In-Memory-Technologie als w... / 2.2 Anforderungen an das ERP-System der Zukunft

Technische Anforderungen an zukünftige ERP-Systeme

Durch intelligente Produkte und deren erhöhten Datenaustausch mit anderen Produkten, dem Betriebsumfeld, zwischen Herstellern untereinander und letztlich auch den Nutzern entstehen riesige Datenmengen, die in Echtzeit zur Verfügung stehen und ausgewertet werden müssen. Moderne ERP-Lösungen dienen als Grundwerkzeug, um diesen zentralen Aspekt der Industrie 4.0 umzusetzen. Zur vollumfänglichen Potenzialausnutzung müssen verschiedene Anforderungen erfüllt werden.

Anbindung und Integration

So erfordert die Vernetzung von Maschinen vor allem eine flexible Lösung zur einfachen Anbindung und Integration von Drittlösungen. Da in Zukunft möglichst viele Maschinen in die Kommunikation eingebunden sein sollen und die Schaffung einheitlicher Standards und Softwarelösungen aufgrund unterschiedlicher Interessen seitens der Hersteller nicht realisierbar ist, müssen offene Schnittstellen am ERP-System implementiert werden, um eine größtmögliche Integrationsfähigkeit des Systems zu gewährleisten.

Die so ermöglichte Integration von ERP-Systemen mit Manufacturing Execution Systems (MES) dient als grundlegende Verbindung von Unternehmensmanagement und Produktionssteuerung. Eine gute Integration der beiden Systeme ermöglicht eine zunehmende Machine-to-Machine-(M2M)-Vernetzung mit dem bestehenden System, ohne grundlegende Änderungen an der Systemarchitektur vornehmen zu müssen.

Zentrale Datenhaltung, einheitliche Formate

Die dadurch entstehende Datenmenge macht die Schaffung einer zentralen Datenhaltung mit einheitlichen Datenformaten notwendig. ERP-Systeme dienten den Unternehmen seit jeher als wichtige Informationsquelle. Dies wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Jedoch müssen Unternehmen aktiv Projekte zur Systemmodernisierung und Datenkonsolidierung angehen, andernfalls drohen sie in der Flut von Daten unterzugehen. Der große Initialaufwand wird häufig als Hürde für solche Projekte angesehen. Es existieren allerdings mittlerweile Tools und Templates, die Unternehmensdaten mit einem hohen Automatisierungsgrad bereinigen und fehlerfrei in neue Systeme überführen können.

Ist die Zentralisierung der Datenhaltung abgeschlossen, muss eine leistungsfähige Infrastruktur eingerichtet werden, die unterschiedlichste Abfragen in Echtzeit ermöglicht. Insbesondere dringliche Aufträge oder kurzfristige Umweltveränderungen führten in der Vergangenheit häufig dazu, dass geplante Produktionszyklen ihre Gültigkeit verloren und überarbeitet werden mussten. Die Generierung eines virtuellen Abbilds der Realität in Echtzeit ermöglicht das Aufspüren freier Kapazitäten, sei es in der Produktion oder in den Liefernetzwerken der Unternehmen. Die Anforderungen, insbesondere an die Business Intelligence, sind hierfür sehr hoch. ERP-Systeme müssen in der Lage sein, einfache Echtzeitabfragen für unterschiedliche Anwender zu realisieren. Regelbasierte grafische Visualisierungen können die Interpretation der Abfrage erleichtern. Aber auch die Prozesslandschaft muss sich dahingehend verändern, damit Prozesse nicht als ein starres Korsett dienen, sondern vielmehr kurzfristig angepasst werden können.

Um neben Ad-hoc-Abfragen auch die relevanten Geschäftsprozesse im Blick behalten zu können, müssen sog. Business Activity Queries, also wiederkehrende Anfragen, durch den Anwender ohne Einbezug der IT zu erstellen sein. Individuelle Dashboards dienen der besseren Handhabung der abgefragten Daten. Beim Eintreten vordefinierter Ereignisse wird der Anwender automatisch benachrichtigt und systemseitig eine Intervention von ihm verlangt.

ERP als Enabler der Industrie 4.0

Mit der Implementierung eines modernen ERP-Systems wird folglich die entscheidende Grundlage für die Realisierung der Nutzungspotenziale der Industrie 4.0 geschaffen. Doch der Weg zur digitalen Vernetzung von Wertschöpfungsketten muss auch jenseits der Technik strukturiert fortgeführt werden.

Die Frage nach dem sinnvollen Grad der Vernetzung muss jedes Unternehmen individuell für sich beantworten. Es muss analysiert werden, welche Vorteile sich bieten und wie diese messbar sind, um eine transparente Entscheidungsgrundlage zu schaffen. Ein weiterer Aspekt ist die Innovationsfähigkeit. So bedeutet der Veränderungsprozess nicht nur, dass bestehende Vorgänge und Prozesse digitalisiert und automatisiert werden, sondern dass aus den gewonnenen Informationen eine Erweiterung des Serviceportfolios und Änderungen im Geschäftsmodell angestrebt werden, die zusätzlich Wertschöpfung generieren. Dies bedeutet auch, dass Unternehmen ständige Bereitschaft zeigen müssen, Entscheidungswege, Rollen und Prozesse immer wieder neu und flexibel zu definieren. Nur so können die Vorteile der Vernetzung vollständig realisiert werden.

Um diese Bereitschaft zur Veränderung zu erhöhen, ist eine engere Zusammenarbeit interdisziplinärer Teams notwendig. Durch die höhere Vernetzung verschwimmen Grenzen zwischen Verantwortungsbereichen und Hierarchien. Die schnelle Interaktion über in das ERP-...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge