IFRS / 2.2 Zielsetzung und Prinzipien des IFRS-Abschlusses

Dominierender Zweck des handelsrechtlichen Abschlusses ist die Ermittlung und Begrenzung des ausschüttungsfähigen Gewinns. Gläubigerschutz und Vorsichtsprinzip prägen daher das HGB. Der Kaufmann soll sich eher zu arm als zu reich rechnen. Der Gewinn und damit bei Kapitalgesellschaften der ausschüttungsfähige Betrag soll eher zu niedrig als zu hoch ausgewiesen werden.

Erklärter Zweck des IFRS-Abschlusses ist demgegenüber die Vermittlung entscheidungsnützlicher Informationen (decision usefulness) an Investoren, Kreditgeber usw. (Framework F.OB1ff.). Hierbei wird davon ausgegangen, dass ökonomische Entscheidungen vor allem eines voraussetzen: eine Beurteilung der nachhaltigen Fähigkeit, Cash zu generieren. Nicht die vorsichtige Erfassung und Bewertung von Vermögenswerten steht deshalb im Vordergrund. Als Basisprinzip dient neben dem Going-concern-Grundsatz (Bewertung zu Fortführungs-, nicht zu Zerschlagungswerten) nur der Grundsatz der periodengerechten Abgrenzung des nachhaltigen Gewinns (F.4.1). Dieser Grundsatz kann es z. B. gebieten,

  • Kursgewinne bei Wertpapieren bereits dann auszuweisen, wenn sie entstehen und nicht erst dann, wenn sie durch Umsatz realisiert sind,
  • in Fällen langfristiger Auftragsfertigung den Gewinn schrittweise, über die Auftragsperioden zu erfassen.

Aus den Basisannahmen leiten sich qualitative Anforderungen an die Rechnungslegung ab: Damit die Abschlussinformationen über den periodengerechten Gewinn entscheidungsnützlich sind, müssen diese hinreichend zuverlässig (in der Bewertung), relevant, verständlich und (im Interesse der Beurteilung von Trends) vergleichbar sein. Erst eine weitere Stufe tiefer werden diese Anforderungen u. a. durch das Vorsichtsprinzip konkretisiert:

Inhaltlich unterscheiden sich die IFRS vom Handelsrecht durch

  • die geringere Bedeutung des Vorsichtsprinzips,
  • eine stärkere Orientierung an Stichtagszeitwerten (auch soweit die Anschaffungskosten überschritten werden),
  • die Ersetzung von Aktivierungswahlrechten (z. B. Disagio) durch Aktivierungsgebote,
  • die frühere Gewinnrealisation in bestimmten Fällen (langfristige Auftragsfertigung).

Bilanzpolitisch können auf diese Weise Eigenkapitalquoten gehoben und Gewinne verstetigt werden. Für das Standing und Rating des Bilanzierenden (z. B. gegenüber Kreditgebern) können sich hieraus wichtige Vorteile ergeben.

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