disposition, Planung und Nachlieferung seiner Produkte bei der Drogeriemarktkette "dm".

Im Gegensatz zum herkömmlichen dezentralen Bezugssystem (Pull-Prinzip), bei dem der Abnehmer selbst beim Lieferanten bestellt und auf termingerechte Lieferung hofft, werden beim VMI dem Lieferanten ständig Informationen über den Lagerbestand des Abnehmers übermittelt. Der Lieferant beurteilt die Daten und er entscheidet bei diesem Push-System über Menge und Zeitpunkt der Lieferung.

Der Lieferant muss allerdings sicherstellen, dass beim Kunden (verarbeitendes Unternehmen, Händler etc.) die Lager (Verkaufsregale) ständig aufgefüllt sind und dass es keine Lieferengpässe oder Fehlmengen gibt. Der Lieferant hat aufgrund des ständigen Datenaustauschs stets Zugriff auf die Verkaufsdaten und aktuellen Lagerbestände des Kunden. Nur so kann er rechtzeitig agieren und disponieren bzw. nachliefern.

 

Hinweis

Co-VMI: Sonderform bzw. Vorstufe des VMI

Eine Sonderform bzw. Vorstufe des VMI stellt das Co-VMI dar. Hierbei übermittelt der Lieferant Bestellvorschläge bzw. Dispositionsvorschläge an den Kunden (verarbeitendes Unternehmen, Händler). Der Kunde entscheidet dann, ob er die Bestellvorschläge annimmt oder verändert. Wenn das Co-VMI erfolgreich ist, dann kann daraus ein VMI-Konzept entstehen.

4.1 VMI: Voraussetzungen und Ablauf

Voraussetzung für einen reibungslosen Ablauf des VMI-Prozesses ist ein leistungsstarkes IT-System in Verbindung mit einem EDI-System (Electronic Data Interchange). Es muss außerdem rund um die Uhr eine lückenlose Datenübermittlung gewährleistet sein. Je standardisierter die Produkte, desto einfacher gestaltet sich der VMI-Prozess. So wird VMI in den USA bspw. nicht nur im Handel, sondern auch in der Automobilindustrie erfolgreich eingesetzt, da dort standardisierte Fahrzeuge gebaut werden.

Der VMI-Prozess lässt sich in 6 Schritte unterteilen:

Schritt 1: Übermittlung der Informationen

Grundlage für den Einsatz von VMI ist ein gültiger Rahmenvertrag zwischen Lieferant und Abnehmer. Um die Informationen über die Lagerbestände, geplante verkaufsfördernde Maßnahmen oder Veränderungen im Absatzprogramm an den Lieferanten zu übermitteln, muss eine elektronische Schnittstelle hergestellt werden. Durch diese elektronische Schnittstelle werden die Aufträge übermittelt und Lagerbestände sowie Bestandsveränderungen können eingesehen werden.

Schritt 2: Verarbeitung der Informationen

Die übermittelten Informationen bilden nun die Grundlage für die Verarbeitung im Datenverarbeitungssystem des Lieferanten. Es werden Prognosen und Zusammenhänge erstellt und durch die stetige Übermittlung der Daten ist Übersichtlichkeit und Aktualität gegeben.

Schritt 3: Automatisierter Bestellvorgang

Fällt z. B. die Bestandsmenge der verwalteten Lagermenge oder Regalmenge unter den vom Lieferanten aufgrund von Erfahrungswerten festgelegten Mindestbestand, so wird, meist automatisiert, eine Bestellung im Auftragserfassungssystem des Abnehmers generiert. Sowohl der Lieferant als auch der Kundekönnen dabei die ausgelösten Bestellungen überwachen und auf Liefermenge und Lieferzeiten überprüfen.

Schritt 4: Kommissionierung der Ware

Die auf dem Wege der elektronischen Auftragsbearbeitung bestellte Ware wird nun vom Lieferanten kommissioniert und dem Transportdienstleister zum Transport an den Abnehmer übergeben.

Schritt 5: Warenlieferung

Die bestellte Ware wird durch den Transportdienstleister beim Abnehmer angeliefert und im Lager/Regal bevorratet.

Schritt 6. Rechnungserstellung

Aufgrund des Warenausgangs beim Lieferanten wird die Rechnung erstellt und verschickt. Auch dies geschieht in den meisten Fällen bereits automatisiert.

Abb. 2 zeigt den Ablauf der lieferantengestützten Lagerdisposition mittels Vendor Manage...

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