Zusammenfassung

  • Die digitale Transformation ist der Auslöser dafür, bestehende Produktionsparadigmen in Frage zu stellen bzw. weiterzuentwickeln. Sie bietet produzierenden Unternehmen die Chance, ihre Wertschöpfung grundlegend zu optimieren und neue Geschäftspotenziale zu erschließen.
  • Im Rahmen von Industrie 4.0 werden die aktuellen Informations- und Kommunikationstechnologien mit der Produktions- und Automatisierungstechnik kombiniert und eine neue Stufe der Organisation und Steuerung der gesamten Wertschöpfungskette über den kompletten Lebenszyklus von Produkten und Services angestrebt.
  • Ziel ist die signifikante Flexibilisierung und Verbesserung der Wertschöpfung sowie eine Individualisierung der Produkte und Services durch eine intensive Kunden-Unternehmens-Interaktion und -Vernetzung.

1 Die fortschreitende Digitalisierung verändert die Unternehmensumwelt

"Wenn Technologien und Gesellschaft sich schneller ändern, als Unternehmen in der Lage sind sich anzupassen, dann kommt es ganz nach den Regeln der Evolution zum Aussterben bestimmter Unternehmenstypen."[1]

Das Zitat macht deutlich: Die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung der realen mit der digitalen Welt verändert das Alltagsleben der Menschen sowie die Märkte, Geschäftsbeziehungen und Wertschöpfungsketten drastisch. Die digitale Transformation – d. h., die Integration und Implementierung der digitalen Technologien in die bestehende Geschäftswelt – wird einerseits als Chance für einen Wandel bestehender Geschäftsmodelle und die Generierung neuer Geschäftspotenziale angesehen. Anderseits stellt sie für die Unternehmen aber zugleich eine große Herausforderung dar, denn um deren Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern oder auszubauen, müssen sich Organisationen schnell den Zeichen der Zeit anpassen und auf die bevorstehenden Veränderungen reagieren.

Schnelligkeit, Flexibilität und Produktivität steigern

Neue technologische Möglichkeiten und Innovationen (z. B. die der Mensch-zu-Mensch-, Mensch-zu-Maschine- und Maschine-zu-Maschine-Kommunikation und -Interaktion) bieten die Chance das Unternehmens-Kundenverhältnis grundlegend weiter zu entwickeln. Innovationen wirken sich dabei nicht nur auf der Marketing- oder Vertriebsseite von Unternehmen – z. B. durch die neuen Interaktionsmöglichkeiten im Social Web – aus. Insbesondere die Entwicklung und Entstehung von Produkten und Services in Unternehmensbereichen wie Produktion und Logistik sowie der Sales- und After-Sales-Prozess werden sich deutlich verändern. Das Zusammenwachsen der digitalen und produzierenden Industrie gilt dabei als Schlüssel für eine Effizienzsteigerung und neues Wachstum. Studien zufolge haben digitalisierte Unternehmen die Chance ihre Schnelligkeit, Flexibilität und Produktivität um über 40 % zu steigern.[2]  Gleichzeitig kann die Digitalisierung auch dazu genutzt werden, um die Unternehmensstrategien neu auszurichten und die Produkt- und Servicepalette weiter zu entwickeln.

In diesem Zusammenhang werden neue Chancen, die aus der digitalen Vernetzung zwischen Märkten und Unternehmen sowie innerhalb des Unternehmens entstehen, als erfolgskritisch für die Zukunft angesehen. Ziel ist es die Distanz zwischen Angebot und Nachfrage durch die Digitalisierung zu minimieren. Man spricht im Idealzustand von einer "Nulldistanz" (Zero Distance) z. B. zwischen Endkunden und Unternehmen (s. Abb. 1), so dass Innovationen sehr nahe am Kunden entwickelt werden können.

Nulldistanz als Ziel

Geschäftsmodelle, basierend auf einer starren, losgrößenoptimalen Massenproduktion standardisierter Produkte, welche anschließend an Kunden verkauft werden sollen, sind nicht effizient und werden zukünftig als nicht mehr wettbewerbsfähig eingestuft. In den nächsten Jahren werden nur die Unternehmen beim Erreichen einer Nulldistanz erfolgreich sein, die es schaffen, 2 grundlegende Unternehmens-Orientierungen miteinander in Einklang zu bringen, welche wie 2 "Kreisläufe" ineinander greifen und sich gegenseitig beeinflussen.

  • Outside-in-Orientierung

    Schnelle Anpassung der Ressourcen und Fähigkeiten des Unternehmens an dynamische Umweltveränderungen (z. B. technologische Trends, veränderte Kundenbedürfnisse oder neue Lieferantenbeziehungen)

  • Inside-out-Orientierung

    Fokussierung des Unternehmens auf die Optimierung seiner internen Ressourcen und den Ausbau wesentlicher Kernkompetenzen mit dem Ziel einer Effizienzsteigerung und Kostensenkung in der Leistungserbringung

Abb. 1: Zusammenhänge und Kreisläufe zwischen Unternehmen und Märkten zum Erreichen einer "Nulldistanz" (Zero Distance)[3]

Neue technologische Ansätze und Konzeptionen fungieren in diesem Wechselspiel als Katalysatoren. Sie dienen dazu, den Datenaustausch zwischen den Akteuren in den Unternehmen und Märkten (z. B. zwischen dem Produktionsbereich eines Unternehmens und einem Lieferanten) so zu beschleunigen, dass diese quasi in Echtzeit miteinander kommunizieren, Informationen austauschen und sich aufeinander einstellen können. Dadurch verkürzt sich die Reaktionszeit auf Veränderungen dramatisch und Standardprodukte verwandeln sich in individuelle Sondera...

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