Green Controlling / 5.1 Organisatorische Verantwortung

Organisatorische Verantwortlichkeiten für die Steuerung von Nachhaltigkeit

Die Aufgaben eines Green Controlling (s. Kapitel 4.1), wie z. B. Analyse der Relevanz, Schaffung von Transparenz über Chancen und Risiken, Unterstützung bei der Festlegung von Strategien und Zielen oder die Messung und Zielsteuerung werden in vielen Unternehmen durch spezialisierte Umwelt- oder Nachhaltigkeitsabteilungen umgesetzt. Die Beteiligung von Controlling-Bereichen beim Nachhaltigkeitsmanagement hingegen ist in vielen Unternehmen sogar gering. Bei der organisatorischen Verankerung eines Green Controlling stellt sich daher insbesondere die Frage nach der Zusammenarbeit von spezialisierten Controlling-Abteilungen, wie z. B. dem Unternehmenscontrolling und Umwelt- oder Nachhaltigkeitsbereichen. Grundsätzlich kann die organisatorische Verantwortung für die Steuerung von Nachhaltigkeit sowohl im Controlling als auch im Umwelt- oder Nachhaltigkeitsbereich liegen. Die Entscheidung über die Aufgabenteilung hängt im Einzelfall im Wesentlichen von der Komplexität der Nachhaltigkeitsthemen und von den Kompetenzen der beteiligten Organisationsbereiche ab. Dabei sollten folgende Kontextfaktoren berücksichtigt und mit den Kernkompetenzen der beteiligten Organisationsbereiche abgeglichen werden:

  • die Unternehmensstrategie und damit die Bedeutung von ökologischer Nachhaltigkeit für das Gesamtgeschäft sowie
  • die inhaltliche Komplexität der ökologischen Fokusfelder (s. Kapitel 4.2.1).

Kontextfaktoren der Organisation

Die Strategie und die Bedeutung von ökologischer Nachhaltigkeit für das Gesamtgeschäft haben einen Einfluss auf den Grad der Integration von ökologischen Nachhaltigkeitsaspekten in die regulären Entscheidungs- und Steuerungsprozesse des Gesamtunternehmens. Die System- und Methodenkompetenz des Controllings, seine Funktion als Prozesseigner der finanziellen Regelsteuerung und seine Rolle als Rationalitätssicherer des Managements sprechen für eine starke Beteiligung des Controllings gerade bei hoher Bedeutung von Nachhaltigkeit für das Gesamtgeschäft.

Weiterhin bestimmt die inhaltliche Komplexität der ökologischen Fokusfelder, welche Kompetenzen für deren Steuerung erforderlich sind. Bei finanznahen ökologischen Themen, z. B. Treibhausgasen, die mit Mengen- und Werteflüssen im Unternehmen verbunden sind, ist zu erwarten, dass die Prozessführerschaft aufgrund der vorhandenen Kompetenzen beim Controlling liegen kann. Bei Themenfeldern, die eine höhere Komplexität in naturwissenschaftlicher Hinsicht aufweisen, z. B. Biodiversität, ist zu erwarten, dass die Prozessführerschaft eher bei der für Umwelt-/Nachhaltigkeitsmanagement zuständigen Abteilung liegen kann.

Einige Aufgaben sollten in jedem Fall durch das Controlling bearbeitet werden

Unabhängig vom Kontext, also von Branche, Unternehmensgröße, Strategie und Komplexität der ökologischen Themenfelder, ist grundsätzlich eine aktive und führende Rolle des Controllings bei folgenden Aufgaben sinnvoll:

  • bei der finanziellen Bewertung von ökologisch nachhaltigen Strategien und Maßnahmen,
  • bei der Integration dieser Strategien und Maßnahmen in die operative Planung und Budgetierung, speziell bei der Ableitung von finanziellen Formalzielen aus der Sachzielplanung (s. Kapitel 4.3) sowie
  • generell bei der Abstimmung und Integration von ökologisch nachhaltigen Strategien in die regulären Entscheidungs-, Steuerungs- und Berichtsprozesse des Gesamtunternehmens.

3 Beispiele, jeweils Gewinner des "Green Controlling Preises", den die Péter-Horváth-Stiftung in Kooperation mit dem ICV jährlich ausschreibt, zeigen, wie die Zusammenarbeit zwischen Controlling-Bereich und Umweltbereichen erfolgreich in der Praxis umgesetzt wurden.

Praxisbeispiel: Volkswagen AG

Im Volkswagen-Konzern wurde für die Marke Volkswagen über die "Think Blue. Factory." begonnen, eine Strategie zur Reduktion der Umweltbelastungen in der Produktion um 25 % bis 2018 umzusetzen. Die Herausforderung im Umwelt-Controlling bestand darin, die ausgeprägte Wertschöpfungstiefe der 27 Standorte weltweit abzubilden und dabei eine hohe Komplexität der Daten und Messgrößen in einem Projektzeitraum von 8 Jahren sowohl sicher als auch konsistent zu erfassen. Alle Bestandteile des Green-Controlling-Ansatzes wurden für die Marke Volkswagen entwickelt wie auch validiert und dienen als Vorbild für die anderen Marken. Das Umwelt-Controlling der "Think Blue. Factory." besteht nicht nur aus der reinen Verfolgung und Berichterstattung der Umweltkennzahlen, sondern auch aus vielen Steuerungsinstrumenten des Change Management (vgl. Abb. 36).

Volkswagen betont, dass das Umwelt-Controlling eine interdisziplinäre Herausforderung ist. Im zentralen Konzernbereich Umwelt sind diese Aktivitäten, auch mit Umwelt-Controlling-Schwerpunkten, direkt bei den Fachexperten verortet. Hier wird das fachliche Controlling sichergestellt. Der Bereich des Finanz-Controllings ist jedoch in die Aktivitäten direkt mit eingebunden. So ist das Finanz-Controlling ein wesentliches Mitglied im Ste...

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