Insolvenzgefahren: Erkennen... / 4.1.1 Welche Positionen sind zu betrachten?

Mögliche Insolvenzgefahren können auf der Aktivseite in den Positionen Anlagevermögen und Umlaufvermögen und auf der Passivseite im Eigenkapital und Fremdkapital erkennbar sein.

Je höher der Anteil des Anlagevermögens am Gesamtvermögen (= Bilanzsumme) ist, desto höher ist das Unternehmerrisiko und desto geringer ist die Unternehmensflexibilität.

Dieses Verhältnis sagt allein nichts über mögliche Insolvenzgefahren aus, da es Branchen gibt, die anlageintensiver sind als andere. Um zu einer aussagekräftigen Beurteilung zu kommen, ist dem Anlagevermögen das langfristig dem Unternehmen zur Verfügung stehende Kapital (= Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital) gegenüberzustellen. Dieses Verhältnis ist unter dem Begriff der "Fristenkongruenz" bekannt.

Fazit: Ist das Anlagevermögen durch langfristiges Kapital gedeckt, besteht nur eine geringe Insolvenzgefahr – zumindest in diesem Bereich.

 

Praxis-Tipp

Analyse des Anlagevermögens

Analysieren Sie das Anlagevermögen zusätzlich. Teilen Sie es auf in betriebsnotwendiges und nicht betriebsnotwendiges Anlagevermögen. Das betriebsnotwendige Anlagevermögen wird in der Regel niedriger sein als das tatsächlich vorhandene Anlagevermögen. Denn in den Positionen des Anlagevermögens sind Werte enthalten, die für zukünftige Entwicklungen des Unternehmens vorgehalten werden (müssen).

Folgendes Beispiel zeigt eine "Liquiditätsbilanz".

Abb. 3: Liquiditätsgegliederte Bilanz

Erläuterungen der Spalten

 
Spalte 1: Darstellung der Bilanzpositionen AV und UV
Spalte 2: wie 1, erste Absonderung
Spalte 3: wie 1, zweite Absonderung
Spalte 4: Zahlen in TEUR laufende Periode: Gesamt
Spalte 5: Zahlen in TEUR laufende Periode: 1. Ausgliederung: betriebsnotwendig bzw. nicht betriebsnotwendig
Spalte 6: Zahlen in TEUR laufende Periode: 2. Ausgliederung nach Fristigkeit
Spalte 7: in % der Bilanzsumme laufende Periode
Spalte 8: prozentualer Unterschied des Prozentanteils laufende Periode zu Vorperiode
Spalte 9: Liquiditätsauswirkung Plus (+)/Minus (-)
Spalte 10: in % der Bilanzsumme Vorperiode
Spalte 11: Zahlen in TEUR Vorperiode
Spalte 12: Zahlen in TEUR laufende Periode: 1. Ausgliederung: betriebsnotwendig bzw. nicht betriebsnotwendig
Spalte 13: Zahlen in TEUR laufende Periode: 2. Ausgliederung nach Fristigkeit

Für die nach Liquiditätsgesichtspunkten zusammengefassten und aufbereiteten Bilanzpositionen werden die Werte der laufenden Periode und Vorperiode dargestellt. Anschließend werden die prozentualen Anteile der Bilanzpositionen ermittelt. In Spalte 8 stehen die prozentualen Unterschiede der ermittelten Prozentanteile an der Bilanzsumme (z. B. 78,0 % zu 79,2  % = -1,5 %), Spalte 9 hält die Liquiditätsauswirkungen fest.

Plus (+) bedeutet Liquiditätsverbesserung, Minus (-) Liquiditätsverschlechterung, Null (0) keine Liquiditätsauswirkung je nachdem. Beachten Sie bitte, dass es hier ausschließlich um die Liquiditätsbetrachtung geht.

Zur Spalte 8: Die prozentuale Veränderung der Prozentanteile an der Bilanzsumme wird in der liquiditätsgegliederten Bilanz deshalb vorgenommen, weil sich die Bilanzsummen zweier Jahre in der Regel betragsmäßig unterscheiden und damit die prozentualen Anteile der Bilanzpositionen. Für die Beurteilung der liquiditätsgegliederten Bilanz ist hier nicht der tatsächliche Betrag, sondern der prozentuale Anteil der Bilanzpositionen an der Bilanzsumme wichtig.

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