IFRS

Zusammenfassung

 
Begriff

IFRS, International Financial Reporting Standards, heißen die vom IASB, dem International Accounting Standards Board seit Juni 2003 veröffentlichten internationalen Rechnungslegungsstandards. Sie sind Nachfolger der International Accounting Standards (IAS), die zunächst ihre Gültigkeit behielten und dann nach und nach geändert oder durch neue Standards ersetzt werden. Die Europäische Union verabschiedet die Standards in einem Endorsement-Prozess.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

1 Internationalisierung der Rechnungslegung

Kennzeichen einer europäisierten und globalisierten Wirtschaft ist die Internationalisierung von Vorschriften, zunächst technischer, nachfolgend auch rechtlicher und bilanzrechtlicher Art. Die Anwendung internationaler Rechnungslegungsvorschriften ist dabei nicht mehr nur eine Aufgabe für Großkonzerne, die ausländische Kapitalmärkte in Anspruch nehmen. Auch der mittelständische Konzern ist betroffen.

Die inländische Gesetzgebung berücksichtigte solche Bedürfnisse bis 2004 nur bei börsennotierten Gesellschaften. Nur ihnen war es gestattet, auf einen handelsrechtlichen Konzernabschluss zu verzichten und stattdessen die Konzernbilanz nach internationalen Grundsätzen aufzustellen.[1] Das Bilanzrechtsreformgesetz gibt nicht-börsennotierten Unternehmen ab 2005 die gleichen Möglichkeiten.[2]

Die internationale Verflechtung nimmt auch in mittelständischen Unternehmen zu, durch Gründung von Produktions- und Einkaufsgesellschaften in Niedriglohnländern etwa oder von Vertriebsgesellschaften in Hauptabsatzregionen. Berichtet dabei jede Auslandstochter nach ihren jeweiligen nationalen Vorschriften an das Stammhaus, wird das Konzernreporting unübersichtlich, ineffizient und teuer. Fehlentwicklungen werden spät erkannt und zu spät korrigiert. Die IFRS können hier für eine effizientere konzerneinheitliche "Sprache" sorgen.

[1] § 292a HGB a. F.

2 Grundlagen des IASB-Regelwerks

2.1 Organisation des IASB, Aufbau des Regelwerks

Das International Accounting Standards Committee (IASC) wurde 1973 von Berufsverbänden der Accountancy Profession (mehrheitlich Wirtschaftsprüfer) aus 9 Ländern gegründet. Inzwischen sind Organisationen aus über 100 Ländern vertreten. Die Organisation wurde in 2001 umbenannt in International Accounting Standards Committee Foundation (IASCF) und professionalisiert, insbesondere im Geschäftsführungsorgan (Board) von der ehrenamtlichen auf eine hauptberufliche Basis gestellt. Anfang 2009 erfolgte eine Änderung an der Satzung, die u. a. die Einrichtung eines Überwachungsgremiums (Monitoring Board) aus öffentlichen Behörden vorsah, das die Beziehungen, die allgemein zwischen den nationalen Standardsetzern und den Kapitalmarktaufsichten bestanden, widerspiegeln soll. Seit Juli 2010 firmiert die Dachorganisation einheitlich unter dem Namen International Financial Reporting Standards Foundation (IFRS-Foundation).

Die Vorschriften werden seit 2001 von dem Board (IASB) erlassen. Die "alten", weiter gültigen Vorschriften werden weiter als IAS bezeichnet. Die neu vom IASB erlassenen oder durch ihn grundlegend geänderten Vorschriften tragen die Bezeichnung IFRS (International Financial Reporting Standard).

Die IFRS-Foundation hat als privatrechtliche Organisation keine Gesetzgebungskompetenzen. Geltung erlangen seine Regelungen in der EU durch ein in der genannten EU-Verordnung normiertes Anerkennungsverfahren (endorsement).

2.2 Zielsetzung und Prinzipien des IFRS-Abschlusses

Dominierender Zweck des handelsrechtlichen Abschlusses ist die Ermittlung und Begrenzung des ausschüttungsfähigen Gewinns. Gläubigerschutz und Vorsichtsprinzip prägen daher das HGB. Der Kaufmann soll sich eher zu arm als zu reich rechnen. Der Gewinn und damit bei Kapitalgesellschaften der ausschüttungsfähige Betrag soll eher zu niedrig als zu hoch ausgewiesen werden.

Erklärter Zweck des IFRS-Abschlusses ist demgegenüber die Vermittlung entscheidungsnützlicher Informationen (decision usefulness) an Investoren, Kreditgeber usw. (Framework F.OB1ff.). Hierbei wird davon ausgegangen, dass ökonomische Entscheidungen vor allem eines voraussetzen: eine Beurteilung der nachhaltigen Fähigkeit, Cash zu generieren. Nicht die vorsichtige Erfassung und Bewertung von Vermögenswerten steht deshalb im Vordergrund. Als Basisprinzip dient neben dem Going-concern-Grundsatz (Bewertung zu Fortführungs-, nicht zu Zerschlagungswerten) nur der Grundsatz der periodengerechten Abgrenzung des nachhaltigen Gewinns (F.4.1). Dieser Grundsatz kann es z. B. gebieten,

  • Kursgewinne bei Wertpapieren bereits dann auszuweisen, wenn sie entstehen und nicht erst dann, wenn sie durch Umsatz realisiert sind,
  • in Fällen langfristiger Auftragsfertigung den Gewinn schrittweise, über die Auftragsperioden zu erfassen.

Aus den Basisannahmen leiten sich qualitative Anforderungen an die Rechnungslegung ab: Damit die Abschlussinformationen über den periodengerechten Gewinn entscheidungsnützlich sind, müssen diese hinreichend zuverlässig (in der Bewertung), relevant, verständlich und (im Interesse der Beurteilung von Trends) vergleichbar sein. Erst eine weitere Stufe tiefer werden dies...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Finance Office Professional. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Finance Office Professional 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge