Green Controlling / 4.4 Reporting und Accounting

Notwendigkeit zur Erfassung nicht-finanzieller Daten im Green Controlling

Im finanziellen Controlling wird die benötigte Datenbasis, auf der Controlling-Prozesse aufbauen i. d. R. aus dem Rechnungswesen gespeist. Für das Green Controlling werden jedoch weitere, nicht-finanzielle Größen zu den Umweltwirkungen des Unternehmens benötigt. Daher muss der Controlling-Hauptprozess Management Reporting für das Green Controlling auch durch ein Green Accounting unterlegt werden, welches die Aufgabe hat, Transparenz hinsichtlich dieser, i. d. R. physikalischen Größen der Umweltwirkungen eines Unternehmens zu schaffen und so die Stellhebel für eine unternehmensweite ökologieorientierte Steuerung offenzulegen (s. Kapitel 2.3.2). Mit der Erfassung und Aggregation verlässlicher, verursachungsgerechter und nachvollziehbarer physikalischer Daten über die Umweltwirkungen des Unternehmens ist jedoch eine Reihe von Herausforderungen verbunden:

  • Entsprechende Daten werden meist gar nicht (z. B. CO2-Emissionen) oder nur auf einer hohen Aggregationsebene (z. B. Energieeinsatz pro Produktionshalle) erfasst.
  • Eine Vollerhebung notwendiger Daten ist mit hohen Kosten verbunden und daher meist nicht zu realisieren. So kostet ein einzelner Stromzähler für die Fertigung ca. 1.000 EUR. Hochgerechnet auf ein mittelständisches Produktionsunternehmen, ergeben sich hier unverhältnismäßig hohe Kosten.
  • Auch dort, wo bereits Daten erhoben werden, fehlen zumeist Prozesse und Systeme, um die Daten an die entscheidungsrelevanten Stellen zu berichten.

Grundlage bilden physikalische Daten

Ohne physikalische Daten zu den Umweltwirkungen von Prozessen und Produkten findet ein Green Controlling aber nur wenige Ansatzpunkte. So ist das Controlling bspw. nur dann in der Lage, Investitionen in eine Anlage zur Abwasseraufbereitung richtig zu bewerten, wenn vorher die tatsächliche Menge Abwasser und der Verschmutzungsgrad bekannt sind. Sind jedoch die Umweltwirkungen nicht bekannt, können ökologisch nachhaltige Maßnahmen nur sehr schwer produktions- oder produktbezogen geplant und gesteuert werden.

Vorhandene Konzepte genügen den Anforderungen eines Green Controlling nicht

Die in Theorie und Praxis existierenden Lösungsansätze genügen bislang diesen Anforderungen nicht. So wurden in den letzten Jahren bspw. umfangreiche theoretische Konzepte unter dem Stichwort Carbon Accounting im Hinblick auf die Erfassung und das Reporting von CO2-Emissionen veröffentlicht. Diese Ansätze sind jedoch bislang nicht über die prototypische Anwendung in wenigen Unternehmen hinaus verbreitet. Die in der Unternehmenspraxis bekannten Beispiele, ein Umweltmanagement zu entwickeln und zu implementieren, bspw. nach DIN EN ISO 14001, sind zwar weit verbreitet, stellen jedoch häufig eher technisch orientierte "Insellösungen" ohne Einbindung des Controllings dar.

Das vorliegende Kapitel befasst sich daher mit den Anforderungen und Lösungsmöglichkeiten für das Accounting und Reporting physikalischer Messgrößen, wie sie ein Green Controlling erfordert.

Abb. 22: Relevanz von ökologischen Nachhaltigkeitsaspekten innerhalb des Management Reporting

Anlehnend an die Teilprozesse des Hauptprozesses "Management Reporting" des IGC-Prozessmodells, wird daher im Folgenden zunächst beschrieben, welche Vorüberlegungen für das Set-up eines Accounting und Reporting bedeutsam sind und wie eine Implementierung erfolgen kann. Anschließend werden am Beispiel der Erfassung von Emissionsdaten Gestaltungsparameter des Datenprozesses zur Quantifizierung physikalischer bzw. Umwelt-Messgrößen dargestellt, ehe auf die Berichtsgestaltung und -erstellung eingegangen wird. Abschließend werden Überlegungen zur Bewertung durch das Management, insbesondere mit Blick auf den Steuerungsansatz eines Green Controlling, angestellt.

4.4.1 Set-up des Prozesses

Mit den Anforderungen, die an "sein" Management Reporting gestellt werden, ist ein Controller i. d. R. gut vertraut. Üblicherweise existiert ein Schema interner Steuerungskennzahlen, welches die Nachfrage der Entscheidungsträger abdeckt und die Bedürfnisse z. B. der Kapitalgeber bzw. des Kapitalmarkts befriedigt.

Abb. 23: Externe und interne Anforderungen an die Messinstrumente des Green Controlling

Anforderungen an das Reporting eines Green Controlling

Doch welche Anforderungen sind an das Reporting eines Green Controlling zu stellen? Welche Anforderungen stellen externe Anspruchsgruppen, wie Umweltbehörden, Umweltverbände, Umwelt-Analysten an die Umweltberichterstattung? Welche Anforderungen sind aus Sicht einer effektiven internen Steuerung der Umweltwirkungen des Unternehmens von Bedeutung?

Die folgenden Abschnitte sollen zunächst diese grundlegenden Fragen beantworten, bevor anschließend auf die Implementierung eingegangen wird. Unterschieden werden Anforderungen an die Messinstrumente aus Sicht der externen Anspruchsgruppen und aus interner Steuerungssicht (vgl. Abb. 23). Die jeweiligen Anforderungen sind nachfolgend erläutert.

Anforderungen an die Messinstrumente aus Sicht der externen Anspruchsgruppen

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