Lagebericht

Zusammenfassung

 

Begriff

Der Lagebericht ist ein nach HGB vorgeschriebener eigenständiger Bestandteil der Rechnungslegung, der parallel zum Jahresabschluss aufzustellen ist. Er dient dem Ziel einer umfassenden Gesamtdarstellung des Unternehmens, indem sowohl auf Geschäftsverlauf, Geschäftsergebnis und Lage der Gesellschaft als auch auf Zukunftsaussichten in Form von Prognosen einschließlich der Chancen und Risiken analysierend und kommentierend eingegangen wird.

 

1 Grundlagen nach HGB und IFRS

Der Lagebericht ist Bestandteil der jährlichen Rechnungslegung von Unternehmen, jedoch nicht als Teil des Jahresabschlusses, sondern als ein zusätzliches Berichtsinstrument, das den Jahresabschluss ergänzt. Gesetzliche Grundlagen für den Lagebericht von Einzelunternehmen bildet hinsichtlich des Inhalts § 289 HGB und bezüglich der Aufstellungspflichten § 264 HGB. Für den Konzernlagebericht gilt § 315 HGB für den Inhalt und § 290 HGB für die Aufstellung. Die jüngste inhaltliche Gesetzesänderung erfolgte mit dem Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten: Hierdurch wurden die Berichtspflichten dahingehend erweitert, dass der Lagebericht nunmehr eine "nichtfinanzielle Erklärung" enthalten muss, sofern diese Angaben – wahlweise – nicht in einem gesonderten Bericht gemacht werden.

Im Rahmen der Konzernlageberichterstattung existieren mit DRS 20 ausführliche Konkretisierungen der gesetzlichen Vorschriften. Die IFRS schreiben keine verpflichtende Aufstellung eines Lageberichts bzw. eines vergleichbaren Berichtsinstruments vor. Einzelne Informationen, die nach HGB innerhalb des Lageberichts zu berichten sind, unterliegen jedoch nach IFRS Angabepflichten innerhalb des IFRS-Jahresabschlusses selbst.

IAS 1.13 weist allerdings darauf hin, dass viele Unternehmen neben dem Abschluss einen Bericht über die Unternehmenslage (financial review by management) veröffentlichen, der die wesentlichen Merkmale der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens sowie die wichtigsten Unsicherheiten, denen sich das Unternehmen gegenübersieht, beschreibt und erläutert.

Daneben wurde durch die Veröffentlichung des IFRS Practice Statement im Jahr 2010 eine unverbindliche Anwendungsleitlinie für ein den Jahresabschluss ergänzendes Berichtsinstrument geschaffen, über dessen Umsetzung und verpflichtende Anwendung auf nationaler Ebene die jeweiligen Gesetzgeber oder Börsenaufsichten zu entscheiden haben. Die Veröffentlichung in Form eines Practice Statement und nicht als Rechnungslegungsstandard soll somit Konflikte mit nach nationalem Recht bereits etablierten Berichtsinstrumenten vermeiden, aber dennoch den Bedarf nach Leitlinien im Hinblick auf die Berichterstattung über zusätzliche, die Jahresabschlussangaben erläuternde, ergänzende und analysierende Informationen decken.

Dem deutschen Handelsrecht unterliegende Unternehmen, die auf Konzernebene zur Aufstellung eines IFRS-Abschlusses verpflichtet sind oder auch freiwillig einen IFRS-Konzernabschluss aufstellen, müssen folglich dennoch einen HGB-Konzernlagebericht aufstellen und veröffentlichen. Das Gleiche gilt für Unternehmen, die für Offenlegungszwecke einen IFRS-Einzelabschluss verwenden: Auch hier besteht für den HGB-Lagebericht eine Aufstellungs- und Veröffentlichungspflicht. In diesen Fällen muss der Lagebericht ergänzend auch auf wesentliche Ergebnisse des IFRS-Abschlusses eingehen.

Die weiteren Ausführungen befassen sich ausschließlich mit dem Lagebericht nach deutschem Handelsrecht.

2 Zweck und Funktion des Lageberichts

Trotz der formellen Trennung von Jahresabschluss und Lagebericht gemäß § 264 Abs. 1 HGB sind beide nicht voneinander unabhängig: Auch für den Lagebericht gilt die Generalnorm, wonach "ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild" zu vermitteln ist. Für den Jahresabschluss bezieht sich dies explizit auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, für den Lagebericht auf den Geschäftsverlauf (einschließlich des Geschäftsergebnisses) und die Lage der Gesellschaft. Im Unterschied zum Jahresabschluss enthält die Generalnorm des § 289 HGB keine Bezugnahme auf die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung. Hierdurch soll dem Lagebericht im Hinblick auf dessen Hauptzweck der Informationsvermittlung die Möglichkeit einer umfassenderen Gesamtdarstellung der Lage eröffnet werden, womit auf die GoB zurückzuführende Informationshemmnisse (insbesondere aufgrund des Vorsichtsprinzips) überwunden werden sollen.

In seiner Konzeption als Berichterstattungsinstrument verfolgt der Lagebericht also neben der Rechenschaftsfunktion eine darüber hinausgehende Informationsfunktion, weil es dem Adressaten allein durch den Jahresabschluss nur begrenzt ermöglicht wird, die tatsächliche Lage der Gesellschaft zu erkennen.

Erreicht wird dies insbesondere durch die Ergänzungs- und Erläuterungsfunktion des Lageberichts, da der Jahresabschluss...

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