Kapitalanlagen-ABC / Spin-off

Eine Anteilsübertragung auf Aktionäre wird als Spin-off bezeichnet. Überträgt eine Körperschaft in ihrem Besitz befindliche Anteile an einer weiteren Körperschaft ohne Kapitalherabsetzung ohne zusätzliches Entgelt auf ihre Anteilseigner und liegen die Voraussetzungen des § 15 UmwStG nicht vor, ist die Übertragung als Sachausschüttung an die Anteilseigner der übertragenden Körperschaft zu behandeln.

Die Sachausschüttung führt nach Verwaltungsauffassung zu Einkünften aus Kapitalvermögen nach § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG. Die übertragenen Anteile gelten im Zeitpunkt der Beschlussfassung über die Übertragung als zum gemeinen Wert angeschafft. Der Gewinn aus einer Veräußerung von bis zum 31.12.2008 übertragenen Anteilen ist innerhalb eines Jahres nach dem Übertragungsbeschluss als privater Veräußerungsgewinn im Halbeinkünfteverfahren steuerpflichtig. Für nach diesem Zeitpunkt übertragene Anteile gilt die Veräußerungsgewinnbesteuerung des § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG unabhängig von der Haltedauer.

Ab 2009 ist jedoch die Sonderregelung des § 20 Abs. 4a Satz 5 EStG zu beachten. Ist danach die Ermittlung des Kapitalertrags nicht möglich, wird ein Kapitalertrag von 0 EUR angesetzt. Demzufolge werden auch die Anschaffungskosten der eingebuchten Anteile mit 0 EUR angesetzt. Von dieser Vermutung ist bei ausländischen Sachverhalten i. d. R. auszugehen. Bei inländischen Sachverhalten ist davon auszugehen, dass die Erträge durch entsprechende Angaben des Emittenten zu ermitteln sein werden.

 

Wichtig

BFH teilt Verwaltungsauffassung nicht

Nach Auffassung des BFH ist bei einem Spin-off-Vorgang im Gegensatz zur Verwaltungsauffassung ausschließlich darauf abzustellen, ob die Übertragung der Aktien zulasten des Gewinns der Gesellschaft erfolgte oder als Einlagenrückgewähr zu werten sei. Letztere wäre nicht nach § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG steuerpflichtig.

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