Investitionsabzugsbetrag / 2.1.2 Gesetzliche Größenmerkmale

Der Betrieb muss am Schluss des jeweiligen Wirtschaftsjahres die Größenmerkmale erfüllen. Soll der Investitionsabzugsbetrag Ende 2019 in Anspruch genommen werden, ist das Betriebsvermögen Ende 2019 maßgeblich, bei Betrieben mit Einnahme-Überschussrechnung der Gewinn des Jahres 2019:

Bei Gewerbetreibenden und Freiberuflern mit Gewinnermittlung durch Bestandsvergleich darf das Betriebsvermögen (das buchmäßige Eigenkapital) die Grenze von 235.000 EUR nicht überschreiten. Für 2009 und 2010 war diese Grenze vorübergehend auf 335.000 EUR angehoben worden.

Gewerbetreibende und Freiberufler mit Gewinnermittlung durch Einnahme-Überschussrechnung dürfen im abgelaufenen Jahr nur einen Gewinn von höchstens 100.000 EUR ausweisen (für 2009 und 2010: 200.000 EUR).

Bei Land- und Forstwirten darf der Wirtschaftswert bzw. Ersatzwirtschaftswert des Betriebs nicht höher sein als 125.000 EUR (für 2009 und 2010: 175.000 EUR). Ermittelt der Landwirt seinen Gewinn durch Überschussrechnung, kann er stattdessen (Wahlrecht) auf die Gewinngrenze von 100.000 EUR abstellen.

Bei der Ermittlung des maßgeblichen Betriebsvermögens sind neben den Verbindlichkeiten auch Rückstellungen, passive Rechnungsabgrenzungsposten und steuerliche Rücklagen abzuziehen. Auch der Anspruch auf eine steuerfreie Investitionszulage ist bei der Bestimmung der Betriebsgröße für den IAB nach § 7g Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Buchst. a EStG zu berücksichtigen, d. h. der Anspruch ist bei der Bestimmung des Betriebsvermögens auf der Grundlage der Steuerbilanz als Aktivposten anzusetzen.

Ist eine Rückstellung für betriebliche Steuern (Gewerbesteuer) niedriger angesetzt worden, weil die zu zahlende Steuer wegen des Investitionsabzugsbetrags bescheidener ausfällt, darf der Betrieb dies für die Berechnung des maßgeblichen Betriebsvermögens rückgängig machen, wenn er dem Finanzamt eine entsprechende Berechnung vorlegt. Bei der Prüfung der Gewinngrenze (100.000 EUR) ist die Minderung durch einen Investitionsabzugsbetrag nicht zu berücksichtigen. Das Entsprechende gilt für eine gewinnerhöhende spätere Auflösung des Abzugsbetrags. Berücksichtigen will die Verwaltung dagegen mit Zustimmung des BFH den buchmäßigen Gewinn aus der Auflösung einer früheren § 7g-Rücklage. Unterhält ein Steuerpflichtiger mehrere selbstständige Betriebe, ist die Grenze des Betriebsvermögens bzw. des Gewinns für jeden Betrieb getrennt zu prüfen.

Will der Steuerpflichtige den zulässigen IAB auf mehrere Jahre verteilen, müssen die Größenmerkmale in jedem dieser Jahre erfüllt sein.

Wird ein Betrieb im Laufe des Wirtschaftsjahres unentgeltlich übertragen, will die Verwaltung gleichwohl auf den Gewinn des gesamten Wirtschaftsjahres abstellen, auch soweit er bei dem Schenker/Erblasser angefallen ist. Diese Auffassung dürfte sich damit begründen lassen, dass der Gesetzgeber für die Gewinngrenze auf den Betrieb und nicht auf den einzelnen Steuerpflichtigen abstellt.

 

Praxis-Tipp

Gestaltungshinweis

Werden die im Gesetz genannten Grenzen nicht zu weit überschritten, kann der Steuerpflichtige sein Betriebsvermögen bzw. seinen Gewinn durch gezielte Gestaltungen unter diese Grenzen drücken. Dazu könnte er z. B. vorhandene Barmittel entnehmen und durch Darlehen, möglicherweise vonseiten eines Angehörigen, ersetzen. Mit Eigenkapital finanzierte Wirtschaftsgüter könnte er, statt sie im Betriebsvermögen zu führen, von einem Angehörigen anmieten. Das nicht im Betrieb eingesetzte Eigenkapital könnte er als Kapitalvermögen nutzen, wegen der Abgeltungsteuer evtl. mit geringerer steuerlicher Belastung.

Den größten Spielraum hinsichtlich der Gewinngrenze würde es eröffnen, wenn der Betrieb nicht auf den Namen des eigentlichen Initiators und Fachmanns läuft, sondern auf den des Ehegatten, ggf. auch eines anderen Angehörigen (Eltern, Großeltern). In Sonderfällen kann es günstig sein, statt eines einheitlichen mehrere getrennte Betriebe zu führen, ggf. in der Rechtsform einer Personen- oder Kapitalgesellschaft.

 

Wichtig

Vorteile bei entgeltlichem Erwerb

Im Fall eines entgeltlichen Erwerbs ist allein auf den von dem Erwerber erzielten Gewinn abzustellen. Auch ein Hochrechnen des Gewinns eines verkürzten Wirtschaftsjahrs auf einen fiktiven Jahresgewinn ist nicht vorgesehen. Deshalb ist bei einem neu eröffneten, nicht buchführungspflichtigen Betrieb bzw. einer freiberuflichen Praxis der Investitionsabzug im ersten Jahr auch dann zulässig, wenn zwar der Gewinn des ersten, verkürzten Wirtschaftsjahrs unter der Grenze liegt, jedoch abzusehen ist, dass bereits der Gewinn des ersten vollen Wirtschaftsjahrs die Grenze übersteigt.

Ermittelt ein Landwirt seinen Gewinn durch Überschussrechnung, lässt das Gesetz offen, ob die Gewinngrenze oder der (Ersatz)Wirtschaftswert maßgeblich ist. Die Verwaltung sieht es als ausreichend an, wenn eine dieser Grenzen eingehalten wird. Bewirtschaftet ein Landwirt auch Flächen, die im Eigentum seines Ehegatten stehen, bleiben diese Flächen bei der Ermittlung des Wirtschaftswerts außer Ansatz, obwohl sie aufgrund der Sonderrege...

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