IFRS / 2 Grundlagen des IASB-Regelwerks

2.1 Organisation des IASB, Aufbau des Regelwerks

Das International Accounting Standards Committee (IASC) wurde 1973 von Berufsverbänden der Accountancy Profession (mehrheitlich Wirtschaftsprüfer) aus 9 Ländern gegründet. Inzwischen sind Organisationen aus über 100 Ländern vertreten. Die Organisation wurde in 2001 umbenannt in International Accounting Standards Committee Foundation (IASCF) und professionalisiert, insbesondere im Geschäftsführungsorgan (Board) von der ehrenamtlichen auf eine hauptberufliche Basis gestellt. Anfang 2009 erfolgte eine Änderung an der Satzung, die u. a. die Einrichtung eines Überwachungsgremiums (Monitoring Board) aus öffentlichen Behörden vorsah, das die Beziehungen, die allgemein zwischen den nationalen Standardsetzern und den Kapitalmarktaufsichten bestanden, widerspiegeln soll. Seit Juli 2010 firmiert die Dachorganisation einheitlich unter dem Namen International Financial Reporting Standards Foundation (IFRS-Foundation).

Die Vorschriften werden seit 2001 von dem Board (IASB) erlassen. Die "alten", weiter gültigen Vorschriften werden weiter als IAS bezeichnet. Die neu vom IASB erlassenen oder durch ihn grundlegend geänderten Vorschriften tragen die Bezeichnung IFRS (International Financial Reporting Standard).

Die IFRS-Foundation hat als privatrechtliche Organisation keine Gesetzgebungskompetenzen. Geltung erlangen seine Regelungen in der EU durch ein in der genannten EU-Verordnung normiertes Anerkennungsverfahren (endorsement).

2.2 Zielsetzung und Prinzipien des IFRS-Abschlusses

Dominierender Zweck des handelsrechtlichen Abschlusses ist die Ermittlung und Begrenzung des ausschüttungsfähigen Gewinns. Gläubigerschutz und Vorsichtsprinzip prägen daher das HGB. Der Kaufmann soll sich eher zu arm als zu reich rechnen. Der Gewinn und damit bei Kapitalgesellschaften der ausschüttungsfähige Betrag soll eher zu niedrig als zu hoch ausgewiesen werden.

Erklärter Zweck des IFRS-Abschlusses ist demgegenüber die Vermittlung entscheidungsnützlicher Informationen (decision usefulness) an Investoren, Kreditgeber usw. (Framework F.OB1ff.). Hierbei wird davon ausgegangen, dass ökonomische Entscheidungen vor allem eines voraussetzen: eine Beurteilung der nachhaltigen Fähigkeit, Cash zu generieren. Nicht die vorsichtige Erfassung und Bewertung von Vermögenswerten steht deshalb im Vordergrund. Als Basisprinzip dient neben dem Going-concern-Grundsatz (Bewertung zu Fortführungs-, nicht zu Zerschlagungswerten) nur der Grundsatz der periodengerechten Abgrenzung des nachhaltigen Gewinns (F.4.1). Dieser Grundsatz kann es z. B. gebieten,

  • Kursgewinne bei Wertpapieren bereits dann auszuweisen, wenn sie entstehen und nicht erst dann, wenn sie durch Umsatz realisiert sind,
  • in Fällen langfristiger Auftragsfertigung den Gewinn schrittweise, über die Auftragsperioden zu erfassen.

Aus den Basisannahmen leiten sich qualitative Anforderungen an die Rechnungslegung ab: Damit die Abschlussinformationen über den periodengerechten Gewinn entscheidungsnützlich sind, müssen diese hinreichend zuverlässig (in der Bewertung), relevant, verständlich und (im Interesse der Beurteilung von Trends) vergleichbar sein. Erst eine weitere Stufe tiefer werden diese Anforderungen u. a. durch das Vorsichtsprinzip konkretisiert:

Inhaltlich unterscheiden sich die IFRS vom Handelsrecht durch

  • die geringere Bedeutung des Vorsichtsprinzips,
  • eine stärkere Orientierung an Stichtagszeitwerten (auch soweit die Anschaffungskosten überschritten werden),
  • die Ersetzung von Aktivierungswahlrechten (z. B. Disagio) durch Aktivierungsgebote,
  • die frühere Gewinnrealisation in bestimmten Fällen (langfristige Auftragsfertigung).

Bilanzpolitisch können auf diese Weise Eigenkapitalquoten gehoben und Gewinne verstetigt werden. Für das Standing und Rating des Bilanzierenden (z. B. gegenüber Kreditgebern) können sich hieraus wichtige Vorteile ergeben.

2.3 Bestandteile und Gliederung des Jahresabschlusses

Der IFRS-Abschluss nicht kapitalmarktnotierter Unternehmen besteht aus 6 Elementen:

  • Bilanz (statement of financial position),
  • Gesamtergebnisrechnung (statement of comprehensive income),
  • GuV (income statement) (sofern nicht in die Gesamtergebnisrechnung integriert),
  • Kapitalflussrechnung (statement of cash flows),
  • Eigenkapitalveränderungsrechnung (statement of changes in equity) und
  • Anhang (notes).

Anders als das HGB, das beispielsweise den Anhang nur für Kapitalgesellschaften und einen Lagebericht nur für mittlere und große Gesellschaften vorschreibt, sind die IFRS-Vorschriften weder rechtsform- noch größenabhängig.

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