Zusammenfassung

 
Begriff

Eigenkapital ist das Reinvermögen eines Unternehmens und damit das eingesetzte Kapital zu Buchwerten. In der Bilanz ergibt sich die Position Eigenkapital aus der Differenz zwischen dem Vermögen (Aktiva – positiven Vermögensgegenständen) und den Schulden (Passiva – negativen Vermögensgegenständen). Zum Unterschiedsbetrag zwischen Vermögen und Schulden wird als Saldo das Eigenkapital hinzugesetzt. Damit sind beide Bilanzseiten immer betragsmäßig ausgeglichen.

Das Eigenkapital ist eine Quasi-Verbindlichkeit des Unternehmens gegenüber dem Unternehmer (Einzelunternehmer, Personen- und Kapitalgesellschaft).

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Vorschriften zum Kapital sind in §§ 241a, 242, 247 u. 252 HGB; §§ 4 u. 5 EStG; R 4.1 EStR zu finden.

1 Eigenkapital ist von Bedeutung

Das Eigenkapital besteht aus

  • Finanzmitteln, die der Unternehmer dem Unternehmen zur Verfügung stellt oder
  • erwirtschafteten Gewinnen, die nicht entnommen, sondern zur Stärkung der Eigenkapitalbasis (Selbstfinanzierung) im Unternehmen belassen werden.

Im Kapitalkonto wird das Kapital detaillierter dargestellt. Nicht nur die Privateinlagen und -entnahmen, sondern auch der Gewinn oder Verlust werden hier ausgewiesen. Der Saldo muss zwingend mit dem Eigenkapital der Bilanz übereinstimmen.

Das Eigenkapital hat eine große Aussagekraft. Eigenkapital ist der Anteil der Eigentümer am Gesellschaftsvermögen zu Buchwerten. Mit diesem Vermögen haftet der Unternehmer bzw. die Gesellschaft gegenüber den Gläubigern. Fehlt Eigenkapital, wird das Unternehmen durch Fremdkapital finanziert. Insbesondere dann ist die Eigenkapitalquote von Bedeutung, wenn es darum geht, sich von der Bonität des Unternehmens ein Bild zu machen. Ein negatives Eigenkapital deutet an, dass das bilanzierte Vermögen rechnerisch nicht zur Abdeckung der Schulden ausreicht.

 
Achtung

Negatives Eigenkapital bedeutet nicht immer eine Überschuldung

Selbst wenn das Eigenkapital negativ ist, muss dies nicht heißen, dass das Unternehmen überschuldet ist. Aus der Bilanz sind nicht alle Werte ersichtlich. So z. B. die stillen Reserven.

Diese liegen vor, wenn der Verkehrswert (eventueller Verkaufspreis) höher ist als der Buchwert. In diesem Fall ist der Vermögenswert überbewertet. Dies ist aber rechtlich zulässig, da lediglich der Buchwert bilanziert werden muss.

1.1 Für Banken zählt nur Eigenkapital

Spätestens seit Basel II ist die Eigenkapitalquote von Bedeutung. Für Banken ist dies bei der Kreditvergabe ein wichtiges Prüfkriterium. Durch wirtschaftliche Rezessionen und Krisen sinkt die Eigenkapitalquote vieler Unternehmen teilweise unter 10 % der Bilanzsumme.

Bei sehr vielen Gewerbebetrieben in der Bundesrepublik ist das Eigenkapital mittlerweile aufgebraucht oder bereits negativ. Trotzdem arbeiten diese Betriebe noch erfolgreich. Ein Grund hierfür kann sein, dass das Betriebsvermögen (Eigenkapital/Reinvermögen) unter Umständen dem Betrieb für die private Lebensführung entnommen wird.

1.2 Bedeutung der Eigenkapitalquote für das Unternehmen

Unternehmer unterschätzen die Bedeutung des Eigenkapitals. Sehr häufig werden Kreditanträge abgelehnt. Banken argumentieren in diesen Fällen mit einer zu niedrigen Eigenkapitalquote. Ein Kredit wird selbst dann nicht bewilligt, wenn die Gewinn- und Verlustrechnung passable Gewinne ausweist. Die Lasten hieraus tragen in erster Linie der Betrieb und indirekt auch die Arbeitnehmer. Betriebswirtschaftlich werden beabsichtigten Investitionen (bspw. kosten- und zeiteffizienten Maschinen und Fahrzeugen) bereits im Vorfeld das Wasser abgegraben. Dies kann schlimmstenfalls zu Entlassungen und zur Betriebsaufgabe führen.

2 Ausweis des Kapitalkontos

2.1 Das Kapitalkonto ist je nach Rechtsform des Unternehmens veränderlich

Der Einzelunternehmer weist in der Bilanz das positive Kapitalkonto auf der Passivseite aus. Ein negatives Kapitalkonto wird auf der Aktivseite ausgewiesen. Es kann aber auch auf der Passivseite als Minuswert bilanziert werden.

Je nach Unternehmensform kann das Eigenkapital veränderlich oder unveränderlich sein. Bei

  • Einzelunternehmen ist das Kapital immer veränderlich (variabel).
  • Personengesellschaften wird durch Gesetz, Satzung und Vertrag festgelegt, welche Kapitalanteile unveränderlich sind. Für jeden Gesellschafter wird sowohl ein festes Kapitalkonto (Kapitalkonto I) als auch veränderliches Kapitalkonto (Kapitalkonto II) geführt.
  • Kapitalgesellschaften wird durch Gesetz und Satzung festgelegt, welche Kapitalanteile unveränderlich sind. Das Eigenkapital muss zwingend wie folgt gegliedert werden:[1]
  1. Gezeichnetes Kapital
  2. Kapitalrücklage
  3. Gewinnrücklagen
  4. Gewinnvortrag/Verlustvortrag
  5. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag

Handelsrechtlich müssen alle Kaufleute in der Bilanz das Eigenkapital gesondert ausweisen und hinreichend aufgliedern.[2] Eine bestimmte Form ist nicht vorgegeben.

2.2 Privatvermögen ist dem Handelsrecht fremd

Das Handelsrecht kennt keine Regelungen zum Privatvermögen.[1] In der Handels- und Steuerbilanz dürfen private Vorgänge den Gewinn nicht beeinflussen. Aus diesem Grund müssen diese gewinnneutral behandelt werden. Handelsrechtlich werden Privateinlagen und -entnahmen des Kaufmanns außerhalb der Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustrechnung über das Kapitalkonto gebucht.

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