GWG-Prüfung: Schritt für Schritt zum steueroptimalen Ergebnis

Zusammenfassung

 
Überblick

Normalerweise müssen Anschaffungskosten für Gegenstände des betrieblichen beweglichen Anlagevermögens auf deren Nutzungsdauer verteilt abgeschrieben werden. Benötigt ein Unternehmer jedoch dringend möglichst hohe Betriebsausgaben, um seinen Gewinn gezielt zu mindern, profitiert er von den Sonderregelungen zu geringwertigen Wirtschaftsgütern (GWG) für Anschaffungskosten bis netto 1.000 EUR. Um seinen Gewinn nach seinen individuellen Zielsetzungen zu beeinflussen, kann ein Unternehmer verschiedene Wahlrechte ausüben. Um diese steuerlich günstigen Wahlrechte in Anspruch nehmen zu können, muss es sich bei dem Anlagegenstand jedoch tatsächlich um ein geringwertiges Wirtschaftsgut handeln.

1 Grundsätze zur Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern

Erwirbt ein Unternehmer bewegliche Gegenstände für sein betriebliches Anlagevermögen, gilt der Grundsatz, dass die Aufwendungen im Rahmen der Absetzungen für Abnutzung (= AfA, Abschreibung) unter Berücksichtigung der jeweiligen betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer als Betriebsausgaben vom Gewinn abzuziehen sind.

 
Praxis-Beispiel

Grundsatz Abschreibung oftmals unbürokratisch

Ein Unternehmer erwirbt Büromaterial (Locher, Spitzer, Taschenrechner) für seinen Betrieb für netto 3.000 EUR, wobei jeder dieser 400 Gegenstände netto nicht mehr als 10 EUR kostet. Es wird eine Nutzungsdauer von 3 Jahren unterstellt.

Folge: Nach dem Grundsatz "Abschreibung" müsste der Unternehmer jedes dieser 400 Anlagegenstände einzeln erfassen und auf 3 Jahre verteilt abschreiben. Ein unverhältnismäßiger bürokratischer Aufwand für maximal 1.000 EUR Abschreibung pro Jahr.

1.1 Sonderregelung für geringwertige Wirtschaftsgüter

Anstatt der linearen Abschreibung (Grundsatz) dürfen Unternehmer für bewegliche Anlagegegenstände des Betriebs, die als geringwertige Wirtschaftsgüter einzustufen sind, im Preissegment bis netto 1.000 EUR zwischen Sofortabzug für die Aufwendungen oder für die 5-jährige Abschreibung eines Sammelpostens wählen. Bevor die Einzelheiten je nach Preissegment näher beleuchtet werden, hier zunächst ein Überblick über die steuerlichen Wahlrechte und Gestaltungsmöglichkeiten.

 
  Anschaffungskosten Steuerliche Behandlung
1. netto bis 250 EUR

Sofortabzug (Verbuchung der Anschaffungskosten in voller Höhe als Betriebsausgaben; § 6 Abs. 2 EStG).

Besonderheit: Keine Aufzeichnungspflichten
2. netto zwischen 250,01 EUR und 800 EUR

Sofortabzug oder Abschreibung (§ 6 Abs. 2 EStG) über 5 Jahre als Sammelposten

Besonderheit 1: Aufnahme in ein besonders, laufend zu führendes Verzeichnis. Verzicht auf Verzeichnis, wenn die Angaben zum Kauf aus der Buchführung ersichtlich sind.

Besonderheit 2: Es kann für alle GWG in diesem Preissegment entweder zwischen dem Sofortabzug nach 2. oder der Sammelpostenabschreibung nach 3. gewählt werden.
3. netto zwischen 800,01 EUR und nicht mehr als 1.000 EUR

Erfassung der Anschaffungskosten in einem Sammelposten und Abschreibung auf 5 Jahre (§ 6 Abs. 2a EStG).

Besonderheit 1: Abgesehen von der buchmäßigen Erfassung des Zugangs der Wirtschaftsgüter bestehen keine weiteren Aufzeichnungspflichten.

Besonderheit 2: Es kann für alle GWG im Preissegment zwischen netto 250,01 EUR und 1.000 EUR entweder zwischen dem Sofortabzug nach 2. oder der Sammelpostenabschreibung nach 3. gewählt werden.

Tab. 1: Steuerliche Wahlrechte für die GWG-Abschreibung

Entscheidend dafür, dass Unternehmer von diesen steuerlichen Vergünstigungen profitieren können, ist das Vorliegen "geringwertiger Wirtschaftsgüter". Neben dem Preissegment sind noch weitere Vorgaben zu erfüllen.

1.2 Schritt-für-Schritt-Prüfung zu geringwertigen Wirtschaftsgütern

Ob ein Unternehmer von den steuerlichen Vergünstigungen zu GWG profitiert, hängt von verschiedenen Voraussetzungen ab, die erfüllt sein müssen. Die folgende 5-Schritte-Prüfung hilft zur Findung des steuerlich optimalsten Ergebnisses:

  • Schritt 1: Begünstigt sind nur Wirtschaftsgüter des betrieblichen Anlagevermögens.
  • Schritt 2: Die Gegenstände müssen beweglich und abnutzbar sein.
  • Schritt 3: Die GWG-Vorteile setzten voraus, dass ein Gegenstand selbstständig nutzungsfähig ist.
  • Schritt 4: Der Sofortabzug für GWG oder die Sammelpostenabschreibung kommt nur in Betracht, wenn die Gegenstände die Nettokosten von 250 EUR, 800 EUR oder 1.000 EUR nicht überschreiten.
  • Schritt 5: Erfüllen Sie die Voraussetzungen für die GWG-Steuervorteile, haben Sie für Gegenstände im Preissegment zwischen 250,01 EUR und 1.000 EUR die Qual der Wahl, ob Sie den Sofortabzug oder die Sammelpostenmethode wählen.

2 Schritt 1: Wirtschaftsgut des Anlagevermögens

Handelt es sich bei dem Wirtschaftsgut um einen Gegenstand des betrieblichen Anlagevermögens?

  • Unter Anlagevermögen versteht man Wirtschaftsgüter, die dem Betrieb auf Dauer dienen sollen. In Frage kommen Wirtschaftsgüter, die dem notwendigen Betriebsvermögen zuzuordnen sind (betriebliche Nutzung mehr als 50 %) oder Wirtschaftsgüter des gewillkürten Betriebsvermögens (betriebliche Nutzung zwischen 10 % und 50 %).

Keine Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens und damit keine GWG sind folgende Wirtschaftsgüter:

  • Waren und Verbrauchsgüter (= Umlaufvermögen),
  • Gegenstände des Privatvermögens (= betriebliche Nutzung unter 10 %) und
  • Gegenstände, die zwar dem umsatzsteuerlichen Unter...

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