3.1 Vorteile für Kleinunternehmer

Kleinunternehmer haben mit ihren nicht der Umsatzsteuer unterliegenden Umsätzen einen deutlich geringeren bürokratischen Aufwand. Sie

  • brauchen keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen abzugeben und
  • brauchen außerdem in ihrer Buchführung nicht zwischen Brutto- und Nettobeträgen zu unterscheiden.

Eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung muss der Kleinunternehmer trotzdem abgeben. Unter "B. Angaben zur Besteuerung der Kleinunternehmer (§ 19 Abs. 1 UStG)", Zeile 33 und 34 des Formulars, muss der Unternehmer seine Umsätze des Vorjahres und des aktuellen Jahres eintragen, damit das Finanzamt die Überschreitung der Grenze von 17.500 EUR (ab 2020: 22.000 EUR) prüfen kann. Weitere Angaben sind vom Unternehmer in der Erklärung nicht vorzunehmen.

Die Befreiung, Umsatzsteuer auf Ausgangsleistungen als Kleinunternehmer nicht erheben zu müssen, ist besonders vorteilhaft, wenn der Unternehmer eine selbstständige, nebenberufliche Tätigkeit ausübt. Das gilt insbesondere dann, wenn es sich um eine umsatzsteuerpflichtige Nebentätigkeit handelt, die neben einer umsatzsteuerfreien Tätigkeit ausgeübt wird, wie z. B. bei einem Arzt, der neben seinen steuerfreien Umsätzen aus der Heilbehandlung eine umsatzsteuerpflichtige Gutachtertätigkeit ausübt.[1]

Die Nichterhebung der Umsatzsteuer bringt dem Unternehmer wirtschaftliche Vorteile, wenn er seine Leistungen überwiegend gegenüber privaten Kunden erbringt. Für den privaten Endkunden spielt allein der Endpreis eine Rolle. Unabhängig davon, ob darin Umsatzsteuer enthalten ist oder nicht, ist sein Aufwand derselbe. Wie das nachfolgende Beispiel zeigt, erzielt der Unternehmer per Saldo einen höheren Gewinn. Er kann seine Leistung auch zu einem niedrigeren Preis anbieten, ohne gegenüber umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen benachteiligt zu sein.

 
Praxis-Beispiel

Vergleichsrechnung: Kleinunternehmer/normale Umsatzbesteuerung

Kleinunternehmer Braun kauft Waren für 357 EUR ein. In dem Einkaufspreis ist die Umsatzsteuer von 57 EUR enthalten. Er verkauft die Ware anschließend für 714 EUR. Das Ergebnis sieht wie folgt aus:

 
  Kleinunternehmer normale Umsatzbesteuerung

Veräußerungserlös

abzüglich Umsatzsteuer

714 EUR

0 EUR

714 EUR

114 EUR
Nettoerlös 714 EUR 600 EUR

Wareneinkauf

– brutto ohne Vorsteuerabzug

– nach Vorsteuerabzug

357 EUR

---

---

300 EUR
Rohertrag 357 EUR 300 EUR

Der Kunde zahlt in beiden Fällen denselben Preis. Als Kleinunternehmer hat Herr Braun aber einen um 57 EUR höheren Rohertrag und zahlt keine Umsatzsteuer ans Finanzamt.

 
  Kleinunternehmer normale Umsatzbesteuerung

Umsatzsteuer aus Verkauf

Vorsteuer aus Einkauf

0 EUR

0 EUR

114 EUR

57 EUR
Zahlung ans Finanzamt 0 EUR 57 EUR

Ein Kunde, der Unternehmer ist, erwartet eine Rechnung mit gesondertem Ausweis der Umsatzsteuer, weil er die gesondert ausgewiesene Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen kann. Der Unternehmer, der die Leistung erhält, ist wirtschaftlich nur in Höhe des Nettobetrags belastet.

Kleinunternehmer dürfen keine Umsatzsteuer ausweisen. Verlangt der Unternehmerkunde (was bei einer entsprechenden Konkurrenzsituation wahrscheinlich ist), dass der Kleinunternehmer seinen Endpreis auf den Nettopreis ohne Umsatzsteuer reduziert, verschlechtert sich seine Ertragssituation deutlich (im Beispiel: 714 EUR – 114 EUR USt = 600 EUR netto – 357 EUR Einkauf = 243 EUR).

 
Praxis-Tipp

Nachteile der Kleinunternehmerregelung prüfen

Unternehmer sollten vorweg immer prüfen, ob sich die Kleinunternehmerregelung zum Nachteil auswirkt. In diesem Fall können Unternehmer freiwillig auf die Steuerfreiheit verzichten und ihre Umsätze normal der Umsatzsteuer unterwerfen. An diese Wahl sind Unternehmer dann für insgesamt 5 Jahre gebunden.

3.2 Nachteile für Kleinunternehmer: Gründe für die Option zu Umsatzsteuer

Unternehmer sollten auf die Kleinunternehmerregelung verzichten und zur Umsatzsteuer optieren, wenn

  • ihre Kunden hauptsächlich Unternehmer sind, die ihnen in Rechnung gestellte Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen können und/oder
  • sie größere Investitionen durchführen und sich aufgrund dessen höhere Vorsteuerguthaben ergeben. Wer als Kleinunternehmer seine Umsätze nicht der Umsatzsteuer unterwirft, darf die Vorsteuer nicht abziehen.

Ergebnis: Die Kleinunternehmerregelung (ohne Umsatzsteuer und Vorsteuer) ist vorteilhaft, wenn der Unternehmer

  • eine selbstständige Nebentätigkeit mit relativ geringen Umsätzen ausübt,
  • vorwiegend Privatkunden hat, bei denen sich die Umsatzsteuer nicht auswirkt und
  • keine höheren Investitionen durchführt, die zu Vorsteuerguthaben führen.

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