Kennzahlen: Fallstudien zur Jahresabschlussanalyse

Zusammenfassung

 
Überblick

Die Jahresabschlussanalyse ist das Instrument zur Beurteilung der wirtschaftlichen und finanziellen Lage und Entwicklung von Unternehmen.

Um nach den richtigen Kennzahlen zu suchen, muss man den Investmentprozess verstehen. Es geht in jedem Investment um Rendite und Risiko. Folglich braucht es zu diesen 2 Themen Kennzahlen.

Anhand von 4 Branchenfallstudien (Einzelhandelskette, Anlagenbauer, Konsumgüterproduzent, Softwarehaus) werden Berechnung und Interpretation der wichtigsten Kennzahlen erläutert.

1 4 Fallstudien aus unterschiedlichen Branchen

Unter den Begriff "Jahresabschlussanalyse" fasst man alle Verfahren der Informationsgewinnung und Informationsverdichtung aus Jahresabschlüssen zusammen, die dazu dienen, die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens darzustellen und zu interpretieren. Mithilfe von Zahlen aus der Vergangenheit und ergänzenden Informationen aus dem Anhang wird die bisherige Entwicklung des Unternehmens transparent gemacht. Auf Grundlage dieser bisherigen Trends der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage wird die künftige Entwicklung prognostiziert.

Fallstudien aus 4 Branchen

Die Formeln für die Berechnung der wichtigsten Kennzahlen können Abb. 12 am Ende dieses Beitrages entnommen werden. Dieser Artikel hat das Ziel, die praktische Anwendung der Jahresabschlussanalyse anhand von 4 Unternehmen zu demonstrieren. Abb. 1 zeigt die Bilanz, Abb. 2 die Gewinn- und Verlustrechnung dieser 4 Unternehmen unterschiedlicher Branchen:

  • Einzelhandelskette (Supermärkte),
  • Anlagenbauer (Projektfertigung),
  • Konsumgüterproduzent (z. B. Waschmittel),
  • Softwareunternehmen.
 
BILANZ (in Mio.) Einzelhandelskette Anlagenbauer Konsumgüterproduzent Softwareunternehmen
         
Immaterielles AV 0,00 8,00 7,00 31,00
Sach-AV 53,50 16,60 19,00 12,80
Finanz-AV 0,00 0,00 3,00 32,00
Summe AV 53,50 24,60 29,00 75,80
Rohmaterial 0,50 4,60 2,60 1,20
Halbfertige Produkte 0,00 39,00 4,70 2,70
Fertigwaren 38,00 6,90 29,00 4,60
Forderungen LL 1,90 20,70 33,20 7,70
Liquide Mittel 6,10 4,20 1,50 8,00
Summe UV 46,50 75,40 71,00 24,20
AKTIVA 100,00 100,00 100,00 100,00
         
Eigenkapital 28,30 28,60 32,40 63,10
Langfristige Verbindlichkeiten 33,30 45,80 32,00 24,70
Verbindlichkeiten LL 28,40 5,00 22,00 10,80
Sonstige kurzfristige Verbindlichkeiten 10,00 20,60 13,60 1,40
Fremdkapital 71,70 71,40 67,60 36,90
PASSIVA 100,00 100,00 100,00 100,00

Abb. 1: Bilanz der 4 untersuchten Unternehmen

 
GEWINN- UND VERLUSTRECHNUNG (in Mio.) Einzelhandelskette Anlagenbauer Konsumgüterproduzent Softwareunternehmen
         
Umsatzerlöse 1.070,00 180,00 440,00 300,00
Material-AW; Wareneinsatz –769,70 –53,50 –162,80 –27,00
Personalaufwand –134,00 –101,00 –106,60 –150,00
Abschreibungen –4,50 –4,20 –4,20 –4,30
Marktingaufwand –150,00 –3,00 –152,70 –90,00
Betriebsergebnis (BE) 11,80 18,30 13,70 28,70
Finanzerträge 0,00 0,00 0,45 6,40
Zinsaufwand –5,20 –5,84 –4,10 –2,35
Finanzergebnis -5,20 -5,84 -3,65 4,05
Steuern –1,65 –3,11 –2,51 –8,19
Jahresüberschuss 4,95 9,34 7,53 24,56
         
EBITDA (= BE + Abschreibungen) 16,30 22,50 18,35 39,40
EBIT (= BE + Finanzerträge) 11,80 18,30 14,15 35,10
         
Zusatzinformationen        
Mitarbeiter 4.000 1.500 2.200 1.500
Investitionen (in Mio. EUR) 3,5 4,0 11,8 8,0
Durchschnittlicher FK-Zinssatz 12,0 % 8,8 % 9,0 % 9,0 %
Ertragsteuersatz 25 % 25 % 25 % 25 %
Umsatzsteuersatz 19 % 19 % 19 % 19 %

Abb. 2: GuV der 4 untersuchten Unternehmen

Normierung zu Vergleichszwecken

Die 4 Unternehmen sind zu Vergleichszwecken so normiert worden, dass die Bilanzsumme jeweils 100 Millionen beträgt. Es handelt sich also um große Konzerne. Natürlich funktioniert die Analyse genau so gut mit Unternehmen, die eine Bilanzsumme von 100.000 oder einer Million haben. Die Zahlen sind durch die Normierung auf 100 Millionen allerdings leichter tabellarisch darstellbar. Das Zahlenwerk ist von existierenden Unternehmen dieser Branchen inspiriert, jedoch werden keine echten Abschlusszahlen verwendet.

Who is who?

Die Branchenzugehörigkeit hat wesentlichen Einfluss auf die Struktur des Jahresabschlusses. Versuchen Sie, den Tabellenkopf abzudecken und zu erraten, welche Spalte zu welchem Unternehmen gehört. Es wird ihnen sicherlich gelingen! Aus der Verteilung der Vermögenspositionen sowie aus der Struktur der Gewinn- und Verlustrechnung lassen sich Indizien für diese Zuordnung ableiten.

1.1 Einzelhandelskette

Typisch für ein Handelsunternehmen ist das Fehlen von Halbfabrikaten, auch Rohmaterialien sind kaum zu finden. Die Forderungen sind außerordentlich gering, Kunden zahlen entweder bar oder über Kredit- oder Debitkarten (und in diesen Fällen mit außerordentlich kurzen Fristen). Bei den Aufwendungen dominiert der Wareneinsatz, auch der Marketingaufwand ist hoch.

1.2 Anlagenbauer

Projektorientierte Fertigung mit langen Durchlaufzeiten zeichnet sich durch einen hohen Anteil an halbfertigen Produkten (unfertigen Aufträgen) aus. Der Forderungsbestand ist hoch, einerseits wegen langer Zahlungsziele, andererseits weil in diesem Geschäft Reklamationen (und damit Zahlungsverzögerungen) häufiger sind als in anderen Branchen....

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