Green Controlling / 4.1 Agenda für das Green Controlling

Das Green Controlling ist maßgeblich beeinflusst von der Ausprägung der Vision, den Zielen und Strategien der ökologischen Nachhaltigkeit (vgl. Abb. 8), die im Kapitel 3.2 bereits eingehend dargestellt wurden. In der Gestaltung des Green Controlling sind die Aufgaben, Prozesse und Instrumente des Controllings auf die relevanten ökologischen Aspekte der Nachhaltigkeitsziele und -strategien zu erweitern. Darüber hinaus ist die organisatorische Verankerung des Green Controlling zu klären und die zur Wahrnehmung der Aufgaben erforderlichen IT-Systeme müssen bestimmt werden.

Abb. 8: Die Green-Controlling-Agenda

Rolle des Green Controlling bei der Definition und Implementierung ökologischer Nachhaltigkeitstrategien

Die Aufgaben des Green Controlling können den beiden Phasen der Definition und der Implementierung ökologisch nachhaltiger Strategien zugeordnet werden. In der Phase der Strategiedefinition stehen die Generierung und Bewertung von Informationen zum aktuellen Status der ökologisch nachhaltigen Leistung des Unternehmens im Fokus, um auf dieser Basis eine ökologisch nachhaltige Strategie formulieren zu können. Im Einzelnen sind die Aufgaben in der Strategiedefinition folgende:

  1. Unterstützung bei der Analyse der Relevanz der ökologischen Nachhaltigkeit für das Unternehmen und bei der Schaffung von Transparenz über den Status quo der ökologisch nachhaltigen Leistung.
  2. Identifikation von Chancen und Risiken der ökologischen Nachhaltigkeit für den Erfolg des Unternehmens.
  3. Unterstützung der Unternehmensführung bei der Festlegung ökologisch nachhaltiger Ziele und Strategien.

In der Phase der Implementierung der ökologisch nachhaltigen Strategie liegt der Aufgabenschwerpunkt in der Sicherstellung der Verwendung ökologischer Informationen in den Planungs- und Entscheidungsprozessen des Managements, damit die Strategie umgesetzt wird und die ökologischen Nachhaltigkeitsziele erreicht werden können. Dies wird durch die Integration der ökologischen Nachhaltigkeitsaspekte der Unternehmenstätigkeit in die Prozesse der Unternehmenssteuerung und damit der Controlling-Prozesse (s. Kapitel 4.2-4.4) erreicht. In der Phase der Strategieimplementierung sind die Aufgaben des Green Controlling:

  1. Integration der ökologisch nachhaltigen Unternehmensziele und -strategien in die Planungs- und Entscheidungsprozesse des Managements.
  2. Sicherstellung der kontinuierlichen Messung der Unternehmens-Performance in den Dimensionen Ökonomie und Ökologie sowie Unterstützung der Steuerung der Zielerreichung.
  3. Integration der ökologischen Nachhaltigkeitsdimension in die bestehenden Kontroll- und Reporting-Prozesse des Unternehmens.

Aufgabenverteilung als notwendige Bedingung

Hinsichtlich der organisatorischen Verankerung ist die Frage zu klären, welche Aufgaben des Green Controlling von welcher Abteilung übernommen werden. Dabei ist es denkbar, dass diese vollständig vom Unternehmenscontrolling oder von einer anderen Abteilung, wie dem Umweltmanagement, ausgeführt werden. Das Kapitel 5 führt Kriterien für die organisatorische Zuordnung aus und zeigt erfolgreiche Praxisbeispiele.

In Bezug auf die IT-Systeme ist eine möglichst weitgehende Integration in die für die "konventionelle" Unternehmenssteuerung genutzten IT-Systeme anzustreben, um eine Exponiertheit des Green Controlling als Sonderthema bzw. "Nebenkriegsschauplatz" im Unternehmen zu verhindern. Darüber hinaus können viele ökologische Informationen aus den bestehenden Mengen- und Werteflüssen im Unternehmen abgeleitet werden, sodass teilweise auf den Aufbau paralleler IT-Lösungen verzichtet werden kann. Dies ist insbesondere bei finanznahen Kennzahlen, wie den CO2-Emissionen aus der Nutzung von Primärenergieträgern (Strom, Gas, Benzin usw.), möglich, da hier Mengen- und/oder Werteflüsse, z. B. für den Energiebedarf, zugrunde liegen. Ein praktisches Beispiel hierfür bietet die Deutsche Post DHL, welche die Erfassung von Energieverbräuchen mit der Rechnungserfassung verknüpft und in den monatlichen Meldeprozess an das Konzerninformationssystem integriert hat. In diesem erfolgt dann auch die Umrechnung der Verbräuche in Emissionen. Schwieriger ist dies bei Kennzahlen, die nicht finanznah sind, wie bspw. Kennzahlen zur Biodiversität. Die Integration der IT-Systeme ist also eng mit der Frage verbunden, welche Themenfelder für das Unternehmen relevant sind (s. Kapitel 2.1.2 und 3.2.2).

Die zur Implementierung der ökologisch nachhaltigen Strategien besonders relevanten Controlling-Prozesse und die dabei zum Einsatz kommenden Controlling-Instrumente werden in den folgenden Kapiteln anhand des Controlling-Prozessmodells der International Group of Controlling (IGC) beschrieben.

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